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Gut vorbereitet

03.01.2000  00:00 Uhr

- EditorialGovi-Verlag

Gut vorbereitet

von Dr. Hartmut Morck,
Chefredakteur

Der befürchtete Crash beim Wechsel in das Jahr 2000 ist ausgeblieben. Das Licht blieb an, kein Flugzeug fiel vom Himmel und selbst die maroden Atomkraftwerke in Russland hielten dem Ziffernwechsel stand. Die Welt ist also nicht untergegangen, obwohl einige in dem Orkan Lothar am 2. Weihnachtstag schon einen Vorboten sahen.

Es wäre allerdings vermessen, die Tatsache, dass nichts passiert ist, so zu interpretieren, dass die geäußerten Befürchtungen übertrieben beziehungsweise unbegründet gewesen seien. In unserer computerabhängigen Gesellschaft konnte niemand 100-prozentig vorhersagen, dass der Datumswechsel ohne Komplikationen vonstatten gehen würde. Auch der zaghafte Versuch der Politik, den reibungslosen Wechsel als politischen Erfolg zu feiern – wie von der Sprecherin des beim Innenministerium angesiedelten Krisenstabes versucht – ist sinnlos.

Dass nichts passiert ist, ist der Erfolg von Experten, die sich seit Jahren auf den Datumswechsel optimal vorbereitet haben. Alle Eventualitäten und Komplikationen wurden mehrfach simuliert und Gegenstrategien entwickelt. Mit großem Erfolg, wie die ganze Welt im Stundentakt der Zeitzonen am 1. Januar 2000 um 0.00 Uhr aufatmend feststellte. Das hat viel Geld gekostet. Allein Bayer hat nach eigenen Angaben in den letzten Jahren 200 Millionen Euro investiert, damit alle Computersysteme und Anlagen trotz Datumswechsel funktionieren. Auch die Banken haben insgesamt Milliarden aufgewendet, damit dieser besondere Silvestertag zu keinem schwarzen Freitag wurde. Dass einzelne Bankkunden in der Nacht zum 1. Januar 2000 kein Geld an den Bankautomaten bekamen, war nur eine kleine, kaum bemerkte Freiheitseinschränkung, und schmälert den Erfolg nicht.

Für mich ist der reibungslose Datumswechsel keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis guter Vorbereitung. Der Politik sollte dieser Erfolg als Vorbild dienen. Ein Vorsatz könnte für das neue Jahr sein, Gesetze besser vorzubereiten. Das gilt insbesondere für die Gesundheitsreform.

Das am 1. Januar 2000 in Kraft getretene Rumpfgesetz verdient sicher nicht das Prädikat "gut vorbereitet". Es hat weder alle Eventualitäten durchgerechnet noch die gesellschaftlichen Entwicklungen berücksichtigt. Es wird deshalb nicht zur Stabilisierung des Gesundheitswesens im neuen Jahrtausend führen, die im Regierungsprogramm der rot-grünen Koalition festgeschrieben wurde. Da, wie wir wissen, das neue Jahrtausend erst am 1. Januar 2001 beginnt, hat die Regierung noch ein Jahr Schonfrist, um das Jahrtausendgesetz zu formulieren. Dieses Gesetz sollte mit allen Beteiligten gut vorbereitet werden, sonst wird es im Gesundheitswesen den erwarteten Crash geben.

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, liebe Kolleginnen und Kollegen, wünscht die Redaktion der Pharmazeutischen Zeitung, dass Sie gut vorbereitet ins Jahr 2000 gerutscht sind und nun den erhofften Erfolg haben werden. Wir werden Sie, wie gewohnt, aktuell und ausführlich über die gesundheitspolitischen, berufspolitischen und wissenschaftlichen Neuigkeiten unterrichten. Top

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