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Mehr Sicherheit bei Arzneimitteln

17.09.2001  00:00 Uhr

APOTHEKERTAG 2001
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Mehr Sicherheit bei Arzneimitteln

Er sprach den Apothekern aus dem Herzen: Der bayerische Gesundheitsminister Eberhard Sinner steht zum freien Heilberuf der Apotheker. Ebenso befürwortet er Apothekenpflicht und einheitlichen Arzneimittelpreis, die freie Apothekenwahl durch den Patienten, das Verbot von Fremd- und Mehrbesitz sowie des Versandhandels mit Arzneimitteln. Moderne Kommunikationsmedien könnten den Apotheker am Ort nicht ersetzen, bekräftigte Sinner in seinem Grußwort.

Gleichwohl ist der Minister für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz nach eigenen Worten ein Telematik-Fan. Von der neuen Technik erwartet er einen Beitrag zu mehr Arzneimittelsicherheit. Der Arzneimittelpass, vor Jahren von den Apothekern entwickelt, sei Bestandteil der bayerischen Telematikplattform. Das Projekt "Gesundheits-Chipkarte und Kommunikation", das Leistungsträger und -erbringer vernetzen soll, werde in einer dreijährigen Modellphase in verschiedenen Regionen umgesetzt. Ziel ist es, die medizinische Versorgung zu optimieren, chronisch Kranke gezielter zu versorgen sowie Arzneimittelsicherheit und Notfallversorgung zu verbessern.

Für essenziell hält es der Minister, dass der Bürger die Hoheit über seine Daten behält und die Patientenkarte auf freiwilliger Basis eingeführt wird. Nur so werde die Eigenverantwortung des Bürgers für seine Gesundheit gestärkt.

Auch das Spontanerfassungssystem für Arzneimittelrisiken will er überdenken. Unerwünschte Effekte müssten systematisch erfasst und ausgewertet werden. Bereits im Sommer habe die Gesundheitsministerkonferenz über die Etablierung eines bundesweiten Pharmakovigilanz-Systems diskutiert. Im Rahmen der Gesundheitsinitiative "Bayern aktiv" will Sinner den Aufbau eines Netzwerkes, angesiedelt bei der Universität Erlangen, anordnen. Der Apotheker als "Arzneimittelfachmann par excellance" erhalte von seinen Kunden ständig wertvolles Feedback über Nebenwirkungen; das biete ein gutes Fundament für die Risiko-Erfassung.

Der Minister rief die Apotheker dazu auf, ihr Know-how besser einzubringen. Ausdrücklich lobte er Initiativen wie Fortbildungsarbeit, Qualitätszirkel, Pharmazeutische Betreuung und das Internet-Angebot der Apotheker "www.aponet.de". Für diskussionswürdig hält er den Vorschlag, den Apothekern die Arzneimittelauswahl bei Wirkstoffverordnung zu übertragen. Bei der Aut-idem-Auswahl sehe er keinen Eingriff in die ärztliche Therapiefreiheit. Hilfreich sei ein Qualitätsmanagementsystem in der Apotheke.

Erwartungsgemäß hart ging der bayerische Minister mit der Gesundheitspolitik der Regierung ins Gericht: "Sie zerbröselt wie ein Knäckebrot". Dagegen forderte er eine "Gesundheitsreform aus einem Guss". An erster Stelle stehe die Eigenverantwortung des Bürgers und die Prävention. Sinner verwies auf das Präventionsprojekt "Talking eyes" der Uni Erlangen mit der BKK Siemens. Ziel ist es, bei der Untersuchung des Augenhintergrundes Risikofaktoren für Schlaganfall oder Herz-Kreislauf-Krankheiten frühzeitig zu erkennen. Der Bürger soll dafür 20 DM zahlen, "soviel wie für eine Autowäsche und das sollte die Gesundheit wert sein". Doch auch die Leistungserbringer müssten Verantwortung übernehmen und für mehr Effizienz und Qualität ihrer Leistungen sorgen.

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