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Über die Zukunft

07.05.2001
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Über die Zukunft

Dr. Rainer Bienfait
Vorsitzender des Berliner Apothekerverbandes

Der Umsatz und seine Entwicklung zählen zu den wichtigsten wirtschaftlichen Kenngrößen, die etwas über die einzelne Apotheke und die gesamte Branche aussagen. Betrachtet man diese Zahlen, die uns unsere Rechenzentren und die ABDA liefern, so könnte man geneigt sein, die Situation als durchaus stabil zu bezeichnen. Ist also alles im grünen Bereich? Alles in Butter?

So kann aber nur denken, wer den menschlichen Wunsch des Verdrängens perfektioniert hat und sich auf der Insel der Seligen wähnt. Denn es gab bislang keine Zeit, in der derart intensiv an den Grundpfeilern unseres deutschen Apothekenwesens gerüttelt wurde. Die einheitliche Preisbildung durch die Arzneimittelpreisverordnung, das Versandhandelsverbot, die Unzulässigkeit von Fremd- und Mehrbesitz und auch die klare Unterscheidung von ambulanter und stationärer Versorgung stehen in der Diskussion.

Damit ich nicht missverstanden werde: Wir wollen das Apothekenwesen weiterentwickeln - für die Verbesserung der Patientenversorgung und damit auch in unserem Interesse. Wogegen wir uns aber heftig wehren, ist das unreflektierte Zerstören der bewährten Grundpfeiler der Arzneimittelversorgung, getreu dem Motto: Wir machen mal was Neues. Was dann passiert, wissen wir zwar auch nicht - Hauptsache aber ist: Wir haben etwas verändert.

Betrachtet man das in der PZ 17 veröffentlichte Interview mit Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), so könnte man auf den ersten Blick zu dem Eindruck gelangen, alles sei relativ harmlos und noch in der Diskussion, in die die Apotheker natürlich einbezogen werden sollen.

Von ganz anderer Qualität sind jedoch die Töne, die wir aus anderen Kreisen von Schmidts SPD vernehmen. Hier werden Vorschläge zur Änderung des § 14 Apothekengesetz formuliert, die uns Offizinapothekern die Sprache verschlägt. Hier einige Beispiele:

Krankenhausapotheken sollen ermächtigt werden, Spezialrezepturen an ambulante Ärzte abzugeben. Für die Versorgung von Pflegeheiminsassen wird Auseinzelung vorgesehen, um durch die Verwendung von "Großpackungen" oder gar Bulkware Einsparungen zu erzielen. Krankenhausapotheken sollen Arzneimittel auch an Ambulanzen des Krankenhauses außerhalb der Räume des Krankenhauses zur unmittelbaren Anwendung abgeben können, wobei die Preise für solche Arzneimittel an ambulante Patienten durch besondere Vereinbarung zwischen DKG und Krankenkassen festgelegt werden sollen. Die bislang schon in Krankenhäusern gängige Praxis, bei Entlassung vor Wochenenden und Feiertagen Arzneimittel mitzugeben, soll legalisiert werden. Die von einer Krankenschwester (?) vorgenommene Arzneimitteldistribution soll gesondert abgerechnet werden können.

Zudem heißt es auch: "Öffentliche und Krankenhausapotheken müssen gleichberechtigt in die integrierte Versorgung eingebunden werden". Überdies sollen die Impfstoffe aus der Apothekenpflicht mit der Begründung herausgerissen werden, auf diese Weise könnten rund 100 Millionen DM jährlich gespart werden.

Alles in allem stellt dieser Entwurf einen Frontalangriff auf die öffentliche Apotheke dar und eröffnet viele Fragen an unsere Bundesgesundheitsministerin. Wir werden sie beim DAV-Wirtschaftsforum in Berlin befragen. Und wir erwarten Antworten, die Klärung bringen.

Wir werden aber sicherlich auch den KBV-Vorsitzenden Dr. Manfred Richter-Reichhelm zum "Konzept der Ärzteschaft für die Weiterentwicklung der Arznei-, Verband- und Heilmittelversorgung" aus dem Frühjahr befragen. Wie interpretiert er die Formulierung von "der Überprüfung der Distributionskosten im Rahmen der Arzneimittelpreisbildung"? Ist diese Forderung in den zeitlichen Zusammenhang mit der KBV-Wahlen zu stellen? Und wir werden den Spitzenvertreter der deutschen Ärzteschaft auch die Frage stellen müssen, ob es für die beiden freien Heilberufe nicht sinnvoller ist, Gemeinsamkeiten zu suchen und zu formulieren, als sich die Taktik der Krankenkassen des "Divide et impera" überstülpen zu lassen.

Viele Fragen und hoffentlich auch viele Klärung bringende Antworten bei uns in Berlin - in dieser Woche - auf dem Wirtschaftsforum des DAV. Hier diskutieren wir die Zukunft.

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