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Gute Chancen

28.02.2005  00:00 Uhr

Gute Chancen

Seit 1. März ist der bundesweite Integrationsvertrag zwischen Hausärzten, Hausapotheken und der Barmer Ersatzkasse in Kraft. Ein historisches Datum, denn erstmals sind die Apotheken auf der Basis des Sozialgesetzbuches V in die Versorgung und Betreuung der Patienten einbezogen. Die Nachfrage der Apotheken bezüglich der Schulungsseminare war äußerst groß. Auch die Mehrzahl der Hausärzte hat sich als Vertragspartner eintragen lassen.

Jetzt müssen nur noch die Patienten kommen, die die Vorteile des Vertrages erkennen. Dabei wird die faktische Beitragssenkung durch die nur einmalige Zahlung der Praxisgebühr sicher einen Anreiz darstellen. Die größere Motivation sollte allerdings sein, dass die Patienten die bessere Betreuung durch das Zusammenspiel der beiden Heilberufe und die ortsnahe Versorgung als optimal erkennen. Vielleicht wird der Vertrag auch die Krankenkassen davon überzeugen, dass die ortsnahe Versorgung auch bei den chronisch Kranken besser ist als über die Versandapotheke. Die BEK hat zumindest nicht vor, Versandapotheken in den Vertrag aufzunehmen. Eine gute Chance für die öffentliche Apotheke, ihre Standortvorteile zu unterstreichen und auszuspielen.

Dass die Versandapotheken die ortsnahen Apotheken nicht ersetzen können, hat die Stiftung Warentest mit einer Untersuchung der Arzneimittelversandapotheken eindrucksvoll bewiesen. Dass DocMorris zu den schlechten gehörte, hat außerdem gezeigt, dass die Diskussion um DocMorris, die in den letzen Wochen leider wieder öffentlich geführt wurde, dieser speziellen Versandapotheke mehr Image gegeben hat als deren Qualität im Lieferservice und in der Beratung rechtfertigt.

Zum Glück ist es nicht zu der befürchteten Diskussion um exorbitante Steigerungen bei den Arzneimittelkosten im Januar 2005 gekommen. Krankenkassen und die Bundesministerin für Gesundheit, Ulla Schmidt, mussten der Industrie attestieren, dass sie verantwortlich mit ihren im Januar wiedergewonnenen Freiheiten bei der Preisgestaltung umgegangen seien.

Aber auch den Krankenkassen und dem Bundesministerium muss attestiert werden, dass sie mit den Zahlen aus dem Januar verantwortlich umgegangen sind. Immerhin gab es eine Steigerung bei den Arzneimittelausgaben der GKV um 29 Prozent gegenüber dem Januar 2004. Man vergaß nicht, dass es im Dezember 2003 einen enormen Vorzieheffekt gab, der 2004 nicht zu verzeichnen war. Deshalb sind die beiden Monate nicht vergleichbar. Immerhin hat es im Januar 2005 gegenüber dem Januar 2003 noch eine Entlastung von knapp 10 Prozent gegeben, was die Apotheker auf einer Pressekonferenz in Berlin herausstellten.

Vor diesem Hintergrund und angesichts der Tatsache, dass die Krankenkassen im Jahr 2004 mehr Überschüsse erwirtschaften konnten, als bisher angenommen, bleibt zu hoffen, dass die Umsetzung der Integrationsverträge zwischen Krankenkassen, Apothekern und Ärzten ohne Sperrfeuer aus der Politik erfolgen kann. Die Chancen dazu sind gut.

Professor Dr. Hartmut Morck
Chefredakteur
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