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Krebs: Überlebende altern schneller

Eine überstandene Krebserkrankung wirkt sich negativ auf die Lebenserwartung und den Alterungsprozess auf. Welche Faktoren dabei eine Rolle spielen, haben Forscher in einem umfassenden Review untersucht, das jetzt im Fachjournal «ESMO Open» der Europäischen Krebsgesellschaft erschienen ist. Man müsse die Prozesse noch besser verstehen, um Lebenserwartung und -qualität der Krebsüberlebenden zu verbessern, schreiben die Wissenschaftler um Dr. Shahrukh K. Hashmi vom Krebszentrum der Mayo-Klinik in Rochester, Minnesota.

Demnach entwickeln Krebsüberlebende mehr chronische Erkrankungen und diese früher als die Normalbevölkerung. Dazu zählen unter anderem hormonelle Störungen, Herzprobleme, Osteoporose, Lungenfibrose, Gebrechlichkeit und sekundäre Krebserkrankungen. Dies sei vor allem auf Strahlen- und Chemotherapie zurückzuführen, so die Autoren. Zwar sei die Therapie für das Überleben notwendig, doch schädige sie auch über verschiedene Wege die natürliche Resilienz des Körpers gegenüber Zellschäden und Alterungsprozessen. So werden beispielsweise die Schutzkappen der Chromosomen, die Telomere, verkürzt; DNA wird geschädigt oder die Genaktivität gestört.

Die Autoren zählen eine Reihe von Folgen auf: So haben Personen, die in ihrer Kindheit an Krebs erkrankten, ein drei- bis sechsfach erhöhtes Risiko für eine zweite Krebserkrankung. Ihre Lebenserwartung liegt im Schnitt um etwa 30 Prozent niedriger als die der Normalbevölkerung. Nach einer Knochenmark-Transplantation ist das Risiko für Gebrechlichkeit um das Achtfache erhöht. Eine langfristige Anwendung von Steroiden, wie bei vielen Therapieregimen üblich, ist assoziiert mit einem höheren Risiko für grauen Star, Osteoporose, Nervenschäden, dünne Haut, Infektionen und gestörte Wundheilung.

Bestimmte Krebsmedikamente können zu Hörverlust, reduzierter Schilddrüsenaktivität, hohem Blutdruck, Herzinsuffizienz, Muskelschwäche, Arthritis, Nieren- und Lebererkrankungen, chronischer Verstopfung und Unfruchtbarkeit führen. Strahlentherapie kann abhängig von der bestrahlten Körperregion zu Demenz, Erinnerungsverlust, einer Verengung der Halsschlagader sowie neuen Knochenmark- und Blutkrebserkrankungen verursachen. Tamoxifen kann grauen Star begünstigen.

Angesichts der deutlich steigenden Prävalenz von Krebsneuerkrankungen und auch besseren Überlebenschancen müsse über die Spätfolgen noch mehr geforscht werden, um durch frühe Interventionen wie Wahl der Arzneimittel und Lebensstiländerungen Komplikationen zu verhindern. (dh)

DOI: 10.1136/esmoopen-2017-000250

 

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19.12.2017 l PZ

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