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Dienstleistungen, eine Aufgabe für alle Apotheker

17.09.2001  00:00 Uhr

APOTHEKERTAG 2001
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Dienstleistungen, eine Aufgabe für alle Apotheker

Auch wenn es durchaus Stimmen gibt, die Leitlinien zu Disease Management-Programmen als überflüssig und unpraktikabel bezeichnen, so ist davon auszugehen, dass diese auch in der Pharmazie zukünftig eine wichtige Rolle spielen werden, sagte Dr. Christiane Eckert-Lill, Geschäftsführerin Pharmazie der ABDA, bei ihrem einleitenden Statement im Arbeitskreis IV "Pharmazeutische Dienstleistungen". So hätten die Krankenkassen angekündigt, schon im nächsten Jahr Disease-Management-Programme insbesondere für die Behandlung chronisch kranker Patienten aufzulegen.

Wie Erfahrungen aus den USA zeigen, kämen von den medikamentös behandelbaren Krankheiten beispielsweise Asthma und Diabetes für solche Programme in Frage. Zwangsläufig müsse der Apotheker mit der Pharmazeutischen Betreuung in dieses integrierte Konzept eingebunden werden. Diese pharmazeutische Dienstleistung trage erwiesenermaßen zur Therapieoptimierung und damit zur Verbesserung des Gesundheitszustandes und der Lebensqualität des Patienten bei.

Eckert-Lill warnte allerdings auch vor Gefahren, die Disease-Management-Programme - wie wiederum das Beispiel Amerika lehrt - bergen: Dort seien durch Haus-Arzt-Modelle und Pauschalvergütungssysteme Anreize zur "effizienten" Leistungserbringung gesetzt worden. Dabei könne sich die Frage stellen, ob Aspekte der Qualität der Therapie und der adäquaten Patientenversorgung eher nachrangig gegenüber wirtschaftlichen Interessen sind. Gleichwohl sei dies kein Grund, die Programme abzulehnen. Eckert-Lill: "Vielmehr sollten wir uns als unverzichtbarer Partner zum Wohle des Patienten einbringen".

Einstimmig wurde denn auch folgender Antrag verabschiedet: "Die Hauptversammlung fordert die Krankenkassen auf, bei der Entwicklung, Umsetzung und Evaluierung von Disease-Management-Programmen zur Betreuung chronisch Kranker die Apothekerschaft aktiv einzubinden."

Prävention fördern

Spätestens seit dem letzten Gutachten des Sachverständigenrats für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen ist die Vorbeugung topaktuell. Die Gutachter konstatierten, dass der Prävention der großen Volkskrankheiten - zum Beispiel Koronare Herzerkrankung, Schlaganfall, Krebs oder Asthma - zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Apotheker sind bereits in Bereichen der Primär- und Sekundärprävention aktiv, erinnerte Eckert-Lill und verwies auf Ernährungsberatung sowie die Entdeckung von Frühstadien einer Erkrankung durch Screening-Untersuchungen. Schwerpunkt apothekerlichen Handelns sei sicherlich auch die Tertiärprävention.

Ein Leitantrag zur Prävention wurde konsequenterweise angenommen. Er fordert die ABDA auf, sich beim Gesetzgeber und den anderen Beteiligten im Gesundheitswesen intensiv für eine Beteiligung der Apotheker an der Entwicklung neuer Konzepte zur Primär- und Sekundärprävention und für deren verstärkte Einbindung in Präventionsmaßnahmen einzusetzen. Viele Kollegen hätten sich zum Beispiel durch eine Weiterbildung in Ernährungsberatung hoch qualifiziert; nun wollten sie ihre Leistung anbieten und dafür "irgendwann" auch honoriert werden, betonten mehrere Diskussionsredner.

Klinische Pharmazie etablieren

Die ABDA-Geschäftsführerin, die weiterhin Information und Beratung, Pharmazeutische Betreuung, Qualitätssicherung und die Anfertigung von Spezialrezepturen als pharmazeutische Dienstleistungen schilderte, nannte darüber hinaus die Klinische Pharmazie als wichtige Aufgabe. Verstärkt werde sich der Apotheker mit den arzneimittelbezogenen Problemen des Patienten auseinandersetzen.

