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Öfter lachen!

04.04.2005  00:00 Uhr

Öfter lachen!

Auch wenn man manchmal daran zweifeln mag: Es gibt jeden Tag einen Grund zu lachen. Doch tun wir es viel zu selten; dabei ist Lachen sprichwörtlich gesund. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse belegen sogar, dass Lachen Herz und Gefäße schützt und somit Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugt.

Lachen wurde lange Zeit als rein menschliche Eigenschaft betrachtet. Doch so gerne sich der Mensch einzigartig fühlt ­ er ist es nicht, denn auch Tiere können lachen. So war in der letzten Ausgabe des renommierten Fachmagazins »Science« (Band 308, 2005, 621) zu lesen, dass Ratten lachen können.

Als Beleg führt der Psychologieprofessor Jaak Panksepp von der Bowling-Green-State-University in Ohio die Lautäußerungen spielender Jungtiere an. Er hatte Ratten gekitzelt, die daraufhin in für sie typische lachartige Jauchzer ausbrachen. Allerdings haben diese eine Frequenz von 50 Kilohertz und sind deshalb für das menschliche Ohr unhörbar.

Da ein Tier kitzliger als das andere ist ­ Jungtiere waren einfacher zum Kichern zu bringen als gestandene Rattenmänner ­ unternahmen Panksepp und seine Kollegen einen weiteren Schritt: Sie züchteten Ratten, die besonders leicht zum »Lachen« zu bringen waren. »Die lachenden Ratten können uns als Modell dienen, um systematisch die neurobiologischen Wurzeln des menschlichen Lachens zu enträtseln«, glaubt der Psychologe.

Evolutionär betrachtet gab es demnach das Lachen schon lange vor dem Menschen. Folglich müsste Lachen einen Selektionsvorteil für Lebewesen haben. Der Körper setzt es ein, um Spannungen zu lösen und einen positiven Stresszustand herzustellen. Mehr als 300 Muskeln werden beim Lachen bewegt, die Durchblutung wird gefördert und das Immunsystem gestärkt. Zudem werden bei einem spontanen Lachanfall Endorphine ausgeschüttet. Beobachtungen zeigen, dass die Anwendung von Humor positiv auf den Heilungsprozess verschiedener Krankheiten wirkt.

Der britische Gesundheitsdienst NHS setzt Lachen bereits in der Praxis ein: Er hat in Krankenhäusern Lachtherapeuten eingestellt. Die Idee dahinter ist einfach: Der Patient hat eine halbe Stunde Spaß auf Rezept und der Staat spart im Gegenzug Geld, weil Lachen gesund macht. Auch in Deutschland gibt es bereits Initiativen in diese Richtung. So bekommen zum Beispiel Kinder mit schweren Erkrankungen in einer Stuttgarter Kinderklinik zweimal wöchentlich Besuch vom Clown-Doktor.

Wie üblich, gibt es auch hier Kritiker, die diese »Therapie« als Kinderkram abtun. Sie sind mit ihrer Meinung aber zusehends in der Minderzahl. Die Erfahrung zeigt deutlich, dass Lachen Heilungsprozesse jeglicher Art fördert. Übrigens gilt hier nicht, wer zuletzt lacht, lacht am besten. Vielmehr geht es darum, es möglichst oft zu tun. Denn es gibt keine Hinweise darauf, dass Lachen nur in homöopathischen Dosen wirkt.

Dr. Kerstin A. Gräfe
Ressortleiterin Pharmazie
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