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Keller kritisiert Schiedsspruch

17.09.2001  00:00 Uhr

APOTHEKERTAG 2001
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EXPOPHARM-ERÖFFNUNG

Keller kritisiert Schiedsspruch

Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), Hermann Stefan Keller, hält die neue Quote für die Abgabe von Importarzneimitteln für praktisch nicht erfüllbar. Die von der Schiedsstelle festgesetzte Importquote von 5,5 Prozent des Umsatzes mit Fertigarzneimitteln könne nicht realisiert werden, kritisierte Keller während der Eröffnung der Expopharm. In einigen Bundesländern müssten dazu die Importumsätze um mehr als 100 Prozent steigen. Ab dem Jahr 2003 werde die Quote sogar auf 7 Prozent angehoben. Dies stelle Importeure und Großhandel vor unlösbare Probleme. Der DAV lehne den Schiedsspruch deshalb ab.

Der DAV wollte statt dessen eine Importquote vertraglich vereinbaren, die auch im Markt realisierbar gewesen wäre. Vollkommen unberücksichtigt bliebe beim Schiedsspruch, welche Auswirkungen er auf Apotheken habe, die viele Generika-Rezepte beliefern oder denen von den Ärzten die Erlaubnis zur Aut-idem-Substitution eingeräumt wurde. Keller: "Sollte das auf dem letzten Apothekertag von allen politischen Parteien geforderte Aut idem umgesetzt werden, dann werden unsere Bemühungen um ein kostensparendes Aut idem durch diese Importregelungen ad absurdum geführt."

Keller erneuerte die Forderung der Apothekerschaft, Arzneimittel endlich steuerlich besser zu stellen. "Es ist für uns völlig unverständlich, dass in Deutschland die Arzneimittel für Menschen mit dem vollen Mehrwertsteuersatz von 16 Prozent belastet werden, während Fütterungsarzneimittel für Tiere nur dem reduzierten Satz von 7 Prozent unterliegen. Mit einer Halbierung des Steuersatzes könnten auf einen Schlag 3 Milliarden DM eingespart werden.

Der DAV-Vorsitzende erwartet in diesem Jahr einen Anstieg der Arzneimittelausgaben zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung um rund 8 Prozent. Davon entfalle 1 Prozentpunkt auf die gestiegene Zahl von Zuzahlungsbefreiungen. Damit liege der Zuwachs nicht weit über der durchschnittlichen Steigerungsrate der vergangenen Jahre von 5 Prozent. Die von den Kassen geschürte Panik scheint vor diesem Hintergrund kaum nachvollziehbar.

Verstärkter Einsatz innovativer Präparate

Den Grund für den Anstieg der Arzneimittelausgaben sieht Keller im verstärkten Einsatz innovativer Präparate: "Heute stehen den Ärzten in vielen Indikationsgebieten, wie Aids oder Krebs, innovative und kostenintensive Arzneimittel zur Verfügung, die für die Versicherten im Sinne einer modernen Arzneimitteltherapie eingesetzt werden." Außerdem seien unter dem Druck der Budgets viele therapeutische Erfordernisse nicht berücksichtigt worden. Diese Unterversorgung wird jetzt offensichtlich kompensiert.

Die Kostensteigerung hat wieder eine Diskussion um Preisspannen ausgelöst. Die Apotheker sind hier zu Gesprächen bereit. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus dem Wirtschafts- und dem Gesundheitsministerium sowie den Apothekern befasse sich nun mit dem Thema. Eine grundsätzliche Änderung des bewährten Systems lehnt Keller allerdings ab.

Keller betonte, dass die Apotheken im GKV-System selbst keine Kosten verursachen. Als Kontrollinstanz hätten sie aber eine wichtige Rolle, die bislang allerdings zu wenig berücksichtigt wurde. Es sei bedauerlich, dass erst die Vorfälle um den Lipidsenker Lipobay, die Apotheker wieder ins Bewusstsein gebracht hätten.

Die Behauptung der Krankenkassen, mit dem Versandhandel könnten die Kosten der Arzneimittelversorgung reduziert werden, bezeichnete Keller als falsch. Nur im hochpreisigen Arzneimittelsegment könnten Versandhändler kostendeckend arbeiten. Diese Rosinenpickerei verteuere aber zwangsläufig die Distribution der anderen Medikamente. Keller: "Wer es zulässt, dass Versandhändler sich auf die 10 Prozent der Packungen im hochpreisigen Segment konzentrieren, darf nicht erwarten, dass es möglich wäre, die restlichen 90 Prozent zu den heutigen Kosten zu handeln.

Wer Versandhandel zulasse, der beraube sich auch der Möglichkeit einer nationalen Steuerung des Arzneimittelmarktes. Denn, wenn Versandhandel legal wäre, dann dürften sich daran Unternehmen aus allen EU-Ländern beteiligen. Wobei nach dem Ursprungslandprinzip, das jeweilige Recht des Staates gilt, in dem der Versender seinen Firmensitz hat. Keller: Deutsche Vorgaben wie Zuzahlungsinkasso, Festbeträge, Arzneimittelbudgets und -richtgrößen, Negativ- und Positivliste, Arzneilieferverträge, Rechnungslegung Datenlieferung und vieles andere wären damit vollkommen hinfällig."

Die Einigkeit der Marktpartner garantiere eine optimale Versorgung der Patienten, sagte der DAV-Vorsitzende: "Wir haben den gesetzlichen Auftrag zur Sicherstellung der Arzneimittelversorgung erhalten und wir leisten im breiten Branchenkonsens beste Arbeit."

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