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Gute und schwierige Seiten

21.02.2005  00:00 Uhr
Internet für Senioren

Gute und schwierige Seiten

von Ulrike Siedel, Berlin

Das Internet bietet als Medium ideale Möglichkeiten für Senioren: neue Kontakte knüpfen, mit der Familie in Verbindung bleiben, zur Information oder um Hobbys zu pflegen. Angebote für Senioren, mit Möglichkeiten zum Shoppen und Chatten sind im Internet zunehmend vertreten. Trotzdem zögert mancher Senior oder fühlt sich von dem elektronischen Medium überfordert.

»Jüngere müssen einfach damit klarkommen, weil es gang und gäbe ist, während Senioren die Freiheit haben, sich aus diesem Bereich zurückzuziehen«, sagt Kai Uwe Neth vom Fachbereich Arbeitswissenschaft und Produktergonomie der Technischen Universität Berlin (AWB). Die Produktergonomen beschäftigen sich vor allem mit den Bedürfnissen der aktiven Senioren, die den überwiegenden Teil der 60- bis 80-Jährigen ausmachen. Ihr Fazit sei, »dass die Ansprüche der Senioren nicht so speziell sind. Sie könnten auch anderen zum Vorteil gereichen«. Überschaubare Internetseiten, die Informationen schnell zugänglich machen, eine gute Leserführung oder eine kurze Ladezeit der Seiten seien schließlich für alle Nutzer interessant, erläutert Neth. «Die Senioren äußern das nur klarer und sind weniger tolerant gegenüber dem Nichterfüllen dieser Wünsche.«

Bei der Betrachtung von Internetseiten ist für ältere Menschen wichtiger als für junge, dass die Schriftgröße regelbar ist und ein guter Kontrast für die Darstellung gewählt wurde. Wichtig ist dabei die Gestaltung der Website einerseits, aber auch die Bildschirmqualität und die technische Ausstattung des Nutzers. Beim Webdesign gehe der Trend eher hin zu einfacheren Strukturen, damit die Seiten bei jedem Nutzer ungefähr gleich auf dem Bildschirm erscheinen, sagt Neth. Das kommt dann auch den älteren Nutzern zugute.

Bedarf, die Internetnutzung zu vereinfachen, besteht. Diskussionsforen bieten die Möglichkeit zum Austausch bei Problemen rund um den Rechner. Senioren kommunizieren dabei ihre Probleme auch in eigenen Foren, wie www.jung-senioren.de. Die Ingenieure der TU Berlin arbeiten seit einigen Jahren direkt mit Senioren zusammen. Als Koordinator der Projekte der Senior Research Group (SRG) des AWB sieht Neht in den Senioren selbst die besten Beurteiler neuer Technik ­ als Testpersonen und als potenzielle Berater von Herstellern.

Die Ambitionen und Voraussetzungen, die ältere Menschen für die Nutzung des Internets mitbringen sind so unterschiedlich wie ihre Lebensläufe. Dietrich Gohlke als SRG-Mitstreiter und Mitarbeiter am Webauftritt der Seniorenforscher hatte schon im Berufsleben mit Rechentechnik Umgang. Er erfreut sich nun als Rentner an der Eroberung der virtuellen Welt von zu Hause aus. Das einzige Kreuz ist für ihn die Zeit, die mit der Tüftelei um die Netzeroberung einhergeht, die er auch für andere Dinge nutzen könnte.

Einstieg mit Hindernissen

Für den Senior, der den Neueinstieg sucht, sieht Gohlke einige Probleme schon bei der Bedienung und Wartung eines Rechners. Da kann es schwer werden, den Einstieg zu finden und es bedürfe doch einer gewissen Intensität der Beschäftigung mit der Materie. »Darum sollte man schon den absoluten Drang haben, sich damit zu beschäftigen«, rät er, oder »die Briefe lieber weiter mit dem Kugelschreiber verfassen«. Prozesse, die im Hintergrund ablaufen erleichtern dabei die Arbeit nicht: Erwünschte Updates und ungewünschte Viren, die sich ganz automatisch auf den Rechner laden, sind nur zwei Beispiele, wie schnell sich die Technik der Kontrolle durch den Nutzer entziehen kann. Und das entspräche vor allem nicht dem Sicherheitsbedürfnis älterer Menschen, sagt Gohlke. «Junge Menschen probieren einfach daran herum«, während ältere eher nach einer guten Bedienungsanleitung suchten. Diese sind aber aus Sicht der Senioren für Neueinsteiger kaum verständlich. Sie bauen auf anderen Vorraussetzungen auf, als sie die ältere Generation hat.

Diese Lücke zu schließen, gibt es heute verschiedene Möglichkeiten. Internetcafes bieten vielerorts Schnupperstunden und es gibt Kursangebote, die den Zugang zu Computer und Internet erleichtern können. Wenn der Einstieg in das neue Medium gelingt, kann das Senden von E-Mails an die Enkel oder die Teilnahme an Diskussionsforen die Kommunikationsmöglichkeiten erweitern. Und das Erledigen von Einkäufen oder Bankgeschäften im Netz kann Wege, Zeit und Geld sparen. Günstigstenfalls wäre der Enkel auch der Systemadministrator. Sonst bieten auch ehrenamtliche Initiativen wie www.mousemobil.de generationenübergreifend ihre Hilfe an.

 

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