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Geschlossenheit

17.05.2004  00:00 Uhr

Geschlossenheit

Mit dem Verhältnis zwischen Ärzten und Apothekern ist das so eine Sache. Übrigens auch mit der Beziehung zwischen Ärztinnen und Apothekerinnen. Das Verhältnis ist immer wieder geprägt von kleinen Nickelichkeiten. Es sind die kleinen Misstöne, die eine im Grundsatz funktionsfähige Beziehung aus dem Takt bringen.

Das war auf der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) am Montag nicht anders. Einen Tag vor der Eröffnung des Deutschen Ärztetages in Bremen intonierte der KBV-Vorsitzende Manfred Richter-Reichhelm das Klagelied über die Pharmazeuten. „Alarmiert“ habe die Ärzteschaft das von den Apothekern und der Barmer Ersatzkasse initiierte Hausapothekenmodell. Die im Rahmen des Vertrages zu erbringenden Check-up-Leistungen seien von den Ärzten zu erbringen, nicht von den Apothekern. Aber zukünftig würden sich die Apotheker auf ihre Aufgaben beschränken und Versicherte immer auf eine möglicherweise notwendige ärztliche Untersuchung und Behandlung hinweisen. Das habe man zwischenzeitlich klar gestellt.

Es war zu erwarten, dass die Hausapotheke die Kassenärzte interessiert. Denn das Modell ist gut. Und gut ist es, weil es nahe am Patienten ist. Die Hausapotheke ist längst Realität. Das mag manchen Ärzten nicht gefallen. Den Patientinnen und Patienten gefällt es, den Krankenkassen auch und immer mehr Apothekerinnen und Apothekern. Richter-Reichhelm dürfte überrascht sein, dass es sogar Ärzte gibt, die der Hausapotheke einiges abgewinnen können.

Im Übrigen ist die Diskussion banal. Denn Ärzte könnte aufgefallen sein, dass die Check-up-Leistungen in vielen Apotheken seit Jahren angeboten werden. Sie sollen genau die Patienten ausfindig machen, die die Hemmschwelle zum Arzt nicht nehmen wollen oder sich seit diesem Jahr den Gang zum Arzt wegen der Praxisgebühr nicht leisten können. Dass Patienten wenn nötig zum Arzt gelotst werden, ist für Apothekerinnen und Apotheker selbstverständlich.

Der Ärztetag macht ebenso wie die zahlreichen parallel stattfindenden Veranstaltungen von Ärzteorganisationen deutlich, dass die Mediziner nach ihrer Rolle suchen. Der Weg, den die Politik zeichnet, ist alles andere als klar ersichtlich. Den Halbgöttern in weiß drohen tief greifende Veränderungen. Zwischen Hausarztpraxis, EBM, Fallpauschalen, Fortbildungspflicht, und Polikliniken fällt der Durchblick nicht leicht. An den Ideen der Anderen herumzukritteln ist nicht mehr als ein Ablenkungsmanöver. Das sollten Apotheker gelassen sehen.

Die Probleme der Ärzte sollten den Apothekern verdeutlichen, dass die Fraktionierung in zahlreiche interne Interessensgruppen der Sache im Ganzen nicht dient. Das Stimmengewirr der Ärzteschaft, die Fraktionsbildung der Interessensgruppen ist erheblich und sorgt dafür, dass die Politik die ärztlichen Interessen in ihrer ganzen Vielfalt zwar hört, aber einzelne auch gerne übergeht.

Die Apothekerschaft muss auf ihren Zusammenhalt achten. Die jüngste Diskussion um die verbandliche Geschlossenheit innerhalb der ABDA muss vom gemeinsamen Ziel geprägt sein. Einen vielstimmigen Chor vertragen Apothekerinnen und Apothekern nicht.

Thomas Bellartz
Leiter der Hauptstadtredaktion
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