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Hygiene für die Apotheke

28.01.2002
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PHARMACON DAVOS 2002

Hygiene für die Apotheke

Seitdem multiresistente Bakterien Krankenhäuser und Arztpraxen besiedeln, ist auch die Bedeutung von Desinfektionsmitteln gestiegen. Heute wird in Krankenhäusern wegen drohender Resistenzen nur noch gezielt desinfiziert, um bestimmte Keime wie Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) oder Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) zu eliminieren. Der Stellenwert der Desinfektion in der Apotheke ist dagegen ein anderer, erklärte der Pharmazeut und Mikrobiologe Dr. Hans-Rudolf Widmer von der Apotheke des Insel-Hospitals in Bern. In der Offizin tummeln sich zwar keine gefährlichen Erreger, aber für die unsterile Produktion in Defektur und Rezeptur sei es dennoch unverzichtbar, Hände und die benötigten Utensilien zu desinfizieren.

Auf Grund der niedrigen Umsätze lohnt es sich für die Herstellerfirmen nicht, innovative Wirkstoffe zu entwickeln. Daher sind die neuen Präparate meist Kombinationen aus verschiedenen bereits lange bekannten Einzelsubstanzen, berichtete Widmer. Allein die neue Variante der Creutzfeld-Jakob-Erkrankung (vCJD) hat die Desinfektionspraxis in Krankenhäusern erheblich verändert. Da die gern verwendeten Aldehyde die Stabilität von Prionen erhöhen, wurden solche Produkte durch Präparate auf Basis von Aminen, quaternären Ammoniumbasen oder Amphotensiden ersetzt.

Neben den zahlreichen chemischen Wirkstoff eignet sich auch Wärmeeinwirkung als effektive und vor allem umweltschonende Methode zur Desinfektion. Eine fünfzehnminütige Behandlung bei 60 °C tötet alle pathogenen Keime ab. Daher ist auch Wäsche nach einem 60°-Waschgang nicht nur sauber, sondern auch keimfrei, was man besorgten Kunden ruhig erklären könne, sagte Widmer.

Viele Desinfektionsmittel enthalten Metalle wie Silber, Kupfer und Aluminium, deren gelöste Ionen an die SH-Gruppen der bakteriellen Proteine binden und somit wichtige Enzyme inaktivieren können. Das Präparat Katadyne® reinigt so verseuchtes Wasser; die Brandwundsalbe Flammazine® und die antibakteriell wirkende Alufolie sind in fast jedem Haushalt vorrätig. Die altbewährten Laugen erleben in der Desinfektionspraxis eine Renaissance, die sie der Maul- und Klauenseuche sowie Prionenerkrankungen zu verdanken haben. Vor allem gegen Prionen ist Natronlauge das Mittel der Wahl.

Die populärsten Desinfektionsmittel in Krankenhaus und Apotheken sind noch immer Alkohole wie Ethanol sowie 2- und 1-Propanol. Ihr Vorteil: Sie sind billig, haut- und materialschonend und die Wirkung tritt rasch ein. So sind Desinfektionsmittel für die Hände grundsätzlich auf alkoholischer Basis, da sie nur zehn Sekunden einwirken müssen. Außerdem wurden weltweit noch nie Allergien gegen Alkohole beobachtet.

Auch Halogene wie zum Beispiel Chlor- und Jodverbindungen bezeichnete Widmer als effektive Desinfektionsmittel, und eignen sich in Form von PVP-Jod (Betadine, Betaisodona) zur Wundbehandlung. Das Mittel der Wahl auf Notfallstationen zur Reinigung und Desinfektion von Wunden ist allerdings Wasserstoffperoxid (H2O2). Durch den Milzbrandalarm haben in den vergangenen Monaten die Peroxide wieder an Bedeutung gewonnen. So empfiehlt das Robert-Koch-Institut nach Kontakt mit dem Erreger eine Behandlung mit Peressigsäure (0,2-prozentig für zweimal eine Minute).

Phenole spielen dagegen in der Desinfektion eine untergeordnete Rolle, da sie die Umwelt belasten und außerdem teuer sind, erklärte Widmer weiter. Ebenfalls teuer, aber ausgesprochen effektiv seien dagegen Biguanide wie Chlorhexidin oder Polyhexamid. Als letztes nannte der Referent das Glucoprotamin, eine Verbindung aus L-Glucaminsäure und Kokosfettaminen, das eine den Aldehyden vergleichbare Wirkung hat und den quaternären Aminen (Quats) deutlich überlegen ist.

Obwohl die Desinfektion in der Apotheke eine weitaus geringere Rolle als im Krankenhaus spielt, ist sie in der Defektur und Rezeptur unverzichtbar. Neben der obligatorischen Reinigung und Desinfektion seien weitere Dinge zu beachten. So sollte das Labor sauber sein, möglichst glatte Oberflächen aufweisen und nur von berechtigtem Personal mit speziellen Schuhen und hygienischer Kleidung betreten werden, erklärte Widmer. Hilfreich für die Arbeit in der Offizin seien außerdem Hygienepläne, die festlegen, was mit welchem Produkt und wie oft desinfiziert werden muss.

 

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