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Anti-Aging-Kosmetik: Jungbrunnen aus der Tube

MEDIZIN

 
Anti-Aging-Kosmetik

Jungbrunnen aus der Tube


Von Annette Mende / Alt werden und dabei zumindest äußerlich jung bleiben – das wünscht sich wohl fast jeder. Viele Menschen geben deshalb für entsprechende Kosmetika eine Menge Geld aus. Doch nicht alle teuren Cremes haben tatsächlich eine erwiesene Wirksamkeit gegen Hautalterung.

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Falten, schlaffe und dünne Haut sowie Pigmentunregelmäßigkeiten sind sichtbare Zeichen dafür, dass ein Mensch in die Jahre gekommen ist. Sie werden in der Regel erst in reiferem Alter sichtbar, doch der zugrunde liegende Alterungsprozess beginnt meist schon mit Mitte 20. Die Veränderungen betreffen alle Hautschichten von der Epidermis bis zur Subcutis. 




Alte Haut ist im Vergleich zu junger viel runzeliger, dünner und schlaffer. Die extrinsische Hautalterung, die vor allem durch UV-Licht getriggert ist, lässt sich mit Antioxidanzien teilweise verlangsamen.

Foto: iStock/Wavebreakmedia


So nehmen etwa die Dicke der Epidermis und auch ihr Lipidgehalt ab. Ober- und Unterhaut sind weniger stark miteinander verzahnt. Matrix-Metalloproteinasen (MMP) sorgen für einen beschleunigten enzymatischen Abbau von kollagenen und elastischen Fasern. Talg- und Schweißproduktion gehen zurück und die Melaninproduktion und -verteilung sind gestört.

 

Ab wann und wie schnell die Haut natürlicherweise altert, die sogenannte intrinsische Hautalterung, ist genetisch bedingt und lässt sich nicht beeinflussen. Die extrinsische Hautalterung, die durch Umweltfaktoren und das individuelle Verhalten vorangetrieben wird, dagegen schon. Sie kommt durch oxidativen Stress zustande, der vor allem durch UV-Licht, Rauchen, Umweltschadstoffe und mechanische Beanspruchung verursacht wird. Nicht zu rauchen, sich ausgewogen zu ernähren und ausreichend zu schlafen, ist deshalb schon mehr als die halbe Miete für ein jung gebliebenes Äußeres.

 

Große Versprechen, wenig Evidenz

 

Auch die Kosmetikindustrie verspricht, den Prozess der extrinsischen Hautalterung aufhalten zu können. Verwendung finden dazu in der Regel antioxidativ wirkende Substanzen. Meist ist die Datenbasis für dieses Versprechen aber spärlich, wie die Gesellschaft für Dermopharmazie in ihrer Leitlinie »Dermokosmetika gegen Hautalterung« schreibt. Sie hat darin die Evidenz für die am häufigsten verwendeten Substanzen zusammengetragen; die letzte Aktualisierung erfolgte im März 2017. Am höchsten wertet die Leitlinie einen Wirksamkeitsnachweis in placebokontrollierten Doppelblindstudien, den folgende Substanzen vorweisen können: Vitamin A und seine Derivate, Vitamin C, bestimmte Peptide, Salicyloyl-Phytosphingosin, niedermolekulare Hyaluronsäure, Nicotinamid und α-Liponsäure. Letztere sei jedoch nicht mehr zu empfehlen, weil es sich Fallberichten zufolge um ein ­potentes Kontaktallergen handelt.

 

Vitamin A gehört zu den natürlichen Antioxidanzien der Haut. Da Kosmetika Tretinoin (all-trans-Retinsäure), die biologisch aktive Form des Vitamin A, aufgrund seiner teratogenen Wirkung nicht enthalten dürfen, werden stattdessen freies Retinol, Retinylpalmitat, Retinylacetat und Retinaldehyd eingesetzt. Diese werden in der Haut in die aktive Form umgewandelt. Mehrere Studien haben eine Wirksamkeit von Vit­amin A und seinen Derivaten unter anderem gegen Falten, raue Haut und Lichtschäden gezeigt. Retinol steigert dabei laut der Leitlinie nicht nur die epidermale Proliferationsrate und die Kollagensynthese, sondern kurbelt auch die Synthese elastischer Fasern an.

 

Vitamin C hat neben seiner anti­oxidativen Wirkung auch die Funktion eines Cofaktors in der Kollagensynthese. Der Wirkstoff kann aber aufgrund seiner ausgeprägten Hydrophilie nicht in jeder Formulierung die Haut pene­trieren. Zudem müssen Topika mit Vitamin C vor Oxidation durch Luft und Licht geschützt werden. Ansonsten kann es bereits wenige Stunden nach Öffnen des Behältnisses zur vollständigen Inaktivierung des Wirkstoffs kommen, heißt es in der Leitlinie.

