Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Multiple Sklerose: EU-Zulassung für Ocrelizumab

NACHRICHTEN

 
Multiple Sklerose: EU-Zulassung für Ocrelizumab
 


Die EU-Kommission hat den monoklonalen Antikörper Ocrelizumab (Ocrevus®) zur Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) zugelassen. Hersteller Roche will es bereits kommende Woche in Deutschland auf den Markt bringen. Der CD-20-Antikörper ist das erste Medikament, das gegen beide Formen der Autoimmunerkrankung – die schubförmig verlaufende (RMS) und die primär progredienten Form (PPMS) – zugelassen ist. Für Patienten mit PPMS gab es bislang keine Therapieoption. In Europa leiden laut Pharmaunternehmen Roche rund 700.000 Menschen an MS, davon etwa 96.000 an PPMS, die schneller zu Behinderungen führt.

Verabreicht wird der Antikörper alle sechs Monate als intravenöse Infusion (600 mg). Die Initialdosis wird in zwei 300-mg-Infusionen im Abstand von zwei Wochen verabreicht. Infusionsreaktionen wie Juckreiz, Hautausschlag und Atembeschwerden traten in den Zulassungsstudien sehr häufig auf. Daher sollen Patienten vor der Infusion ein Corticosteroid und ein Antihistaminikum erhalten und bis eine Stunde nach Abschluss der Behandlung beobachtet werden.

Ocrelizumab bindet an das Protein CD20 auf der Oberfläche von B-Zellen, die im Entzündungsgeschehen die Myelinscheiden der Nervenzellen attackieren. Der Antikörper soll die B-Zell-Aktivität herunterregulieren, allerdings Stammzellen und Plasmazellen nicht beeinflussen.

 

In klinischen Studien konnte das Medikament die Schubrate und ein Verschlechtern der Symptome reduzieren. In einer Studie mit 1656 RMS-Patienten lag die Rate der Krankheitsschübe unter Ocrelizumab mit 0,16 Schüben pro Jahr deutlich niedriger als unter Interferon beta-1a (Rebif) mit 0,29 Schüben pro Jahr. In einer Studie mit 732 PPMS-Patienten verschlechterten sich die Symptome bei 30 Prozent unter Ocrelizumab gegenüber 34 Prozent unter Placebo. Am Studienprogramm ORCHESTRA nahmen insgesamt 2388 Patienten teil. Da Ocrevus bereits in andern Ländern wie den USA, Kanada und der Schweiz zugelassen ist, wurden nach Angaben von Roche bereits mehr als 30.000 Patienten mit dem Medikament behandelt. (dh)

Lesen Sie dazu auch

Neue Arzneistoffe 2018: Schwerpunkt Immunsystem, Meldung vom 11.01.2018

 

12.01.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Kzenon

 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Galle heizt die Fettverbrennung an

Forscher der Ecole Polytechnique Fédérale im schweizerischen Lausanne haben möglicherweise einen neuen Ansatz zur Behandlung von Adipositas...



Schweres Asthma: Zulassung für Benralizumab

Die Europäische Kommission hat den Antikörper Benralizumab (Fasenra® von Astra-Zeneca) zur Behandlung von erwachsenen Patienten...



Mundgesundheit: Parodontitis erhöht Krebsrisiko

Die Parodontitis, eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats, geht mit einer erhöhten Sterblichkeit an Tumoren des Magen-Darm-Trakts...



ADHS: Fakten für junge und alte Zappelphilippe

Nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene leiden unter Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Während es...

 
 

Autophagie: Die Müllabfuhr der Zelle
Als Autophagie bezeichnet man den Abbau fehlgefalteter und somit nicht funktioneller Proteine in der Zelle. Dieser Entsorgungsmechanismus...

Zytomegalie: Erstes spezifisches Virostatikum zugelassen
Die EU-Kommission hat dem US-Pharmaunternehmen MSD die Zulassung für den Arzneistoff Letermovir (Prevymis®) erteilt. Es handelt...

Luftverschmutzung: EU-Kommission setzt Deutschland Frist
Nach jahrelangem Streit über die viel zu schlechte Luft in einigen deutschen Städten setzt die Europäische Kommission der Bundesregierung...

Fachsprachenprüfung: Die meisten Apotheker bestehen
Mehr als 80 Prozent der ausländischen Apothekerinnen und Apotheker bestehen die Fachsprachenprüfung, so aktuelle Zahle aus Westfalen-Lippe....

Gesundheitsausschuss: Linke besetzt Apothekerin
Als Nachfolge für Kathrin Vogler wird die Apothekerin Sylvia Gabelmann (Foto) für die Links-Fraktion im neu zu gründenden...

Herzkrankheiten: Zahl der registrierten Todesfälle gestiegen
Die Zahl der registrierten Todesfälle in Deutschland durch besonders verbreitete Herzleiden ist einem Bericht zufolge leicht gestiegen....

Arzneitropfen: Genaues Dosieren oft schwierig
Arzneimittel in Tropfenform kommen zwar häufig vor, sie richtig zu dosieren ist jedoch alles andere als trivial. Über die korrekte...

Heilberufler wollen gemeinsame digitale Agenda
Kassenärzte, Apotheker und Zahnmediziner wollen gemeinsam eine digitale Agenda für das Gesundheitswesen entwickeln. Das geht aus einer...

Migräne-Prophylaxe: Die Antikörper kommen
Obwohl zu Akutbehandlung der Migräne einige Wirkstoffe zur Verfügung stehen, brauchen Patienten mit chronischem Migränekopfschmerz eine...

Hilfe zur Selbsttötung: Gesetz muss Klarheit schaffen
Das Bundesverfassungsgericht muss nach Ansicht der Deutschen Stiftung Patientenschutz dringend Klarheit schaffen, ob Behörden tatsächlich...

Über 50.000 Fälle: Genitalverstümmelung in Deutschland
In ganz Deutschland leben einer Studie des Bundesfamilienministeriums von 2017 zufolge fast 50.000 weibliche Opfer von...

Foodwatch: Gesundheit von Nutztieren per Gesetz regeln
Die Verbraucherorganisation Foodwatch dringt auf strengere Regeln für mehr Tierschutz in den Ställen. «Eine neue Bundesregierung muss per...

Sondierungen: Apotheker sehen positives Signal
Die Apotheker begrüßen die Ergebnisse der Sondierungen von Union und SPD grundsätzlich. Zum Abschluss ihrer Gespräche hatten die Parteien...

Benzodiazepine behindern beim Aufräumen im Gehirn
Benzodiazepine und Z-Substanzen sind wirksam bei Schlafstörungen, aber Ärzte sollten «extrem zurückhaltend» sein mit der Verordnung, sagte...

Pflegeheime nutzen häufiger Giftnotruf
Mitarbeiter von Pflegeheimen wählen immer häufiger den Giftnotruf, weil sie das Medikament eines Bewohners verwechselt oder falsch dosiert...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU