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Chancen nutzen

05.07.2004  00:00 Uhr

Chancen nutzen

Der Bologna-Prozess, mit dem eine Harmonisierung der Hochschulausbildungen in Europa erreicht werden soll, wird auch an der Pharmazie nicht vorbeigehen. Das war zumindest die mehrheitliche Meinung der Experten, die sich in der letzten Woche im Rahmen der Lesmüller- Vorlesung 2004 in Erlangen getroffen haben.

Es ist begrüßenswert, dass auf Initiative der Bundesapothekerkammer dieses Thema schon jetzt aufgegriffen wurde, zu einer Zeit, in der offiziell noch nicht über eine Anpassung des Pharmaziestudiums entsprechend der Bologna-Erklärung diskutiert wird. Damit haben die Apotheker selbst das Heft des Handels in die Hand genommen und können die zukünftige Ausbildung kreativ gestalten. Schon heute wird niemand der Bundesapothekerkammer vorwerfen können, zu lange abgewartet zu haben und deshalb auf Vorschläge anderer reagieren zu müssen.

Wie wichtig die frühe Auseinandersetzung mit diesem Thema ist, zeigte die Diskussion in Erlangen. Würde die zweistufige Ausbildung mit Bachelor- und Master-Abschlüssen, wie es die Bologna-Erklärung vorsieht, unkritisch für die Ausbildung der Apotheker übernommen, bestünde die große Gefahr einer Qualitätsminderung für die Apothekerausbildung. Deshalb war es richtig, diese Frage auch mit den Meinungsbildners der Kultusministerkonferenz und des Ministeriums zu diskutieren. Das Ergebnis war zumindest insoweit zufrieden stellend, dass auch die Offiziellen den Masterabschluss als obligatorische Voraussetzung für die Approbation zum Apotheker sehen.

Wie zukünftig die Staatsprüfung aussehen könnte, wird weiter diskutiert werden müssen. Die ETH Zürich könnte dafür als Vorbild dienen. Dort wird noch in diesem Jahr das Pharmaziestudium auf Bachelor- und Masterausbildungsgänge umgestellt. Nach dem Masterabschluss folgt eine staatliche Prüfung, die Voraussetzung für Ausübung des Apothekerberufes in einer Apotheke sein wird.

Der Vorteil der Zweiteilung des Studiums wurde in der Diskussion der Experten auch sichtbar: Die Pharmazie, die bisher als Solitärfach gilt, würde sich für andere Fächer öffnen. Sie würde innerhalb der Universität interdisziplinär vernetzt und in der inhaltlichen Gestaltung flexibler werden. Eine zumindest teilweise Autonomie der Hochschule würde den Wettbewerb unter den Hochschulen fördern. Vorteile, die bei der zurzeit praktizierten Approbationsordnung kaum möglich sind.

Der Bologna-Prozess bringt also auch Chancen für eine moderne universitäre Pharmazieausbildung, die kombiniert mit den Stärken der jetzigen Ausbildung ein fast perfektes Studium der Pharmazie garantieren würde. Soweit sind wir aber noch nicht. Dazu wird es noch weitere Diskussionsrunden wie in Erlangen geben müssen.

Professor Dr. Hartmut Morck
Chefredakteur
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