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Für die Zukunft rüsten

01.09.2003
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Für die Zukunft rüsten

Der Entwurf für das Reformgesetz liegt nun vor und wird seinen parlamentarischen Weg gehen. Es ist daher müßig, weiterhin darüber nachzudenken, ob und wie wir das Gesetz noch verändern beziehungsweise verhindern können. Zusammen mit der CDU/CSU wird die rot-grüne Regierung das Gesetz durchziehen.

Es ist auch nicht zielorientiert, wenn wir uns jetzt oder auf dem Deutschen Apothekertag in Köln darüber streiten, wer Schuld daran hat, dass unsere Vorstellungen bei der Weiterentwicklung der Arzneimittelpreisverordnung nur annähernd und fast vollständig bei der Einführung der intelligenten Gesundheitskarte verwirklicht wurden. Mehrbesitz und Versandhandel konnten wir nicht verhindern. Warum nicht? Selbstkritisch müssen wir uns fragen, ob wir Fehler gemacht haben oder unsere Argumente zu schwach waren.

Die Antwort ist relativ einfach: Es gibt in der Politik keine Verhandlungen mit Apothekern oder Ärzten, die eine einvernehmliche Lösung zum Ziel haben. Solche Verhandlungen können wir mit den Krankenkassen führen, aber nicht mit Politikern. Die hören sich zwar unsere Argumente an, haben für unser Anliegen sogar Verständnis, übernehmen sie aber nicht. Die Politik wollte, und da beziehe ich die Opposition mit ein, eine anderes, liberaleres und wettbewerbsorientiertes System, also eine andere Apothekenlandschaft. Sie wollte den Versandhandel und den Mehrbesitz.

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) und seine Mitgliedsorganisationen müssen sich deshalb mit der neuen Situation auseinander setzen. Sie müssen den einzelnen Mitgliedern Lösungen anbieten, wie sie sich auf die neuen Bedingungen einstellen können. Das können Sie von uns, von Ihren Verbänden, auch erwarten.

Ein vorrangiges Ziel des DAV ist es, die Vertragshoheit zu behalten und Einzelverträge im Rahmen der besonderen Versorgungsformen auf Grund von Ausschreibungen zu verhindern. Einzelverträge würden das System, das durch die neue Arzneimittelpreisverordnung etabliert werden soll, über die Hintertür wieder aushebeln und das Gesetz konterkarieren.

Der DAV und seine Landesverbände werden nach In-Kraft-Treten des Gesetzes ihre Positionen neu bestimmen müssen. Wir werden alles daran setzen, dass die Verbände kollektiv organisierte Verträge mit den Krankenkassen verhandeln, die regional eine flexible Grundlage für Vereinbarungen zwischen Krankenkassen und Apotheken werden können. Ein Beispiel dafür sind Verträge zum Hausapothekenmodell.

Wir werden Sie auch in der Preisgestaltung der OTC-Produkte aktiv unterstützen. Denn eines muss Ihnen klar sein: Das neue System lässt eine Mischkalkulation wie bisher nicht mehr zu. Jedes Produkt, dass Sie in der Selbstmedikation verkaufen, muss seinen Deckungsbeitrag bringen, um die Apotheke wirtschaftlich auf Kurs zu halten. Das bedingt eine neue betriebswirtschaftliche Denkweise, auf die wir uns einstellen müssen. Die Zeiten, in denen teurere Arzneimittel zur Finanzierung preiswerterer Produkte oder sogar für ein Preisdumping im Ergänzungssortiment herangezogen werden konnten, sind vorbei. Preisdumping ist zukünftig, insbesondere bei apothekenpflichtigen OTC-Produkten, ein gesundheitspolitischer und ökonomischer Unsinn und wird die Apotheke in wirtschaftliche Schieflage bringen.

Die Zeiten werden härter. Der Wettbewerb wird uns zwingen, kreativer zu werden. Der Deutsche Apothekerverband und seine Landesorganisationen werden Ihnen helfen, in diesem Wettbewerb zu bestehen.

Hermann Stefan Keller
Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes (DAV)
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