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Fachinformationen aus dem Netz

13.08.2001  00:00 Uhr
WWW.<<HANDELSNAME>>.DE

Fachinformationen aus dem Netz

von Agnes Nolting, Eschborn

Ein Kunde fragt nach Informationen über ein neues Arzneimittel. Neben dem bewährten Griff zur Fachzeitschrift lohnt sich auch ein Blick ins Internet. Oft reicht die einfache Eingabe www.<<Handelsname>>.de aus, um auf Seiten mit Details zu dem gesuchten Präparat zu stoßen. Für immerhin 16 der im vergangenen Jahr zugelassenen 27 innovativen Präparate existieren Internetseiten unter einer so eingegebenen Adresse; eine Alternative ist aber auch die Suche auf englischsprachigen Seiten (www.<<Handelsname>>.com). Hier hat der Suchende in 14 Fällen Erfolg und gelangt auf die entsprechende Website.

Wer den Handelsnamen als Internetadresse eingibt, gelangt entweder auf die Homepage des herstellenden Unternehmens oder auf eine spezielle Website für das Präparat. Um auf schnellstem Weg zum Ziel zu gelangen, ist es ratsam im Inhalt der Homepage direkt nach "Produkten" oder "Fachinformationen" zu suchen.

Dem freien Zugang zu Fachinformationen schiebt in Deutschland das Heilmittelwerbegesetz einen Riegel vor. Eine Registrierung ist deshalb erforderlich. Die Beantragung eines Passwortes ist zumeist recht einfach, innerhalb einiger Minuten bis weniger Tage wird dem Antragsteller zumeist per E-Mail seine Zugangskennung mitgeteilt. Erleichterung bei der Übersicht im Passwortdschungel schafft die Registrierung bei DocCheck (www.doccheck.de). Wer sich hier anmeldet, hat die Möglichkeit, das Fachangebot verschiedener Unternehmen mit einem einzigen Passwort zu nutzen. Apotheker, Ärzte und anderes medizinisches Fachpersonal können sich ganz einfach per Internet anmelden, der Identifizierungsnachweis, etwa ein Berufsausweis oder die Approbationsurkunde kann anschließend gefaxt werden.

Zu den gelungenen Websites gehört der Auftritt www.lantus.de. In der Übersicht finden Apotheker neben der Fachinformation zu Insulin glargin auch Bilder oder Grafiken zu Wirkprofil, Herstellung, Packung und Therapie. Zudem informiert die Seite auch über Krankheitsbilder (Diabetes Typ1 und 2) und bietet im Serviceteil weitere Literaturangaben und Presseinformationen.

Gelungen ist auch die Seite eines weiteren Antidiabetikums. Neben den üblichen Rubriken mit Substanzprofil und Fachinformationen, wird bei www.actos.de unter "Literatur und mehr" auch eine Flash-Animation des Wirkmechanismus geboten.

Im geschlossenen Bereich der Website von Herceptin der Roche Pharma AG sind die verschiedenen Produkte des Unternehmens neben den Fachinformationen noch einmal gesondert mit Erläuterungen, Diaserien und wissenschaftlichen Beiträgen aufgeführt.

In seltenen Fällen wird der Fachmann auf Handelsnamen-Websites allerdings nur schlecht bedient. So bietet GlaxoSmithKline unter der Adresse www.agenerase.de zwar ausführliches Informationsmaterial zum Thema HIV, aber keine Fachinformationen zum Arzneistoff Amprenavir.

Meist bedienen die Unternehmen beide Zielgruppen, sowohl das Fachpublikum als auch den Patienten. So findet sich auf der Seite des Osteoporosemittels Actonel® (Risedronat) sowohl einen Link zu den Herstellerunternehmen Procter&Gamble sowie Aventis als auch zu einem für Laien konzipierten Internetauftritt, der allgemein über die Krankheit informiert.

Wer sich schlecht Passwörter merken kann, dafür aber gut englisch spricht, der gelangt über die Eingabe www.<<Handelsname>>.com im Allgemeinen zu US-amerikanischen Websites, .Da dort das deutsche Heilmittelwerbegesetz nicht gilt, entfällt der Passwortschutz für Fachinformationen. Die einfache Bestätigung "Healthcare Professional" und Bürger der Vereinigten Staaten zu sein, reicht meistens aus.

So erhält der Internetsurfer nach der Eingabe von www.agenerase.com auch ohne Passwort Fachinformationen inklusive Kontraindikationen und klinischen Studien. Auffällig ist, dass diese passwortfreien Seiten offensichtlich nicht nur zur Information der Fachkreise genutzt werden, sondern auch deutlich werbenden Charakter haben, wie angebotene Rabatte oder Aufrufe wie "tell a friend" zeigen. Zu beachten ist aber, dass sich die Zulassungen der Präparate in den USA und in Deutschland unterscheiden können. Darüber hinaus kann das gesuchte Arzneimittel in den USA auch unter anderem Handelsnamen laufen.

Nicht zuletzt bieten auch die Websites der Nachbarn aus der Schweiz, seltener Österreich, (www.<<Handelsname>>.ch/at) einen Ansatzpunkt für die Internetsuche. So genügt im Unterschied zum deutschen Internetauftritt unter www.enbrel.ch die Angabe, Arzt/Ärztin zu sein, um Zugang zum geschlossenen Bereich zu erhalten.

Weniger erfolgversprechend ist die Suche über die INN-Bezeichnungen der Wirkstoffe .Zwar existieren häufig Seiten zu den neuen Substanzen, da sich Firmen die Domain gesichert haben. Inhalte sind oft aber noch nicht hinterlegt.

Neben dem direkten Weg über den Namen, dient als weitere Informationsquelle im Internet auch die gerade genutzte Site, auf der die neuen Arzneistoffe der letzten 4 Jahre mit Informationen und Bewertung aufgelistet sind.

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