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Richtig recherchieren

26.03.2001
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Richtig recherchieren

von Daniel Rücker, Eschborn

Ganz vorne auf der Liste der sinnvollen Anwendungsmöglichkeiten des Internets steht die Recherche. Die Vielfalt der Angebote macht die Suche im Netz so attraktiv. Wer eine Information sucht, ob allgemeiner Natur oder hoch speziell, kann bei einer kaum überschaubaren Zahl von potenziellen Quellen recherchieren. Über Linklisten und Suchmaschinen kann der Nutzer von Website zu Website surfen.

Auf der anderen Seite ist es gerade die Vielfalt, die die Recherche im Netz bisweilen zur nervtötenden Angelegenheit macht. Wissen heißt wissen, wo es steht - und genau dort liegt das Problem. Nach Schätzungen gibt es mittlerweile mehr als eine Milliarde Internetseiten. Ungeübte Internetnutzer haben deshalb kaum eine Chance, auf Anhieb die richtige Information zu finden.

Beachtet man einige wenige Regeln, dann wird es erheblich leichter, sich im Netz zurecht zu finden. Als Einstiegsseiten für die Recherche nach Fachthemen, etwa Fragen zu Arzneistoffen, bieten sich die Archive von pharmazeutischen oder medizinischen Fachzeitschriften oder Suchmaschinen an. Eine feste Reihenfolge gibt es dabei nicht. Ob man zuerst ein Archiv ansteuert oder eine Suchmaschine, hängt von der Fragestellung und persönlichen Vorlieben ab.

Klasse oder Masse?

Archive bieten den Vorteil, dass die dort gespeicherten Informationen von einer Redaktion erstellt oder zumindest geprüft wurden. Dafür ist der Datensatz begrenzt, oft enthalten Archive nur einige tausend Dokumente. So befinden sich im Online-Archiv der Pharmazeutischen Zeitung rund 9000 Beiträge. Andere Online-Fachzeitschriften, die sich als Startpunkt für eine Arzneimittelrecherche eignen, sind die Ärztezeitung (www.aerztezeitung.de) oder die Deutsche Apothekerzeitung (www.deutscher-apotheker-verlag.de/DAZ/).

Selbstverständlich sind auch die großen Wissenschaftsjournale wie Science oder Nature im Netz vertreten. Bis auf einen kleinen freien Bereich sind sie aber nur für Abonnenten über ein Passwort zugänglich. Eine Ausnahme ist das BMJ (www.bmj.com).

Während Fachzeitschriften auch im Internet eher auf Klasse setzen, dominiert bei Suchmaschinen die Masse. Mehr als 100 Millionen Dokumente werden von den leistungsfähigsten erfasst. Doch schiere Masse ist nicht alles. Wer eine Suchmaschine mit einer Anfrage beauftragt, der erhält zwar zahllose Treffer, die Bewertung der gefundenen Informationen nimmt ihm jedoch niemand ab. Grundsätzlich gilt: Eine Nachricht ist so seriös wie ihre Quelle. Es empfiehlt sich deshalb, nur Informationen von als seriös bekannten Quellen zu nutzen. Institutionen, die im realen Leben vertrauenswürdig sind, werden bei ihrer Website mit derselben Seriosität vorgehen. Andersherum gilt aber auch: Wenn die Quelle unbekannt oder - noch schlechter - als unseriös bekannt ist, ist es wenig ratsam, die Informationen der Website zu verwenden.

Keine findet alles

Wer mit Hilfe einer Suchmaschine recherchiert, sollte sich nicht allein auf dieses eine Ergebnis verlassen. Auch die besten Suchmaschinen decken nur einen Bruchteil des Internets ab. Im Juli 1999 veröffentlichten Steve Lawrence und C. Lee. Giles im Wissenschaftsmagazin Nature das ernüchternde Resultat einer Untersuchung. Die damals leistungsfähigste Suchmaschine war Northernlight (www.northernlight.com). Sie fand 16 Prozent aller Internetseiten. Ihr folgte Snap (www.snap.com) und Altavista (www.altavista.com) mit 15,5 Prozent. Schlusslicht war Euroseek (www.euroseek.com) mit traurigen 2,2 Prozent.

Zu ähnlichen Resultaten kam im Sommer 2000 eine Untersuchung der Stiftung Warentest. Bei einem Vergleich deutschsprachiger Suchmaschinen schnitten Altavista (www.altavista.de), Google (www.google.com) und Fireball (www.fireball.de) mit der Note 2,0 am besten ab. Die Looser waren Aladin (www.aladin.de), Hotbot (www.hotbot.com) und Lycos (www.lycos.de). Auch in dieser Untersuchung stellten die Autoren fest, dass keine der Suchmaschinen eine befriedigende Netzabdeckung aufweist.

Ein möglicher Ausweg aus dem Dilemma sind die Suchmaschinen höherer Ordnung, die so genannten Metasuchmaschinen. Diese funktionieren im Prinzip genauso wie konventionelle Suchmaschinen. Der Nutzer gibt einen oder mehrere Suchbegriffe in das Suchfeld ein. Nach kurzer Zeit zeigt das Programm die Adressen von Internetseiten an, auf denen der Suchbegriff vorkommt. Im Gegensatz zur einfachen Suchmaschine recherchiert die Metasuchmaschine nicht selbst, sondern lässt suchen. Sie schickt eine Anfrage an zahlreiche Suchmaschinen und fasst deren Ergebnisse zusammen. Der Nutzer muss also einen Begriff nur ein einziges Mal eingeben, erhält aber parallel Auskunft von zahlreichen Suchmaschinen.

