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Datum 22.04.2002  00:00 Uhr

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Nach dem derzeitigen politischen Willen sollen Disease-Management-Programme das leisten, was bisher Netze als integrierte Versorgungsmodelle nicht geleistet haben: Die Versorgung der Patienten preiswerter und besser und damit effektiver zu gestalten. Ich möchte hier nicht diskutieren, ob der Weg über den neuen Risikostrukturausgleich, sprich über eine andere Verteilung der Gelder aus dem Risikotopf, richtig oder falsch ist. Mir geht es primär darum, die Frage, die auch unter Apothekerinnen und Apothekern noch zurückhaltend diskutiert wird, zu beantworten: Sollen wir Apotheker oder besser müssen wir Apotheker in Disease- Management-Programme (DMP) eingebunden werden? Ich möchte es kurz machen. Meine Antwort ist ein klares Ja!

Denn wenn wir bei den DMP nicht mitmachen, vergeben wir eine Chance, die uns kein zweites Mal geboten wird. Ein Nein würde bedeuten, dass Krankenkassen und Ärzte, die zurzeit primär die DMP planen und organisieren sollen, sich den Sachverstand zu Arzneimittelfragen von anderen holen werden. Von den Ärzten wissen wir zur Genüge, dass sie der Meinung sind, die Apotheken brauchen wir nur als Verteilungsstellen und Erfüllungsgehilfen. Die Diskussion um Aut idem hat das deutlich gezeigt und auch die Kehrtwende der ärztlichen Organisationen in der Frage des Versandhandels beweist, dass in der augenblicklichen Diskussion um die Neugestaltung des Gesundheitswesens die Ärzte primär an sich denken und nicht an die Apotheker. Die Äußerungen des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der TK Hans-Dieter Koring zeigen, dass wir in diesem Punkt bei den Krankenkassen eher Verbündete finden können als in anderen Sachfragen, wie Versandhandel und Fremd- und Mehrbesitz.

Wir sollten selbstbewusst genug sein, um gegenüber der Politik unsere Mitgestaltung der DMP zu reklamieren. Den Therapieerfolg bedingt aus meiner Sicht die Führung eines Patienten. Mit den fertigen Pharmaceutical-Care-Programmen, die die Apothekerschaft erarbeitet hat, garantieren wir, dass der Patient sinnvoll gecoacht wird. Dafür brauchen wir auf lange Sicht das elektronische Rezept und den Arzneimittelpass, beides Instrumente, die von der Apothekerschaft zur Marktreife gebracht wurden. Auch die Qualitätssicherung haben wir auf freiwilliger Basis eingeführt und können somit der Politik ein qualitätsgesichertes Versorgungs- und Beratungssystem anbieten, das konkurrenzlos ist und den Versandhandel als das von den Krankenkassen favorisierte alternative Distributionssystem ad absurdum führt.

Wenn die Politik wirklich sachgerechte Gesundheitspolitik machen will, wird sie an den Angeboten der Apothekerschaft nicht vorbei kommen. Wir müssen uns nicht verstecken. Die Apotheker sind im Gesundheitssystem die einzigen, die für eine Neugestaltung des Systems Vorleistungen erbracht haben. Vielleicht macht uns das bei den anderen so unheimlich. Die haben nämlich bisher nur vollmundig angekündigt und keine Taten folgen lassen.

Die Individualapotheke hat meiner Meinung nach auch in der Zukunft eine realistische Chance. Nutzen wir sie!

Heinz-Günter Wolf
Vizepräsident der
ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände
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