Pharmazeutische Zeitung online

Die Alternative

03.04.2000  00:00 Uhr

- EditorialGovi-Verlag

Die Alternative

von Dr. Hartmut Morck,
PZ- Chefredakteur

"Entweder entscheidet sich die Politik für schlecht ausgestattete Universitäten und demzufolge für schlecht ausgebildete Akademiker oder sie sorgt dafür, dass die finanzielle Ausstattung der deutschen Hochschulen besser wird, eventuell auch über sozial verträgliche Studiengebühren."

Mit dieser Feststellung brachte Professor Dr. Rainer H. Müller vom Fachbereich Pharmazie der Freien Universität Berlin die derzeitige Situation der deutschen Universitäten vor der Presse anlässlich des 3. World Meetings der APV und der APGI in Berlin am Montag dieser Woche auf den Punkt. Auf Grund des verwerflichen Versuches des Staates, seine Finanzen auf Kosten der Universitäten sanieren zu wollen, sind die deutschen Hochschulen, sowohl was Forschung als auch Lehre anbelangt, international nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Planung der Universitäten ist, so Müller in Berlin, nicht mehr ziel- beziehungsweise bedarfs-, sondern an Einsparpotentialen orientiert. So würden Studiengänge geschlossen, für die auf dem Arbeitsmarkt starker Bedarf besteht. Ein Beispiel ist die Schließung des Pharmazeutischen Institutes an der Humboldt-Universität in Berlin. Dabei betont die Pharmazeutische Industrie, dass der Bedarf an Apothekerinnen und Apothekern noch lange nicht gedeckt ist.

Parallelen zum dem Fach Informatik drängen sich auf. Dort wurde trotz Bedarfs die Kapazitätsaufstockung an der Technischen Hochschule Darmstadt nicht genehmigt. Im Gegenteil: Mittel wurden gestrichen. Offensichtlich bietet dieser Studiengang ähnlich wie die Pharmazie mit den zahlreichen Praktika und der vergleichsweise teueren Ausstattung, ein hohes Einsparpotenzial.

Nachvollziehbar ist die Verständnislosigkeit der auf einen Studienplatz wartenden Abiturienten, wenn die Politik mit Zustimmung der Industrie ihre Planungsfehler bei der Ausbildung mit Green Cards korrigieren will.

Es ist das gute Recht der Schüler, wenn sie für mehr Chancengleichheit auf die Straße gehen, wie in Darmstadt geschehen. Darin Ausländerfeindlichkeit zu sehen, zeugt nur davon, dass die politisch Verantwortlichen keine plausiblen Antworten auf die Fragen der Studierwilligen haben.

Dass die CDU den Bildungsnotstand zum Wahlkampfthema in Nordrhein-Westfalen macht, provoziert die Feststellung: Wer es in 16 Jahren Regierungsverantwortung nicht geschafft hat, der Jugend die Möglichkeiten einer zukunftsorientierten Ausbildung anzubieten, dem wird dies mit populistischen Verbalattacken auch nicht gelingen.

Die einzige Alternative zur Green Card sind sehr hohe Investitionen in die schulische und universitäre Ausbildung. Ansonsten würde es, so Müller in Berlin, bald notwendig werden, auch Apotheker mit einer Green Card aus dem Ausland nach Deutschland zu holen. Top

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