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Adressenverwalter feiert Geburtstag

03.05.2004
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DENIC

Adressenverwalter feiert Geburtstag

von Gregor Tholl, Frankfurt am Main

Vor zehn Jahren kannten es nur Eingeweihte, heute ist es selbstverständliches Kommunikationsmittel für fast jedermann: das Internet. Wer in Deutschland eine eigene Homepage hat, schmückt sie meist mit der Endung de.

Verwaltet werden diese Adressen vom DE Network Information Center (DENIC) in Frankfurt am Main, das am 22. April sein zehnjähriges Bestehen feierte. Mit der erstmaligen Zulassung von Umlauten in Internet-Adressen hat der Andrang auf Anmeldungen bei der DENIC (www.denic.de) im vergangenen Monat einen neuen Höhepunkt erreicht.

Das DENIC trägt in seine Datenbanken ein, wer eine de-Domain registriert hat und auf welchem Rechner sie beheimatet ist. Dementsprechend kann man auf der Internet-Site www.denic.de auch herausfinden, welche Adressen noch frei sind. Rund 7,5 Millionen de-Domains gibt es inzwischen, die von 80 Mitarbeitern verwaltet werden. Nach der international gebräuchlichen Endung com, die für „commercial“ steht, ist die Domain de im Netz am zweitbeliebtesten und damit das häufigste echte Länderkürzel - ein Erfolg, an dem auch die DENIC mitgewirkt hat. Günstig wirkt sich dabei aus, dass Länder wie die USA und Frankreich eigene Kürzel weniger häufig als die Endung com verwenden.

„Viele haben kritisiert, dass es ein Weg zurück in die Kleinstaaterei sei, wenn plötzlich Domain-Namen mit Umlauten und anderen nationalen Sonderzeichen möglich sind, aber die Nachfrage spricht eine eindeutige Sprache“, sagt DENIC-Sprecher Klaus Herzig. Der März brachte fast auf einen Schlag 300.000 neue de-Domains in Umlauf. Davon sind laut Herzig rund 200.000 in die neue Sonderzeichen-Kategorie einzuordnen. Registrierungs-Rekordmonat war zuvor der März vor vier Jahren gewesen. Damals, in der Hochphase des Internet-Booms, wurden 240.000 neue de-Domains angemeldet. Ein normaler Monat bringt immerhin gut 100.000 neue hervor.

Umlaute möglich

Mit dem neuen Standard IDN (Internationalized Domain Name) ist es auch möglich, nationale Sonderzeichen und Sprachen wie Arabisch, Russisch, Chinesisch oder Japanisch in einen Domain-Namen einfließen zu lassen. Im Deutschen betrifft dies vor allem Umlaute, aber auch Akzente über Buchstaben lassen sich nun mit einem entsprechenden Internet-Browser aufrufen. Das DENIC hat 92 neue Sonderzeichen erlaubt. In Österreich und der Schweiz wurden hingegen nur 30 neue zugelassen.

Das DENIC sitzt in einem unauffälligen Bürogebäude nahe dem Frankfurter Hauptbahnhof auf fünfeinhalb Etagen. Derzeit hat die DENIC-Genossenschaft fast 180 Mitglieder. Es sind Internet-Provider, die ihren Kunden - Privatleuten und Firmen - lokalen Zugang zum Datennetz verschaffen.

Die Organisationsweise des DENIC als Genossenschaft hat nach Herzigs Worten zur Folge, dass es in Deutschland vergleichsweise günstig und leicht ist, an eine eigene Domain zu kommen. DENIC arbeitet nicht - wie beispielsweise der com-Adressenverwalter veriSign - gewinnorientiert.

Kritik an DENIC kam zu Beginn immer wieder aus Fachkreisen. Zum einen waren es Internetnutzer der ersten Stunde, die die Kommerzialisierung des Netzes insgesamt missbilligten und der Vision eines basisdemokratischen und unkontrollierten Mediums nachhingen, in dem nichts und niemand registriert wird.

Zum anderen gab es gelegentlich technische Verbesserungsvorschläge. So hatten Recherchen des Computer-Magazins „c't“ einst ein Sicherheitsloch beim DENIC ausgemacht, wonach monatelang die Registrierungsdaten hätten manipuliert werden können. Inzwischen hat sich die Kritik aber gelegt, und sogar das Bundeswirtschaftsministerium freut sich darüber, dass die Verwaltung der Internet-Domains ohne eine staatliche Stelle auskommt.

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