Wie Pilze aus dem Boden schossen in den vergangenen zwei Jahren Portale für Fachleute und Laien. Manche Anbieter wie Multimedica (www.multimedica.de) oder Netdoktor (www.netdoktor.de) bieten sehr umfangreiche Informationen für Experten. Allerdings ist es sehr arbeits- und kostenintensiv, ein aktuelles und breit angelegtes medizinisches Internetportal zu betreiben. Deshalb verlangt Multimedica Abonnementgebühren. Wie bei Fachzeitschriften kann der Nutzer auch bei Portalen davon ausgehen, dass die Informationen geprüft sind. Allerdings sind nicht alle ganz unabhängig, manche kooperieren mehr oder weniger offen mit der Industrie. Dies bedeutet zwar nicht zwangsläufig, dass die dort angebotenen Informationen falsch sind, eine Einflussnahme der Sponsoren ist aber nicht ausgeschlossen.

Wer Antworten auf sehr spezielle Fragen sucht, der sollte auch wissenschaftliche Datenbanken in seine Recherche einbeziehen. Allerdings werden nur wenige Datenbanken kostenfrei angeboten, was angesichts des enormen Aufwandes zu ihrer Pflege mehr als verständlich ist. Einen freien Zugang zu den Datenbanken Cancerlit, Aidsline und Medline erreicht der Internet-Nutzer über die Homepage des Deutschen Instituts für medizinische Dokumentation und Information (Dimdi; www.dimdi.de). Informationen über den Stand der Forschung zu noch nicht zugelassenen Arzneistoffen finden sich auf der Website der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA (www.fda.gov) oder der europäischen EMEA (www.emea.eu.int/).

Je nach Fragestellung sollten auch die Homepages der Bundesbehörden in die Recherche einbezogen werden. So bietet das Paul-Ehrlich-Institut (www.pei.de) umfangreiche Informationen über Sera und Impfstoffe, das Robert-Koch-Institut (www.rki.de) hat zahlreiche Angaben über Infektionskrankheiten und zur Epidemiologie auf seinen Seiten und beim Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (www.bgvv.de) finden sich verschiedene Datenbanken zu gesundheitsgefährdenden Substanzen.

Handelsname als Domain

Wer Fachinformationen oder Studienergebnisse zu neu zugelassenen Präparaten sucht, der wird im Allgemeinen auf den Seiten des Herstellerunternehmens fündig. In den meisten Fällen gelangt man direkt auf die gesuchte Seite, wenn man die Adresse www."handelsname".de eingibt. Wer etwa Informationen über das Antirheumatikum Leflunomid sucht, dem wird unter www.arava.de geholfen. Allerdings fordert das deutsche Heilmittelwerbegesetz einen Passwortschutz für diese Seiten.

Wer kein Passwort für eine bestimmte Homepage hat und wem die Zuteilung eines neuen Passwortes zu lange dauert, der kann über die amerikanische Adresse (www."handelsname".com) sein Ziel erreichen. Allerdings sollte er bei Lektüre der Fachinformationen bedenken, dass es Unterschiede zwischen europäischer und amerikanischer Zulassung geben kann.

Apotheker, die häufig Websites für Fachleute nutzen, müssen sich eine bald nicht mehr zu überschauende Zahl von Passwörtern merken. Wer kein Gedächtniskünstler ist, für den bietet die Internetseite von DocCheck (www.doccheck.de) eine sinnvolle Erleichterung. Hier können Apotheker und PTAs ein Passwort beantragen, mit dem sie Zugang zu zahlreichen Fach-Angeboten erhalten, die mit DocCheck zusammenarbeiten. Die Prüfung, ob man zu einer Fachgruppe gehört, die nach dem Heilmittelwerbegesetz Zugang zu Fachinformationen hat, erfolgt bei DocCheck.

Interessante Seiten, die Apothekern bei der Beantwortung von Kundenfragen weiterhelfen, sind die Websites von Radio- und Fernsehsendern. Hier finden sich Basisinformationen zu fast allen Sendungen der vergangenen Jahre. Hat etwa ein Kunde im ersten Programm einen Bericht über ein angeblich neues Wundermittel gegen Osteoporose gesehen, kann sich der Apotheker unter www.ard.de zumindest einen Überblick verschaffen, um welches Mittel es sich handeln könnte.

Einen Königsweg für die Recherche im Internet gibt es nicht. Ob sich eine Frage am besten mit Hilfe einer Suchmaschine, über eine Bundesbehörde oder in einem Fachzeitschriften-Archiv beantworten lässt, darauf gibt es keine allgemeinverbindliche Antwort. Letztlich muss sich jeder Internetnutzer seine eigene Strategie erarbeiten. Solange er alles, was er im Netz findet, kritisch hinterfragt und bei der Bewertung der Informationen dieselben Maßstäbe anlegt wie bei Printmedien, ist er in jedem Fall auf der sicheren Seite.

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