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Nix wie weg

13.06.2005
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Nix wie weg

Sie hatten bislang keine Lust auf Urlaub? Wir können Ihnen zwar nicht versprechen, dass sich das mit dieser Ausgabe der PZ ändern wird. Aber gewiss finden Sie in unserem Schwerpunktheft »Reise« wieder eine Reihe sinnvoller Anregungen für Ihre tägliche Arbeit. Sie erfahren, wie Sonne und Urlaubsstress dem Körper zusetzen, wie wichtig eine Tollwut-Impfung ist und was man bei Reisen mit Kindern besonders beachten sollte. Und natürlich wissen sie nach der Lektüre auch, welche Erreger sich die Deutschen am liebsten mit nach Hause bringen.

Wenn Sie es sich leisten könnten, Ihre Apotheke abzuschließen und eine Zeit lang abwesend zu sein, sollten Sie es Millionen Reiselustigen gleich tun und schnell das Weite suchen. Nicht, dass es anderswo schöner wäre als bei Ihnen zu Hause. Nur hält der Sommer in diesem Jahr definitiv nicht, was wir uns am Jahresanfang von ihm versprochen haben. Dieser Sommer wird kein echter Sommer, sondern ein Wahlkampfsommer.

Gerhard Schröder bringt uns um einen ausgeglichenen, genießbaren, einfach lebenswerten Sommer. Wir dürfen nicht erst 2006 im Taumel einer zumindest fast gewonnenen Fußball-WM wählen, sondern sollen am 18. September ran. Kurz vor Herbstbeginn soll aus welkem Rot-Grün ein neuer Strauß erwachsen. Schröder hat keine Lust mehr zu regieren, für uns zu entscheiden, sich mit der Opposition auseinander zusetzen. Schröder ist es leid. Und seine Revanche trifft uns alle: Wir sollen uns Gedanken machen, ob wir reif sind für einen Wechsel; für einen Politikwechsel, Farbwechsel oder Personalwechsel.

Das Sommerloch ist uns damit abhanden gekommen ­ mit seinen lustigen Polit-Geschichtchen und Hinterbänklern, die mit kruden Visionen die Gazetten füllen. Aus dem Sommerloch wird ein Sommer-Tief für die Regierung, ein Sommer-Hoch für die Union und gar kein Sommer für uns alle. Sabine Christiansen wird durchmachen und uns mit langweiligen Sonntagsrednern nerven. Statt ferienleerer Fußgängerzonen fallen Wahlkämpfer wie Heuschrecken übers Volk her und mobilisieren zum Kampf. Gegen wen oder was? Auf jeden Fall in eigener Sache. Über Inhalte ist wenig bekannt.

Gut also, wer einen langen Sommerurlaub gebucht hat und von all dem nichts mitbekommen wird. Denn es hat schon angefangen. Überall werden sie uns mit denselben Thesen und Argumenten zur Stimmabgabe locken. Mit Arbeitsplätzen, mit Gesundheit und Sicherheit für alle, mit mehr Geld und weniger Sorgen.

Auf verlorenem Posten sieht sich der Kanzler. Alle mäkeln herum, an seiner Politik, seinen Reformen, seinem Personal und viel zu oft an ihm. Der Kanzler will weg. Er will raus aus der Koalition, raus aus eingegangenen Verpflichtungen. Nun sollen wir entscheiden: Wem trauen wir am meisten zu und ­ mehr noch ­ wem können wir trauen? Wer verkauft uns seine Halbwahrheiten am cleversten?

Ein bisschen Urlaub täte allen gut. Ferien von dieser schnatternden Berliner Republik. Urlaub von lähmenden Debatten, ideenlosen Regierungsberatern und zeitgeistversessenen Populisten. Dabei kann und soll man sich keinen Urlaub vom eigenen Land nehmen. Auch wenn der Kopf frei würde für das Neue, das Ungesagte, den anderen Weg. Egal, ob Sie verreisen oder nicht: Die PZ wird für Sie dran bleiben. Und am Ende schmunzeln wir alle, wenn es anders kommen wird, als uns versprochen wurde. Und dann, spätestens dann, fahren wir in Urlaub.

Thomas Bellartz
Leiter der Hauptstadtredaktion
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