Pharmazeutische Zeitung online

Aufgeschlossen

19.07.1999
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- EditorialGovi-Verlag

Aufgeschlossen

von Gisela Stieve,
Stellvertretende Chefredakteurin

Grundzüge und Ziele der Gesundheitsreform 2000 sind inzwischen wohl allen hinlänglich bekannt. Die Reform als solche ist aber längst noch nicht abgeschlossen. Es gibt interessante neue Nuancen. So hat der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Erwin Jordan, bei einer Veranstaltung des BPI-Landesverbandes Nord in Hannover durchblicken lassen, daß das Kapitel Datenlieferung durchaus noch Korrekturen erfahren kann.

Aufgeschlossen begegnete er den Vorstellungen der Apotheker in der Diskussion, die Daten, die bereits bei den Rechenzentren der Apotheker erfaßt wurden, nicht nur für die Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen zu verwenden.

Eine solche Äußerung ist noch kein Grund zur Euphorie, aber sie ist ein Zeichen des guten Willens. In Hannover hat Jordan den Eindruck vermittelt, sachlichen Argumenten aufgeschlossen entgegenzutreten. Ja er lobte sogar den dort praktizierten Umgangston, ohne Polemik und Schärfe. Wer Strukturen flexibel machen will, muß deshalb nicht zwingend seinen Standpunkt aufgeben. Aber guten Argumenten will und wird sich der Staatssekretär gewiß nicht verschließen. Das sollten wir nutzen und uns für das Gespräch im August mit Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer mit guten Argumenten wappnen.

Der Berufsstand, der mehr kann und tut als auf Rezept das richtige Arzneimittel abzugeben, hat eine Chance für die Zukunft. Beratung wird angeboten, wo Patienten und Kunden sie wünschen und brauchen. Viele Apotheker gehen auf ihre Kunden zu und fragen, ob sie mit Rat und Tat behilflich sein können, was der Arzneimittelsicherheit und dem Therapieerfolg zugute kommt. Und sie erfassen und liefern Daten, von deren technischem Know-how und Procedere die Kassen noch weit entfernt sind. Das alles tut der Berufsstand heute schon.

Die Krankenkassen sollten sich gut überlegen, ob es unter diesen Umständen klug ist, vorschnell eine Partnerschaft aufzugeben. Die AOK-Rheinland hat dieser Tage inseriert und sucht Anbieter zur "datentechnischen Archivierung der digitalisierten ärztlichen Arzneirezepte (Images) im Volumen von circa 21 Millionen Images jährlich". "Zum Ausschreibungsverfahren nicht zugelassen", und das ist eine Ungeheuerlichkeit, "sind alle Unternehmen, die selbst Apothekenabrechnungsstelle sind und die Rezeptabrechnung mit den Krankenkassen vornehmen, beziehungsweise solche Unternehmen, die mit einer Apotheken-Abrechnungsstelle gesellschaftlich, organisatorisch oder personell verflochten sind."

Das zeigt, welchen Machtanspruch die Kassen haben und was sie von Wettbewerb halten - die guten und besten Marktpartner kriegen da erst gar keine Chance. Wer die Zeichen der Zeit versteht, weiß, daß es die Zeit der strategischen Allianzen ist und nicht die Zeit der Alleingänge.

Das Angebot zur Zusammenarbeit steht. Hoffen wir auf Einsicht der anderen Seite. Top

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