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Ulla alaaf!

16.02.2004  00:00 Uhr

Ulla alaaf!

Alaaf und Helau, mit den Zahlen nehmen wir’s nicht so genau. An den närrischen Tagen ist vieles erlaubt, was in den übrigen vier Jahreszeiten verpönt ist. Da darf man sich verkleiden und auch mal schummeln. Einfach so und ohne Konsequenzen.

Im wenig närrischen Berlin fragt sich der Jeck, in welcher Montur er die Straßen unsicher machen will. Ich wollte als gruslig grinsende Gesundheitsministerin durch die rheinische Kneipe „Ständige Vertretung“ toben. Oder ganz lebensnah als doppelköpfiges GMG-Monster mit Masken von Ulla und Horst. Doch meine Angst vor all den verkleideten Apothekern, Ärzten und Krankenschwestern ist doch zu groß. Wer will schon mit Ulla oder Horst einen auf die Praxisgebühr trinken?

Eine Alternative wären Schmidts Genossen Franz Müntefering oder Gerhard Schröder. Doch weder habe ich Freude an der Betonfrisur noch möchte ich mich von Tausenden für die Fehlleistungen anderer beschimpfen lassen. Und sowieso, rot ist out – nicht nur im Karneval.

Bei Apothekern leuchtet es lindgrün. Die Farbe, die kooperativ Leid lindern soll. Auf den ersten Blick ist sie schön, spricht die Menschen an und hat sogar einen festen Platz in der Fernsehwerbung: Trotzdem gibt es gute Gründe, noch nicht einmal Karneval zur Linda zu mutieren. Schließlich kauf’ ich auch mein Kostüm allein...

Gottlob hat mich die Marketingabteilung des größten deutschen Pharmagroßhändlers auf eine fesche Idee gebracht: Ich ziehe als Goldkönig verkleidet durch die Kneipen. Und jedem, der es nicht hören will, werde ich auf die Nase binden, dass ich mich nur Midas nenne, in Wirklichkeit aber zu Karneval Apotheker bin. Nur der weiße Kittel war mir zu öde, das güldene Gewand ist einfach prachtvoller; und die Offizin tausche ich gegen die Goldkammer. Wenn das kein Deal ist.

So verkleidet treffe ich beim Kölsch vielleicht auf die leibhaftige Ulla. Zunächst wird eine Runde gelacht. Aber dann ist es mit dem Lachen schnell vorbei. Sensenscharf wird Schmidt schließen, dass der Goldkönig zu Karneval – und nicht nur dann – zum Goldesel mutiert. Ein Apotheker als Goldesel – Ministerinnenherz: was willst Du mehr?

Leuchtende Augen bekäme Schmidt, wenn Sie hörte, wie viele Apotheker in diesem Jahr zu Karneval, Fastnacht oder Fasching als Goldkönige unterwegs sind. Frei nach dem Motto „Unter 1000 geht nichts“ werfen manche Kooperationen anscheinend willkürlich Mitgliederzahlen in den Raum. Irgendetwas wird schon beim Zuhörer hängen bleiben. Da bleibt nur die Hoffnung: An Aschermittwoch ist alles vorbei.

Thomas Bellartz
Leiter der Hauptstadtredaktion
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