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Britische Internetapotheke zieht es auf das Festland

18.09.2000
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-ComputerpraxisGovi-VerlagPHARMACY2U

Britische Internetapotheke zieht es auf das Festland

Von Daniel Rücker, Eschborn

Im November 1999 startete die britische Internetapotheke Pharmacy2U unter der Adresse www.Pharmacy2U.co.uk. Einige Monate später gab sogar die Royal Pharmaceutical Society of Great Britain (RPSGB) ihr Placet. Jetzt drängt das Unternehmen auf den europäischen Kontinent.

Im Gegensatz zu anderen Web-Apotheken wolle das Unternehmen bei der Expansion die Gesetze anderer Staaten beachten, sagte Geschäftsführer Dr. Keith McCullagh auf einer Euroforum-Veranstaltung in Düsseldorf. Ein Unternehmen im Gesundheitsmarkt müsse das Vertrauen der Kunden haben. Wer wie die niederländische Internetapotheke DocMorris Gesetze umgehe, erwecke nicht den Eindruck von Seriosität.

Nach eigenem Bekunden lehnt Pharmacy2U deshalb auch den Versand von Arzneimitteln in Staaten ab, die diesen Distributionsweg verbieten. Deutsche Apotheker dürften deshalb bis auf weiteres von der Konkurrenz durch die britische Internetapotheke verschont bleiben. In anderen Staaten ist das Unternehmen schon weiter. Ein Partner für eine niederländische Zweigstelle soll bereits gefunden sein, in Schweden laufen nach McCullaghs Aussage intensive Gespräche und in Frankreich sei „ein potenzieller Partner identifiziert". Grundsätzlich plane Pharmacy2U seine Auslandstöchter immer in Kooperation mit einem inländischen Partner.

Glaubt man McCullagh, dann arbeitet die britische Internetapotheke nach vergleichsweise hohen Qualitätsstandards: Alle Aufträge werden von Apothekern kontrolliert; verschreibungspflichtige Arzneimittel sollen nur nach Erhalt des Rezeptes geliefert werden und bei Bedarf wird eine Beratung via Internet durch einen Apotheker angeboten. Zurzeit können jedoch nur Privatrezepte beliefert werden.

Erst mit der für November angekündigten Überarbeitung soll auch eine Option für die Belieferung von NHS-Rezepten möglich sein. Allerdings wäre außerdem die Einführung eines elektronischen Rezeptes notwendig, das direkt von der Arztpraxis an die Internetapotheke gemailt werden kann, so McMullagh.

In Großbritannien stößt das Angebot auch bei der Industrie auf Akzeptanz. Wie McCullagh ausführte, verlinken GlaxoWellcome, Smithkline Beecham und Pharmacia&Upjohn direkt auf die Homepage von Pharmacy2U. Und auch britische Krankenhäuser scheinen keine Berührungsängste mit den Online-Versendern zu haben. Der Hospital Trust in Leeds lässt über die Internetapotheke Epo an ambulante Patienten liefern.

Pharmacy2U will sich offenbar ganz auf das Arzneimittelgeschäft konzentrieren. Vitamine oder Kosmetika seien für sein Unternehmen uninteressant, so McCullagh. Im Laufe des Jahres 2002 will das Unternehmen in die Gewinnzone kommen. Im darauffolgenden Jahr soll bereits ein Umsatz von 150 Millionen Pfund erreicht werden.

Obwohl sich die Internetapotheke offensichtlich bemüht - die Liefergeschwindigkeit einer konventionellen Apotheke erreicht Pharmacy2U freilich nicht. Wie McCullagh ausführte, liefert Pharmacy2U bis zum nächsten Werktag. Logistikpartner ist die Royal Mail. Geliefert werde in einer „Spezialverpackung".

 

Kommentar

Unbequem, unsmart, unsicher
von Daniel Rücker

Pharmacy2U versucht sich im qualitativ hochwertigen Versandhandel. Wenn Keith McCullagh die Wahrheit sagt, könnten einige Argumente gegen Internetapotheken ins Wanken kommen. Trotzdem bleiben die Vorteile auf Seiten der klassischen Apotheker. Apotheker sind schnell und interaktiv, das Internet kann da nicht mithalten.

Auch beim besten und honorigsten Internetversender ist der direkte Kontakt zum Kunden systemimmanent ausgeschlossen. Die Gefahr für Fehler bei der Anwendung der Arzneimittel steigen deshalb. Eine E-Mail an die virtuelle Apotheke kann ein persönliches Gespräch mit einem realen Apotheker eben nicht ersetzen, selbst wenn auf der anderen Seite der Mailbox ein ausgewiesener Experte sitzt. Denn Patienten werden nur Fragen stellen, die ihnen selbst einfallen. Eine interaktive Abfrage von Symptomen, Co-Medikation oder Schwierigkeiten bei der Compliance, die in einer Apotheke zur Routine gehört, lässt sich nicht durch einen statischen Fragebogen auf der Homepage simulieren. Aus gutem Grund führen Apotheker ihre Beratungsgespräche nicht ausschließlich per Formular.

Soviel zur Arzneimittelsicherheit. Der zweite Vorteil der realen Apotheker ist die kurze Lieferzeit. Wer krank ist, braucht seine Arzneimittel sofort. Internetapotheken liefern aber frühestens am folgenden Tag. Warum soll ein Patient so lange warten? Auf dem Weg vom Arzt zurück nach Hause oder an den Arbeitsplatz kommt er wahrscheinlich an einer Apotheke vorbei. Und außerdem: Der Versandhändler liefert das Medikament in der Regel während der Arbeitszeit. Wer dann nicht zu Hause ist, der muss sein Präparat abends noch abholen.

Das ist nicht conveniant, das ist nicht smart und das ist auch nicht hip. Das ist nur lästig. Top

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