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Grundlagenforschung stärken

28.06.1999
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- EditorialGovi-Verlag

Grundlagenforschung stärken

von Dr.Hartmut Morck,
Chefredakteur der Pharmazeutischen Zeitung

Ohne Grundlagenforschung gibt es keine Weiterentwicklung pharmazeutischer Produkte. Diese Erkenntnis konnten alle Teilnehmer des 3. Highlight-Kongresses der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft und der Pharmazeutischen Zeitung am letzten Wochenende aus Lindau mit nach Hause nehmen.

Damit wurde einmal mehr deutlich, wie wichtig es auch für die in der Apotheke praktisch tätigen Pharmazeuten ist, über den "Tellerrand des eigenen Faches zu schauen" und nicht nur penetrant nach der Praxisbezogenheit eines Kongresses zu fragen. Die Pharmazie ist ein interdisziplinäres Fach, bei dem sich physikalisches, chemisches, biologisches, ja sogar technisches Wissen miteinander verbinden. Deshalb erscheint es mir überlebensnotwendig für das Fach Pharmazie, sich auch über die neusten Forschungsergebnisse anderer Fakultäten zu unterrichten. Der Highlight-Kongress in Lindau bot dazu die Gelegenheit.

Besonders deutlich demonstrierte Professor Dr. Robert Huber vom Max-Planck-Institut in München mit seinen Forschungsarbeiten über proteolytische Enzyme die Abhängigkeit zwischen Grundlagenforschung und angewandter Wissenschaft. Mit seiner Arbeit will er Ordnung in die unendliche Vielzahl der Enzyme bringen, was letztendlich die Findung von Inhibitoren, auch als potente Arzneistoffe, erleichtern kann. Daß weitere Forschung notwendig ist, machte er mit der Bemerkung deutlich, daß bisher nur "Gott die Regeln kennt, nach denen sich die Proteine falten".

Wohin die Umsetzung von Grundlagenforschung in angewandte Wissenschaft führen kann, zeigte Dr. Karsten Henco mit seinen Suchmaschinen zur Entdeckung innovativer Pharmawirkstoffe. Eines wurde allerdings auch in persönlichen Kontakten mit den deutschen Spitzenforschern am Rande des Highlight-Kongresses deutlich. Die finanzielle Ausstattung der deutschen Hochschulen, aber auch der Forschungsinstitute, schränkt die Grundlagenforscher immer mehr ein. Dazu kommt, daß sie kaum Drittmittel einwerben können, da die Relevanz ihrer Arbeiten für die angewandten Wissenschaften nicht vorhersehrbar ist.

Die Befürchtungen der in Lindau anwesenden Wissenschaftler gingen soweit, daß die augenblickliche "Sparwut" der Regierung sich auch auf die finanzielle Ausstattung der Universitäten und Forschungseinrichtungen niederschlagen und Deutschland, bezogen auf die Naturwissenschaften, einen weiteren Schritt zum "Entwicklungsland" machen wird. Die von interessierten Kreisen forcierte Innovationsfeindlichkeit habe ohnehin schon dazu geführt, daß es in einigen Bereichen, zum Beispiel der Kernenergie, keine deutschen Forscher mehr gebe.

Eine düstere Bilanz dreier Nobelpreisträger, die die Verantwortlichen der Politik in Bund und Ländern allmählich wachrüttelt sollte. Hilfreich wäre es auch - dazu hat der Highlight-Kongress hoffentlich beigetragen - die Fachkreise zu sensibilisieren, sich für eine Stärkung der Grundlagenforschung einzusetzen. Deutschland muß seine Stellung in den Naturwissenschaften ausbauen, um im internationalen Vergleich in der Zukunft bestehen zu können.

Dafür sollten wir uns auch als Pharmazeuten, die nicht vergessen haben, daß die Pharmazie das Ergebnis von Grundlagenforschungen ist, vehement einsetzen. Top

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