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Harmonisch verlaufen

02.10.2000
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Harmonisch verlaufen

von Dr. Hartmut Morck,
Chefredakteur

Sieht man von der hitzigen Diskussion um die Präsidentenwahl durch die Hauptversammlung der Deutschen Apothekerinnen und Apotheker einmal ab, wird der 51. Deutsche Apothekertag als ein harmonischer in die Geschichte eingehen. Das drückt sich auch in der Tatsache aus, dass nur ein Antrag – derjenige, der die Präsidentenwahl in die Hauptversammlung legen wollte – abgelehnt wurde. Den Delegierten und dem Vorstand war es gelungen, gemäß dem Motto des Apothekertages "Kompetenz zeigen – Verantwortung tragen – Nutzen bieten" kompetent zu diskutieren mit der Bereitschaft, Verantwortung für die Zukunft des deutschen Gesundheitswesens zu übernehmen und nutzenorientiert für die Gesundheit des Einzelnen zu handeln.

In diesem Rahmen war es auch angebracht, an den Apothekertag 1990 zu erinnern, an dem erstmals die Apothekerinnen und Apotheker der neuen Bundesländer teilnehmen konnten und auf die Entwicklung des Apothekenwesen in diesem Teil der heutigen Bundesrepublik hinzuweisen.

Diese Harmonie des Apothekertages sollte die Apothekerinnen und Apotheker aber nicht allzu selbstzufrieden machen, was auch ABDA-Präsident Hans-Günter Friese in seinem abschließendem Statement anmahnte. Sensibilität ist angezeigt, denn das Deutsche Gesundheitswesen steht vor seiner größten Herausforderung nach dem Krieg. Die demographische Entwicklung, die medizinischen und naturwissenschaftlichen Fortschritte sowie die begrenzten finanziellen Ressourcen zwingen die Gesellschaft über neue Strukturen nachzudenken.

Der Apothekertag hat diese Herausforderung angenommen. Pharmazeutische Leistungsgemeinschaft, Pharmazeutische Betreuung und ein auf die Apotheke zugeschnittenes Qualitätsmanagementsystem sind nur drei Schwerpunkte, die auf der Hauptversammlung und während des Expopharm Kongresses in Seminaren und Workshops intensiv bearbeitet wurden und als Lösungsangebote für die Probleme der Zukunft gesehen werden können.

Als Herausforderung bewerten die Apothekerinnen und Apotheker auch das Internet, das die Expopharm fest im Griff hatte und auch Thema der Hauptversammlung war. Nach dem Motto, wer nicht drin ist, ist out, wird auch die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apotheker ein Gesundheitsportal öffnen, um seriöse Informationen an den Mann beziehungsweise an die Frau zu bringen. Der Handel mit Arzneimitteln via Internet wird nach wie vor von der Mehrheit der Apothekerschaft abgelehnt, während die Krankenkassen nicht müde werden, dieses zu fordern und als Kostensparinstrument zu favorisieren.

Wer auf dem Apothekertag ein klares Bekenntnis der Politik gegen den Versandhandel via Internet erwartet hatte, wurde enttäuscht. Während Industrie, Großhandel, CDU und FDP sowie auch die SPD durch die Gesundheitsministerin von Nordrhein-Westfalen, Birgit Fischer, und dem Bundestagsabgeordneten Horst Schmidbauer sich gegen Versandhandel aussprachen, wollte oder konnte sich die Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer nicht zu einer klaren Stellungnahme hinreißen lassen.

Sicher ist ihr Hinweis richtig, dass nationale Verbote keine Lösung sein können. Wenn man aber den Versandhandel, wie Birgit Fischer aus NRW als unnötig, unkontrolliert und deshalb gefährlich für den Verbraucher einstuft, dann sollte es Aufgabe der Politik sein, im Interesse eines effektiven Verbraucherschutzes internationale Lösungen zu suchen. Daran schien aber die Bundesgesundheitsministerin zurzeit noch nicht zu denken.

Die deutschen Apothekerinnen und Apotheker sollten deshalb gemäß dem Motto des Apothekertages in ihren Apotheken Kompetenz zeigen, Verantwortung tragen und Nutzen bieten. Der Verbraucher wird es mit Treue belohnen. Top

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