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Chancen nutzen gerade in Krisenzeiten

28.04.2003
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Chancen nutzen gerade in Krisenzeiten

Die Krankenkassen sind an die Lohnkosten angebunden und deshalb angesichts der anhaltenden und sich verschlimmernden gesamtwirtschaftlichen Misere in den roten Zahlen. Doch die Politik hat bisher nicht die Kraft und den Mut, das Einnahmeproblem der Gesetzlichen Krankenversicherung auch auf der Einnahmeseite zu lösen.

Stattdessen erfolgen immer hektischere Einsparmanöver auf der Ausgabenseite und hier stets mit der Fokussierung auf den Pharmabereich. Nur elf Monate nach dem Arzneimittelausgaben-Begrenzungsgesetz wurde das Beitragssatzsicherungsgesetz in Kraft gesetzt. Es soll spätestens zum Jahresbeginn 2004 durch ein Gesundheitssystemmodernisierungsgesetz abgelöst werden. Die Apotheken sind vom Gesetzgeber in eine äußerst bedrohliche Situation gebracht worden. Apothekenschließungen und Entlassungen sind die Folge – wir werden in wenigen Tagen beim Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbandes die Daten und Fakten vorstellen.

Die Apotheken befinden sich in einer existenziellen Krise. Doch Krisen dürfen nicht dazu führen, dass wir sie duldsam hinnehmen oder uns gegenseitig zerfleischen. Gerade in Krisenzeiten müssen Chancen für eine Weichenstellung genutzt werden. Das ist eine Verantwortung, die jeder gewählte Vertreter der Apotheker übernommen hat und der er nachkommen muss.

Eine der zentralen Weichenstellungen muss bei der zukünftigen Vergütung der Apotheken erfolgen. Seit 1899 die erste deutschlandweit gültige Arzneitaxe erlassen wurde, erfolgt die Apothekervergütung in Abhängigkeit vom Einkaufspreis der Arzneimittel. Das war gut so und hat sich auch bewährt. Aber die preisabhängige Vergütung entwickelt sich zunehmend zu einem existenziellen Problem für die Apotheker: Mit jedem Kostendämpfungsgesetz zieht sich die Garotte immer enger um den Hals von Apothekerinnen und Apothekern und deren Mitarbeitern. Die Opfer, die der pharmazeutischen Wertschöpfungskette insgesamt zugedacht sind, kumulieren regelmäßig auf der Apothekenstufe.

Die preisabhängige Vergütung überstrapaziert die Mischkalkulation und macht Rosinenpickerei unter nachhaltigem medialen Applaus attraktiv für bestimmte Akteure. Doch dass den Offizinen nur die 90 Prozent der Packungen bleiben, die Zitronen sind, während die Rosinen andere picken, ist nicht auszuhalten.

Die Regierung hat uns beim außerordentlichen Apothekertag aufgefordert, unsere Vorstellungen für eine zukünftige Vergütung der Apotheken vorzulegen. Auch die Opposition, ohne die kein parlamentarischer Beschluss erfolgen kann, ist für eine sinnvolle und mit uns entwickelte Lösung offen.

Diese politische Chance auf Zukunft gilt es zu nutzen – das parlamentarische Zeitfenster dafür ist eng bemessen. In dieser Ausgabe der PZ stellen wir Ihnen unser Modell für eine zukünftige Vergütung der Apotheken vor. Es ist ein Vorschlag, der verantwortungsvoll zwischen Extremen austariert und dabei Bewährtes erhält, aber auch Neues ermöglicht. Im Segment der verschreibungspflichtigen Arzneimittel wird mit unserem Modell die bisher rein preisabhängige Vergütung durch eine Kombination aus einem preisabhängigen und einem preisunabhängigen Festzuschlag ersetzt – inklusive einer verlässlichen Dynamisierungsregel. Auch andere Regelungen in der AMPreisV sollen angepasst werden, zum Beispiel Rezepturpreise.

Haben Sie noch Fragen? Die Landesapothekerverbände und -kammern stehen Ihnen dazu in einer Vielzahl von Veranstaltungen zur Verfügung. Nutzen Sie die Möglichkeit, sich dort noch ausführlicher zu informieren und zu diskutieren. Lassen Sie uns diese große Chance für unseren Beruf gemeinsam ergreifen!

Hermann S. Keller
Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes
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