Während die praktische Umsetzung der Klinischen Pharmazie in den USA stets zeitnah Einfluss auf die Ausbildung genommen hat, war man in Deutschland bislang auf postgraduale Qualifikationsmöglichkeiten durch berufsbegleitende Weiterbildung oder Fortbildung angewiesen. Nachdem feststand, dass die Klinische Pharmazie ein eigenes Prüfungsfach im Rahmen des zweiten Prüfungsabschnittes wird, haben die pharmazeutischen Institute ihre Angebote an Lehrveranstaltungen zur Klinischen Pharmazie deutlich intensiviert. Eckert-Lill verwies auf eine Umfrage der Bundesapothekerkammer Ende vergangenen Jahres, nach der immerhin 19 der 23 pharmazeutischen Institute Veranstaltungen zur Klinischen Pharmazie anboten.

Überzeugungsarbeit leisten

Die Etablierung der Klinischen Pharmazie in der Lehre sei jedoch nur ein Teil; diese müsse auch in der universitären Forschung verankert sein. Daher müsse das neue Fach langfristig durch eigene Lehrstühle vertreten sein - eine Forderung, die die Delegierten mit einem Leitantrag unterstützten. Eckert-Lill war vorsichtig: "Bis dahin wird es jedoch ein langer Weg sein". Um die Voraussetzungen für die Forschung zu schaffen, sollten engagierte Apotheker zum Beispiel im Rahmen eines Forschungsaufenthaltes im Ausland Gelegenheit erhalten, von der Erfahrungen der ausländischen Kollegen zu profitieren. Last but not least müssten die Universitäten die notwendigen Mittel bereit stellen. Auch hier ist Überzeugungsarbeit nötig.

"Klinische Pharmazie ist nicht Krankenhauspharmazie", betonte Eckert-Lill. Auch wenn die Krankenhausapotheker ganz maßgeblich dazu beigetragen hätten, die Klinische Pharmazie in Deutschland zu etablieren, so sei diese nicht auf das Krankenhaus beschränkt. Alle Apotheker könnten unabhängig von ihrem pharmazeutischen Tätigkeitsbereich dazu beitragen, die Arzneimitteltherapie des Patienten so effektiv und sicher wie möglich zu gestalten. Dieses gelte insbesondere für diejenigen, die im direkten Kontakt mit den Patienten stehen, dass heißt neben den Krankenhausapothekern auch für die Offizinapotheker.

Große Zustimmung zu den Anträgen

Dass den Delegierten die Themen Ausbildung und pharmazeutische Dienstleistungen am Herzen liegen, bewiesen die zahlreichen Anträge zu diesem Tagesordnungspunkt. Entschieden wandte man sich gegen jegliche Versuche, das Pharmaziestudium an die Fachhochschule zu verlagern. Vielmehr wurden die Wissenschafts- und Kultusminister der Länder per Antrag aufgefordert, die Ausbildungskapazitäten in der Pharmazie zu erhöhen und dafür zu sorgen, dass die Lehrstühle der Pharmazie bevorzugt mit Pharmazeuten besetzt werden. Dies sei für die Zukunft des Berufsstandes unerlässlich, auch wenn sich die Pharmazie als interdisziplinäres Fach immer auch der Kompetenz der Nachbardisziplinen bedienen werde.
Ob an jeder Universität die Möglichkeit zur Diplomarbeit geschaffen werden soll, konnte nicht entschieden werden. Dieser Antrag wurde nach kurzer Diskussion an einen Ausschuss verwiesen. Gleiches widerfuhr einem Ad-hoc-Antrag, den Curricularnormwert (CNW) der Pharmazie - laut Eckert-Lill ein Maß für die Studentenbetreuung - anzuheben. In Zeiten leerer Kassen sei eine Aufstockung des Lehrkörpers nicht zu erwarten; stattdessen könnten Studienplätze gestrichen werden, befürchtet die Geschäftsführerin Pharmazie.

Die Qualität der Ausbildung in öffentlichen Apotheken während des praktischen Jahres soll nach dem Willen der Delegierten angehoben und angeglichen werden. Zur Zeit variiert die Güte der Ausbildung je nach Ausbildungsstätte erheblich; einheitliche Qualitätsstandards sollen hier Abhilfe schaffen.

Ein schon bei früheren Apothekertagen mehrfach gestellter - und abgelehnter - Antrag, dass zum Betreiben einer Apotheke zwei Apotheker nötig seien, wurde auch in München verworfen. Dem Argument, dass dieser Antrag ein "klares Bekenntnis zur Qualität" sei, mochten die Delegierten nach kurzer, aber hitziger Debatte auch angesichts des aktuellen Apothekermangels nicht folgen.

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