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Grippeimpfung: In USA effektiver als gedacht

 

Nach vorläufigen Daten der US-Seuchenschutzbehörde CDC erreicht die diesjährige Grippeimpfung eine Schutzwirkung von 39 Prozent, bei Kindern sogar 59 Prozent. Vor dem Influenza-A-Stamm H3N2, der in den USA derzeit dominiert, schütze die Impfung insgesamt zu 25 Prozent, Kinder sogar zu 51 Prozent. Das ist deutlich mehr als die bislang bekannten Zahlen für diese Saison aus anderen Ländern. In Australien lag die Effektivität gegen H3N2 nur bei 10 Prozent, in Kanada bei 17 Prozent, zitiert die «New York Times» gestern von einer Pressekonferenz der CDC und des US-Gesundheitsministeriums. In Deutschland dominiert derzeit vor allem ein Influenza-B-Stamm der Yamagata-Linie, der zwar im tetravalenten, nicht aber im deutlich häufiger verabreichten trivalenten Impfstoff enthalten ist.

US-Gesundheitsminister Alex Michael Azar rief alle US-Bürger zur Grippeimpfung auf. Sowohl Präsident Donald Trump als auch er selbst und seine gesamte Familie hätten sich impfen lassen. Azar zitierte eine CDC-Studie, die am Montag im Fachjournal «Pediatrics» veröffentlicht wurde. Demnach waren mehr als zwei Drittel von 675 Kindern und Jugendlichen, die in den USA zwischen 2010 und 2016 an Influenza verstorben sind, nicht gegen die Erkrankung geimpft.

Zeitgleich veröffentlichte auch der Präsident der US-Arzneimittelbehörde FDA, Dr. Scott Gottlieb, eine Stellungnahme zur Effektivität der saisonalen Grippeimpfung. Er nennt zwar keine konkreten Zahlen, versichert aber, dass die Behörden mit Bedacht die Virusstämme für jede kommende Grippesaison auswählen. Es sei festgestellt worden, dass Impfstoffe, die rekombinant oder in Säugetierzellen hergestellt wurden, in dieser Saison effektiver schützen als herkömmliche Influenzavakzinen, bei denen die Viren in Hühnereiern gezüchtet werden. Wie groß der Unterschied ist, teilt Gottlieb nicht mit. Auch warum sich die Wirkung unterscheidet, sei noch nicht klar. Eine Veränderung des Virus im Verlauf der Herstellung in Hühnereiern könne nicht der Grund sein: Eine DNA-Analyse habe ergeben, dass sich die Ausgangs-DNA der Saatviren nicht von der DNA im fertigen Impfstoff unterscheide.

In Deutschland sind in dieser Saison bis zum 13. Februar 59.876 Menschen labordiagnostisch bestätigt an Influenza erkrankt, meldet das Robert-Koch-Institut (RKI). Zu 75 Prozent sind Influenza-B-Viren der Yamagata-Linie der Auslöser, zu 21 Prozent Influenza-A-Viren H1N1 und nur zu 4 Prozent Influenza-A-Viren vom Typ H3N2. Laut RKI-Bericht im «Epidemiologischen Bulletin» 6/2018 passt die diesjährige Impfstoffzusammensetzung gut zu den zirkulierenden Viren in Deutschland. Vorläufigen Daten zufolge schützt der in der trivalenten Vakzine enthaltene Influenza-B-Stamm der Victoria-Linie wohl auch in einem gewissen Maß vor der Yamagata-Linie. Genaue Zahlen werden erst nach dem Ende der Grippesaison vorliegen. Klar ist jedoch bereits, dass dank geänderter Einschätzung der Ständigen Impfkommission alle Krankenkassen ab der kommenden Saison den tetravalenten Impfstoff bezahlen müssen.

Noch im Februar gibt die Weltgesundheitsorganisation meist bekannt, welche Stämme die Impfstoffhersteller für die kommende Saison verwenden sollen. Denn die Impfstoffproduktion erfordert einige Monate. Bis Wissenschaftler einen universell wirksamen Grippeimpfstoff entwickelt haben, wird es wohl noch einige Jahre dauern. Solange bleibt es jedes Jahr ein Ratespiel, die am besten geeigneten Virusstämme für die Influenzavakzine auszuwählen. (dh)

 

DOI: 10.1542/peds.2017-2918

 

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16.02.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Sherry Young