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Kindersicherung fürs Netz

28.07.2003
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Kindersicherung fürs Netz

von Ulrike Siedel, Berlin

Vielfältig sind die Bemühungen, Kinder- und Jugendliche vor nicht altersgerechten Inhalten im Internet zu schützen. Bislang jedoch ohne eine zufrieden stellende Lösung des Problems. Der Verband für Internetwirtschaft Deutschland (Electronic Commerce Forum e.V., eco) will die Verbreitung des Konzeptes von ICRA zum Jugendschutz im deutschsprachigen Raum fördern.

Die Internet Content Rating Association (ICRA) stellte dieser Tage die neue Version ihres Filters ICRAplus zum Jugendschutz vor. Die 1999 von Microsoft, AOL-Europe, T-Online und Bertelsmann gegründete Vereinigung hat sich vorgenommen, eine Filtermöglichkeit für Inhalte des World Wide Web zu entwickeln, die auf Selbstregulation des Anbieters basiert und gleichzeitig die Meinungsfreiheit im Internet bewahren soll. Das Projekt zum Jugendschutz wird unter anderem mit EU-Geldern unterstützt. Eco vertritt ICRA ab sofort im deutschsprachigen Raum.

Der Jugendschutz-Filter basiert auf dem Self-Labeling-Prinzip. Das heißt, Webmaster sollen ihre Seiten selbst kennzeichnen. ICRA gibt dafür einen Fragenkatalog vor, in dem detailliert Inhalte der Website abgefragt werden. Die Angaben des Betreibers werden in einem international einheitlichen Code, den so genannten PICS, verschlüsselt. So funktioniert der Filter unabhängig von der Sprache, in der die Site verfasst ist.

Bei der Installierung des ICRA-Filters haben andererseits Eltern die Möglichkeit, ein Profil zu erstellen, welche Inhalte zugelassen werden oder nicht. Der Filter lässt dann alle Internetseiten, die mit einer PICS-Verschlüsselung versehen sind und den selbstgewählten Kriterien der Anwender entsprechen, passieren.

Der Haken an dem System ist, dass dafür möglichst alle Internetseiten gekennzeichnet sein müssten, auch solche, die völlig unbedenkliche Inhalte präsentieren. Phil Archer, Technischer Direktor von ICRA, betonte bei der Präsentation, dass die Zahl der entsprechend codierten Seiten steige, wenn diese auch nicht genau zu beziffern sei. Das von Jugendministerien der Länder geförderte Internetportal www.jugendschutz.net schätzt hingegen, dass nur etwa 1 bis 2 Prozent der Internet-Seiten mit einer solchen Kennzeichnung versehen sind. Damit wären ICRA-Filter heute noch wirkungslos. Thomas Rickert, Projektleiter bei eco, sagte, Ziel sei es, ICRA im deutschsprachigen Raum populär zu machen, damit so viele Webangebote wie möglich eine Kennzeichnung bekommen.

Es stellt sich die Frage, ob Anbieter von Seiten mit Sex oder Gewalt ihre Jugendschutz-Kennzeichnung korrekt durchführen werden. Jugendschutz.net gibt zu bedenken, dass solche Anbieter „massenhaft falsche“ Angaben machen würden, um in Suchmaschinen gut plaziert zu werden. ICRA-Vertreter Archer dagegen sieht darin kein Problem. Kennzeichnung von Pornoseiten sei auch im Interesse der Betreiber solcher Seiten, sagte Archer. Diese Anbieter seien nicht an Kindern und Jugendlichen auf ihren Seiten interessiert. Jugendliche bringen kein Geld und für den Betreiber entstehen darüber hinaus Kosten für die Bereitstellung von Serverkapazität. Außerdem nehme ICRA Meldungen über kritische Internetangebote entgegen und überprüfe derartige Websites.

  • Die Software sowie die deutschsprachige Anleitung für Webmaster und Anwender ist bei www.eco.de unter der Rubrik „ICRA Deutschland“ abrufbar.

 

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