Pharmazeutische Zeitung online

Überzeugungsarbeit

10.01.2000
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- EditorialGovi-Verlag

Überzeugungsarbeit

von Daniel Rücker
Redakteur PZ-Online

"Life is better on PlanetRX." Dieser Slogan findet sich auf den Internetseiten von PlanetRX, einem Unternehmen, das sein Geld mit dem Versenden rezeptpflichtiger Arzneimittel verdient. Die Aussage ist dümmlich, das Geschäftsfeld des Unternehmens gefährlich. Dies dämmert zum Glück immer mehr Menschen.

Apotheker und Ärzte weisen zwar schon seit Jahren auf die dubiosen Angebote im Internet hin. Doch bislang scherten sich nicht allzu Viele um die Warnungen. Juristisch war gegen die Betreiber der Online-Apotheken ohnehin wenig auszurichten. Auf den Bahamas gilt das deutsche Arzneimittelgesetz nicht. Online-Apotheken machen deshalb gute Umsätze. Bestseller sind die so genannten Lifestyle-Präparate, Schmerzmittel und Antidepressiva.

Das Blatt könnte sich jetzt wenden, denn auf beiden Seiten des Atlantiks formiert sich Widerstand gegen Internet-Apotheken. In Deutschland warnen neben ABDA und Bundesärztekammer jetzt auch Verbraucherschützer eindringlich vor den Medikamenteversendern. Selbst in den USA, dem vermeintlichen Mekka der Internet-Apotheken, wächst die Sorge vor den Risiken des Arzneimittelkaufs via Computer und Telefonleitung. Das Weiße Haus hat für den Herbst 2000 eine 10-Millionen-Dollar-Kampagne gegen den illegalen Versand rezeptpflichtiger Arzneimittel angekündigt.

Es ist gut, dass die Zahl der Kritiker wächst. Nur mit intensiver Überzeugungsarbeit können die potenziellen Kunden von der Onlinebestellung abgehalten werden. Es muss jedem Kranken, jedem Verbraucher klar werden, wie gefährlich es sein kann, Medikamente über das Internet zu ordern.

Zur rechten Zeit kommt deshalb auch eine neuerliche Initiative des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe. Der Verband will auch auf die Gefahren von Falschlieferungen durch Internetversender hinweisen und prangert die schlechte Beratung der Patienten an.

Gesetzgeber und Justiz können dagegen kaum Schützenhilfe leisten. Nationale Regelungen, selbst europäische Gesetze haben keine Aussicht auf Erfolg. Nur ein weltweites Verbot des Versandhandels könnte die Internet-Apotheken stoppen. Dazu wird es aber mit Sicherheit nicht kommen. Ein einzelnes Land, das nicht mitmacht, reicht der weltweit operierenden Branche als Basis.

Apotheker und auch Ärzte sollten nicht müde werden, die Verbraucher dahingehend aufzuklären. Es ist der stete Tropfen, der den Stein höhlt. Man kann aber nur überzeugen, wenn man das kennt, wovor man warnt. Deshalb sollten Sie sich die Internetangebote der Arzneiversender ruhig einmal ansehen. Gemein ist den Angeboten, dass sie allesamt gegen deutsches Recht verstoßen, trotzdem gibt es große Unterschiede. Die Skala der Skrupellosigkeit ist nach oben hin offen.

Sie kennen keine Internetadressen von Arzneiversendern? Kein Problem: Versuchen Sie es einmal bei http://www.planetrx.com oder bei http://www.rxclinic.com oder http://www.drugstore.com. Oder geben Sie einfach die Begriffe drugs und buy in eine beliebige Suchmaschine, etwa Altavista oder Yahoo, ein. Top

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