 

Der Einsatz von Peptiden in der Anti-Aging-Kosmetik beruht auf der Beobachtung, dass das Pentapeptid Lysin-Threonin-Threonin-Lysin-Serin (KTTKS) die Synthese von Kollagenen in der Haut anregt. pal-KTTKS oder auch Palmitoyl Pentapeptide-4 ist KTTKS gekoppelt an Palmitinsäure, was die Lipophilie erhöht und die Penetration in die Haut verbessert. Auch für Glycin-Glutaminsäure-Lysin-Glycin (GEKG oder auch Tetrapeptid-21) wurde ein Anti-Aging-Effekt gezeigt. Offenbar erzielt die Kombination mehrerer verschiedener Peptide miteinander oder auch mit anderen Wirkstoffen eine noch bessere Wirkung gegen Hautalterung als die jeweiligen Einzelsubstanzen.

 

Sphingosin ist ein langkettiger, einfach ungesättigter Aminoalkohol, aus dem durch Amidbindung an eine Fettsäure Sphingolipide entstehen. Eine Untergruppe der Sphingolipide sind die Ceramide, die für die Barrierefunktion der Haut wichtig sind. Phytosphingosin, das durch Fermentation von Hefen gewonnen wird, entspricht dem natürlicherweise in der Haut vorkommenden Sphingosin. Durch Veresterung mit Salicylsäure entsteht Salicyloyl-Phytosphingosin (SP), das lipophiler und damit besser penetrationsfähig ist. SP kann schon in geringen Konzen­trationen die Zeichen lichtgeschädigter Altershaut wie Falten oder Rauigkeit reduzieren.

 

Festigkeit und Elastizität




Bei placebo­kontrollierten ­In-vivo-Studien wird häufig nur eine Gesichtshälfte mit dem Verum behandelt, die andere dient als Kontrolle.

Foto: Fotolia/JackF


Der Bindegewebsbestandteil Hyaluronsäure verleiht der Haut aufgrund seiner Fähigkeit, große Mengen Wasser zu binden, Festigkeit und Elastizität. Darüber hinaus spielt Hyaluronsäure auch bei der Zellproliferation eine Rolle. Damit das kettenförmige Molekül in die Haut eindringen kann, muss Hyaluronsäure fragmentiert werden. Relativ kleine Fragmente (50 und 130 kDa) zeigten in einer Studie eine bessere Wirkung bei Falten und rauer Haut als größere Hyaluronsäure-Bruchstücke.

 

Nicotinamid ist als Bestandteil von NAD und NADP an vielen biochemischen Redoxreaktionen beteiligt. Auf der Liste der Inhaltsstoffe von Anti-Aging-Kosmetika wird es meist als Niacin­amid oder Vitamin B3 bezeichnet. Es wirkt gegen Falten, raue Haut und Hyperpigmentierungen. Dieser Effekt kommt möglicherweise auch ­dadurch zustande, dass Nicotinamid die mit dem Alter abnehmende Synthese von Ceramiden anregt.

 

Keine placebokontrollierten Studien, aber immerhin einen Wirksamkeitsnachweis in Studien mit objektivier­baren Methoden gibt es für Vitamin E, Phytohormone, Bakuchiol und 2-Dimethylaminoethanol (DMAE). Zu Letzterem nennt die Leitlinie nur eine Studie, in der die Substanz Falten glätten und eine Dunkelverfärbung der Haut bessern konnte.

 

Vitamin E findet in Kosmetika als freies Tocopherol, Tocotrienol und Vit­amin-E-Acetat Verwendung. Es soll unter anderem das Hautrelief glätten, Feuchtigkeit binden und photoprotektiv wirken. Laut Leitlinie sind bei niedrigen Konzentrationen keine Effekte zu erwarten. Als Trägersysteme scheinen Mikro- und Nanoemulsionen besser geeignet zu sein als Wasser-in-Öl-Emulsionen oder Vaseline. Die Kombination mit Vitamin C erhöhe die antioxidative Gesamtkapazität und sei deshalb sinnvoll.

 

Phytohormonen wie Isoflavonen, Cumestanen und Lignanen wird bei ­topischer Anwendung ein ähnlicher ­Effekt wie den weiblichen Geschlechtshormonen zugeschrieben, jedoch ohne die systemische Wirkung. Sie sollen der intrinsischen Hautalterung nach der Menopause entgegenwirken, die Dichte der Haut erhöhen und Falten reduzieren. Ebenfalls pflanzlicher Herkunft ist das Terpenoid Bakuchiol, dem in der indischen und chinesischen Medizin unter anderem antiinflammatorische und antioxidative Eigenschaften attestiert werden. Das photochemisch stabile und galenisch relativ leicht zu verarbeitende Bakuchiol könnte Studien zufolge eine Alternative zu den Retino­iden darstellen. Erste vielversprechende Ergebnisse müssen aber der Leitlinie zufolge erst durch eine placebokontrollierte Doppelblindstudie bestätigt ­werden.

 

Studien in vitro

 

Auch Ubichinon-10 (Coenzym Q 10), Dexpanthenol, Resveratrol, Bioflavonoide und Phytosterole werden als Anti-Aging-Wirkstoffe in Hautcremes beworben. Ihre Wirksamkeit ist jedoch laut der Leitlinie bislang nur in vitro belegt, was verglichen mit In-vivo-Studien als schwächere Evidenz zu sehen ist. Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl an Stoffen oder Stoffgemischen, auf die Kosmetikfirmen teilweise Patente haben. Die mitunter vollmundigen Versprechen der Hersteller sind jedoch nicht immer durch hochwertige Studien gedeckt. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 26/2018

 

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