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Signale aus Berlin

17.03.2003
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Signale aus Berlin

Es war richtig, dass über 1200 Apothekerinnen und Apotheker am Mittwoch zum ersten Mal in der Geschichte der deutschen Apothekerschaft zum Außerordentlichen Deutschen Apothekertag nach Berlin gekommen sind.

Es war richtig, dass der ABDA-Präsident Hans-Günter Friese in einer kämpferischen Rede selbstbewusst der Politik die Meinung gesagt hat.

Es war auch richtig, dass er die Politik gezwungen hat, vor der Berufs- und der allgemeinen Öffentlichkeit Farbe zu bekennen, wie sie die deutsche Apotheke in einem reformierten Gesundheitswesen positionieren will und welche Rolle die Apothekerinnen und Apotheker übernehmen sollen.

Und es war richtig, dass 1200 Apothekerinnen und Apotheker trotz unterschiedlicher Meinung mit der rot-grünen Koalition fair blieben und zugehört haben, aber trotzdem ihre Frustration und Enttäuschung mit der augenblicklichen Gesundheitspolitik artikulierten.

Die Unterschiede zwischen Regierungslager und Opposition wurden deutlich aber auch der Zwang zum Konsens. Wie der Kompromiss zum Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG), das zum 1. Januar 2004 in Kraft treten soll, letztendlich aussehen wird, konnte die Diskussion in Berlin natürlich noch nicht zeigen. Nimmt man die Opposition beim Wort, wird es mit ihr keinen Versandhandel und keine Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzes geben. Ein klares Signal an die in Berlin versammelten Apothekerinnen und Apothekern. Einknicken will Horst Seehofer, der die CDU/CSU-Fraktion vertrat, nicht. Da er mehr Ehrlichkeit der Politik anmahnte, kann der Berufsstand hoffen, dass der Systemwechsel und die Zerstörung des freien Heilberufes Apotheker in dieser Reform nicht stattfindet. Die Äußerungen der Ministerin für Gesundheit und Soziale Sicherung Ulla Schmidt konnten allerdings anders interpretiert werden.

Auch wenn die berufsinterne Meinungsfindung am Nachmittag, insbesondere in Sachen Arzneimittelversorgung und Weiterentwicklung der Arzneimittelpreisverordnung, mühsam verlief, war sich der Berufsstand bewusst, einheitlich nach außen auftreten zu müssen und mit Angeboten den Dialog mit der Politik aufzunehmen. Nur eine Stimme gegen die Resolution zur Arzneimittelversorgung zeigt, dass die Apothekerschaft in schweren Zeiten zusammensteht und sich nicht durch Selbstzerfleischung zerstören will. Auch das ist ein wichtiges Signal aus Berlin.

Die nächsten Monate werden für die Berufsorganisationen hart werden. Berlin hat aber einen Hoffnungsschimmer aufkommen lassen, dass die unabhängige Apotheke diesen Sturm überstehen kann.

Professor Dr. Hartmut Morck
Chefredakteur
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