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Neugierig geworden

01.05.2000
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- EditorialGovi-Verlag

Neugierig geworden

von Wolfgang Zöller MdB,
Stellvertretender Vorsitzender des Gesundheitsausschusses und Gesundheitspolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe

Mit großem Interesse verfolge ich die Thematik des diesjährigen Wirtschaftsforums des Deutschen Apothekerverbandes, das erstmalig in Berlin stattfinden wird. Glückwunsch den Initiatoren! Das Auftreten der Apotheker in Berlin macht es auch der Politik leichter, die Anliegen einer qualitätsorientierten Arzneimittelversorgung für unsere Patienten zu unterstützen.

Das Motto des Berliner Wirtschaftsforums "Gesundheitspolitik – Neue Konturen" macht auch den Gesundheitspolitiker neugierig, weil er sich fragt, was es Neues gibt. Ins Auge springt das Stichwort von den neuen Versorgungsformen. Es ist zu begrüßen, dass sich der Berufsstand diesen neuen Versorgungsformen mit erweiterten Tätigkeitsfeldern öffnet. Die pharmazeutische Betreuung zählt sicher zu den vornehmsten Aufgaben des Apothekers, aber sie sollte sich auch inhaltlich und organisatorisch den neuen Entwicklungen im Gesundheitswesen nicht verschließen.

Anpassung ist gefragt – natürlich nicht in jedem Fall und um jeden Preis. Aber wie die jüngste Entwicklung zeigt, läuft der Prozess. In diesem Entwicklungsprozess muss sich die Apothekerschaft fragen, wie sie es mit den sich entwickelnden Formen der medizinischen und integrierten Versorgung der Patienten im ambulanten und stationären Sektor an deren Nahtstelle hält. Die Arztnetze bilden sich als medizinische Leistungsgemeinschaften. Wo bleiben die pharmazeutischen Leistungsgemeinschaften der Apotheker, die als Vertragspartner der Arztnetze fungieren?

Solche pharmazeutischen Leistungsgemeinschaften könnten im Rahmen der Versorgung je nach Region und Typ des Arztnetzes maßgeschneiderte Dienstleistungsangebote machen. Die Apotheker brauchen sich nicht in die Arztnetze einzuschließen, sondern können als eigenständige Leistungsgemeinschaft, jeweils gebunden an die Landesapothekerverbände, mit Arztnetzen kooperieren. Der Gesetzgeber hat ausdrücklich die Möglichkeit geschaffen, dass der Deutsche Apothekerverband mit den Spitzenverbänden der Krankenkassen eine Bundesvereinbarung schließt, in der Inhalte und Durchführung integrierter Versorgungsformen geregelt werden könnten.

Vor dem Hintergrund der bisher bestehenden – leider für alle Betroffenen quälenden – Budgets der Gesundheitsversorgung wäre es hilfreich, wenn Versorgungsanalysen für Ärzte im Zusammenwirken mit Apothekern ein größeres Gewicht erhielten. Eine größere Transparenz des Leistungsgeschehens sowohl im ambulanten, als auch im stationären Sektor ist dringend erforderlich. Die CSU hat dies in ihrem jüngsten Papier zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens erneut gefordert. Ich will lobend hervorheben, dass gerade die Apothekerschaft im Verbund mit den Rechenzentren bei ihren Bemühungen um die Patientenkarte mit Speicherchip für Medikation und Complianceüberwachung sowie das elektronische Rezept dieses Anliegen schon lange verfolgt. Aber es fehlt an Feldversuchen, die das Leistungsgeschehen dokumentieren. Mir ist natürlich klar, dass dies nicht allein von den Apothekern und schon gar nicht flächendeckend durchzusetzen ist. Aber regional oder kassenspezifisch dürfte dies in den überschaubaren Bereichen neuer Versorgungsformen möglich sein.

Dazu wünsche ich dem Deutschen Apothekerverband und den einzelnen Landesverbänden ein gutes Gelingen im Interesse einer immer noch zu verbessernden Versorgung unserer Patienten im Rahmen eines sozial und wirtschaftlich gestalteten Gesundheitswesens. Top

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