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Ausreizen

17.09.2001  00:00 Uhr

Ausreizen

Der Deutsche Apothekertag 2001 in München wird vielen im Gedächtnis bleiben. Nicht, weil er sich inhaltlich von den Apothekertagen vergangener Jahre im positiven oder negativen Sinn unterschieden hätte, sondern weil die Terroranschläge in den USA Schatten auf die Münchner Veranstaltung geworfen haben.

Alle waren geschockt. Ein Teil war persönlich betroffen, da sich Verwandte oder Bekannte in New York aufhielten. Und die Sorgen, die durch die dauernd wiederholten Fernsehbilder noch verstärkt wurden, hatten die Lust zur Diskussion deutlich gedämpft. Die Trauer, der auch in Schweigeminuten Ausdruck verliehen wurde, und die Gedanken an die Toten und Verletzten ließen emotionalen Streitereien keinen Raum.

Auch dies kann man bedauern - und viele haben es bedauert. Andererseits hatte es den Vorteil, dass sich eine sachliche Arbeitsatmosphäre ergab, die dazu beitrug, dass die Diskussionen zu den Schwerpunktthemen des Apothekertages schon am Freitagabend beendet werden konnten.

Die Entscheidung der ABDA-Spitze, den Deutschen Apothekertag 2001 trotz der Ereignisse in den USA - ohne den sonst üblichen feierlichen beziehungsweise fröhlichen Rahmen - stattfinden zu lassen, war richtig. Eine Absage wäre einer Kapitulation vor dem Terror, vielleicht sogar einer Unterstützung der Terroristen gleichgekommen. Die von der Hauptversammlung einstimmig angenommene Solidaritätserklärung mit den Opfern in den USA und den amerikanischen Kolleginnen und Kollegen hat den Betroffenen sicher mehr geholfen als eine Absage der Veranstaltung. Die Erklärung unterstützt die Amerikaner in ihrer Haltung, dass man sich durch einen auch noch so wahnsinnigen Terror nicht lahm legen lässt.

Die Themen des Deutschen Apothekertages verblassten vor dem Hintergrund der Katastrophen in New York, Washington und Pittsburgh. Für die Weiterführung eines stabilen Gesundheitswesens in Deutschland waren sie allerdings sehr wichtig, zumal die Positionierung der Apothekerinnen und Apotheker und auch anderer Marktbeteiligter innerhalb des deutschen Gesundheitssystems neu definiert werden wird. Mit dem Arzneimittelpass und der Health Professional Card, mit einem unabhängigen elektronischen Informationssystem via Internet und mit den diskutierten pharmazeutischen Dienstleistungen hat die Apothekerschaft gute Karten. Die müssen ausgereizt werden, um den Apothekerinnen und Apothekern und damit der unabhängigen Apotheke eine unverwechselbare und nicht austauschbare Rolle im zukünftigen Gesundheitswesen zu garantieren. Die sachliche Diskussion in München hat dazu sicher beigetragen.

Dr. Hartmut Morck, ChefredakteurTop

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