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Die richtigen Fragen stellen

17.10.2005  00:00 Uhr
Praktisches Jahr

Die richtigen Fragen stellen

von Helmut Schlager, München

Schon während des Studiums lohnt es, sich erste Gedanken über das »Leben nach dem Studium« zu machen. Das Praktische Jahr als Pharmaziepraktikant sollte gut geplant werden. Dazu kursieren zahlreiche Ratgeber, Downloads, Merkblätter und Leitfäden, die durch den Dschungel der Regelungen und Vorbereitungen führen.

Wie finde ich eine Ausbildungsapotheke, was ist wichtig bei der Auswahl? Um sich vor unliebsamen Überraschungen oder Enttäuschungen zu schützen, empfiehlt es sich, bei der Auswahl der Ausbildungsapotheke besonders sorgfältig vorzugehen. Ausbildungsangebote finden sich zahlreich in PZ und DAZ sowie über die Stellenvermittlungen von Apothekerkammern. Außerdem haben viele Fachschaften Listen von Praktikumsapotheken und natürlich können persönliche Empfehlungen sowie eigene (Famulatur-)Erfahrungen bei der Entscheidung helfen.

Hat man ein Objekt der Begierde ausgemacht, stellt sich die Frage nach geeigneten Auswahlkriterien. Natürlich ist es für hier noch unerfahrene Studenten schwierig, die richtigen Maßstäbe anzusetzen. Weil dies auch manchen heute approbierten Kollegen früher schwer fiel, verabschiedete der deutsche Apothekertag 2001 einen Antrag zur »Qualität der Ausbildung im Praktischen Jahr«. Darin forderte die Hauptversammlung der deutschen Apotheker die ABDA auf, deutschlandweit als Empfehlung formulierte »einheitliche Qualitätsstandards für die Ausbildung des pharmazeutischen Nachwuchses in öffentlichen Apotheken während des Praktischen Jahres« einzuführen.

Eine Arbeitsgruppe »Qualitätssicherung der Ausbildung im Praktischen Jahr« der Bundesapothekerkammer erarbeitete daraufhin unter Mitwirkung von zwei Vertretern des Bundesverbandes der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) Vorschläge zur Umsetzung dieses Antrages. Diese finden sich wieder in der »Checkliste für Pharmaziepraktikanten zur Auswahl der Ausbildungsapotheke«, die auch unter der im Kasten genannten Internetadresse der Bayerischen Landesapothekerkammer zu finden ist.

Interessant sind die folgenden Überlegungen: Wie viele Mitarbeiter sind in der Apotheke beschäftigt? Welche Berufsausbildung haben sie? Wer ist für die Ausbildung des Praktikanten verantwortlich (Apothekenleiter/in oder approbierte Mitarbeiter)? Welche Größe hat die Apotheke? Wie ist die Lage? Stehe ich von früh bis spät ohne Unterbrechung im Handverkauf oder bietet sich auch Gelegenheit zur Literaturrecherche? Sind eigene kleine Projekte möglich und können regelmäßig die Arbeitsbogen für die praktische Ausbildung der Pharmaziepraktikanten bearbeitet werden? Bietet die Apotheke besondere Dienstleistungen an? Setzt sie bestimmte Schwerpunkte wie Pharmazeutische Betreuung, Ernährungsberatung, Homöopathie und Naturheilverfahren, Herstellung von Zytostatika, Versorgung von Alten- oder Pflegeheimen, veranstaltet sie Aktionswochen? Verfügt die Apotheke über ein QM-System, handelt es sich um eine Weiterbildungsstätte, wie steht es um die sachlich-fachliche Ausstattung mit Literatur, Internetzugang, Datenbanken?

Generell gilt natürlich, dass Apotheken, die nur einen Teil der Möglichkeiten anbieten, keine schlechten Ausbildungsstätten sein müssen. Es schadet dennoch nicht, die genannten Punkte detailliert abzufragen, um sich vorab ein erstes Bild vom Betrieb zu machen. Der Bewerber zeigt dem Ausbilder damit auch, dass er interessiert und engagiert an die neue Aufgabe herangeht.

Eine weitere Möglichkeit, sich relevante Kriterien für die Ausbildung durch den Kopf gehen zu lassen, ist für Ausbilder wie angehende Praktikanten der Fragebogen zur »Bewertung der Ausbildungsapotheke«. Diesen Fragebogen können sich Studenten unter www.bphd.de (Downloads/ Der Fragebogen zur Ausbildungsapotheken-Bewertung) herunterladen. Hierin werden die für die Ausbildung wichtigen Punkte wie »Ausbildung nach den Vorgaben der Approbationsordnung«, »Herstellung, Beurteilung von Rezepturen«, »Beratungsgespräch«, »Kennenlernen aller Tätigkeiten nach Apothekenbetriebsordnung«, »Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen«, und »Lesen von Fachzeitschriften« aufgeführt. Fragen zur Person des Ausbilders ergänzen die Palette. Dazu gehören die »persönliche Leitung der Ausbildung, Ansprechbarkeit für Rückfragen, Förderung der Fortbildung, fachliche Forderung, gutes Betriebsklima«. Sinnvoll erscheint es gerade in größeren Apotheken, einen für die Ausbildung verantwortlichen Apotheker festzulegen, damit eine strukturierte Betreuung des Praktikanten gewährleistet ist.

 

Download Der Beitrag wurde im Rahmen eines Vortrages für Studenten, Praktikanten, Ausbilder und solche, die es werden wollen, während des Bayerischen Apothekertages 2005 in Füssen zusammengestellt. Die Vortragsfolien können unter www.blak.de (Kammer/Begleitender Unterricht/Vortrag »Tipps für das Praktische Jahr«) im PDF-Format heruntergeladen werden.

 

Anschrift des Verfassers:
Dr. Helmut Schlager
Bayerische Landesapothekerkammer
Maria-Theresia-Str. 28
81675 München
Telefon: (0 89) 92 62-36
Fax: (0 89) 92 62-66
helmut.schlager@blak.aponet.de
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