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Studienort Apotheke

26.05.1997
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-Editorial

  Govi-Verlag

Studienort Apotheke

  von Karl-Rudolf Mattenklotz,
Präsident der Apothekerkammer Nordrhein

Daß klinische Studien in Kliniken oder Arztpraxen durchgeführt werden, ist für die meisten selbstverständlich. Wir Apotheker sollten aber darüber nachdenken, ob das immer so sein muß. Warum können nicht auch Apotheken als Prüforte miteinbezogen werden? Die Apotheken haben gleich gute Voraussetzungen wie die Arztpraxen. Außerdem sind gerade Selbstmedikationsarzneimittel bezüglich Wirkung und unerwünschter Wirkungen prädestiniert für Studien in Apotheken. Dort werden sie abgegeben, dort werden die Kunden beraten, dort könnte auch der Erfolg der Therapie dokumentiert werden. Darüber hinaus könnte ich mir auch bei der Dokumentation von Nebenwirkungen verordneter Arzneimittel gut vorstellen, daß die Apotheke als Erfassungsort geeignet ist.

Damit würden die Apotheken eine Aufgabe übernehmen, die sie für die Gesellschaft und das Gesundheitswesen noch weniger entbehrlich machte. In der augenblicklichen Diskussion über die Rolle der Apotheke und des Apothekers im Gesundheitswesen sind wir mehr oder weniger in eine Abwehrhaltung gegenüber Einflüssen aus Amerika oder anderen europäischen Ländern, etwa dem Versandhandel aus Großbritannien, gedrängt worden.

Wir sollten aber auch diese Länder nach den positiven Aspekten durchleuchten, um sie- gegebenenfalls als Vorbilder für neue Aufgaben in Deutschland heranzuziehen. Großbritannien hat bezüglich der Einbeziehung der Apotheken in klinische Studien durchaus etwas zu bieten. Dort werden die Apotheken seit einigen Jahren in die Erfassung unerwünschter Nebenwirkungen im Rahmen von Kohortenstudien mit Erfolg eingebunden. Warum sollte das nicht auch in der Bundesrepublik Deutschland klappen?

Auch die Aufgaben, die bei epidemiologischen Studien gelöst werden müssen, würden sich für den Studienort Apotheke direkt anbieten. Ebenfalls sollten die pharmazeutischen Hersteller den Studienort Apotheke in ihre Überlegungen und Planungen von Phase-4-Studien oder bei Anwendungs- beziehungsweise Beobachtungsstudien berücksichtigen.

Die Apothekerkammer Nordrhein wird in diesem Sinne einen ersten Schritt in diese Richtung machen. Sie wird in Kürze ein Projekt Apotheken-Kunden-Dialog starten, das zum Ziel hat, Daten zur Wirksamkeit und Akzeptanz der Behandlung mit nicht-verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zu sammeln. Wir sind der Überzeugung, dadurch einerseits die Patientencompliance in der Selbstmedikation zu verbessern, andererseits aber auch eine Stärkung der Apotheken-Kunden-Bindung zu erzielen. Wir hoffen, daß diese Studie keine Einzelaktion bleibt, sondern Nachahmer sowohl in den Apothekerorganisationen als auch bei den pharmazeutischen Herstellern haben wird. Schließlich muß die Selbstmedikation in den Apotheken bleiben.

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