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ABDA gestärkt

29.09.2003
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ABDA gestärkt

Mit der Abstimmung im Bundestag hat die Gesundheitsreform die vorletzte Hürde mit großer Mehrheit genommen. Wäre damit Planungssicherheit verbunden, könnte man der Entscheidung wenigsten etwas Positives abgewinnen. Doch dem ist nicht so.

Schon vor dem In-Kraft-Treten des GKV-Modernisierungsgesetzes (GMG) denken Politiker aller Parteien über weitere Reformen nach. Trotz parlamentarischer Zustimmung ist das Gesetz ein von allen ungeliebtes Kind. SPD-Abgeordnete halten es für sozial unausgewogen, den Grünen geht die Liberalisierung des Pharmamarktes nicht weit genug, die FDP mahnt vor der Verstaatlichung des Gesundheitswesens, und die CDU will lediglich Schlimmeres verhindert haben.

Bei den Apothekern sollten die Alarmglocken schrillen. Die Zukunft der Arzneimittelversorgung ist keineswegs sicher. Zwar konnte der vollständige Systemwechsel gerade noch verhindert werden, doch der Druck von außen bleibt. Deutsche und ausländische Konzerne scharren bereits mit den Hufen. Der Fortbestand des Fremdbesitzverbotes und die Reglementierung des Versandhandels sind vielen ein Dorn im Auge. Logistiker, Lebensmittel- und Drogerieketten planen immer noch den Einstieg in den Arzneimittelmarkt.

Es bedarf also geringer Phantasie, dass Versand-Apotheken wie DocMorris mit tatkräftiger Unterstützung von Krankenkassenfunktionären weiterhin den Hebel ansetzen werden, um die Arzneimittelversorgung in Deutschland zu destabilisieren. Von der Bundesregierung ist dabei leider wenig Widerstand zu erwarten. Im Gegenteil: Bei den Grünen werden offene Türen eingerannt. Auch in der SPD dürfte es einige Abgeordnete geben, die sich nicht nur klammheimlich über eine weitere Erosion der Arzneimittelversorgung freuen. Die Lage bleibt also instabil.

Gerade deshalb war es aber richtig, dass die Apotheker in den vergangenen Wochen ihre Angebote an Versicherte und Politik offensiv vorgetragen haben. Trotz sinkender Erträge bieten sie mit dem Hausapothekenmodell und dem Bringdienst über aponet.de ihren Patienten einen Service, den kein anderer Wettbewerber leisten könnte.

Lange werden die Apotheken dies allerdings wohl nur durchhalten, wenn ihnen eine ausreichende ökonomische Basis gewährt wird. Im Vergleich zu 2002 werden die Apotheken 2004 einen deutlichen Ertragsverlust hinnehmen müssen. Grund zur Entwarnung gibt es für die Apotheken also nicht. Das GMG lässt zwar die Strukturen der Arzneimittelversorgung bestehen.

Doch das Eis ist dünn. Für eine hochwertige Arzneimittelversorgung benötigen die Apotheken verlässliche Rahmenbedingungen. Die Politik hat es in der Hand. Sie entscheidet, ob die Versicherten weiterhin schnell, kompetent und sicher versorgt werden oder von Konzernen, denen der eigene Aktienkurs wichtiger ist als der Patient. Sie entscheidet, ob die Akteure im Gesundheitswesen endlich verlässliche Rahmenbedingungen erhalten.

Daniel Rücker
Stellvertretender Chefredakteur
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