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Fibrillen und Plaques: Auf die Lage kommt es an

PHARMAZIE

 
Fibrillen und Plaques

Auf die Lage kommt es an

Von Daniela Biermann

 

Proteinablagerungen im Gehirn können Demenzen wie Alzheimer verursachen – dabei kommt es darauf an, wo sie sich ablagern. Das muss auch die Arzneistoffentwicklung berücksichtigen.

 

Neurofibrillen und Plaques nennen sich die Eiweißablagerungen, die eine Rolle bei der Alzheimerdemenz spielen. Neurofibrillen sind unphysiologische Anhäufungen des tau-Proteins. Normalerweise verbindet es Mikrotubuli, die Querstreben der Zellen, miteinander. Es sorgt dafür, dass die Mikrotubuli parallel zueinander laufen und so das Axon, den Nervenfortsatz ausbilden können. Bei Alzheimer sammeln sich tau-Proteine jedoch im Soma der Nervenzelle. Das Axon verkümmert und die Nervenzelle stirbt ab. Übrig bleiben die durch tau gebildeten Neurofibrillen, im Englischen »tangles« genannt.

 

Ebenfalls zu finden in den Gehirnen von Alzheimerkranken sind extrazelluläre Plaques. Sie bestehen aus β-Amyloiden, einem pathophysiologischen Spaltprodukt des Amyloid-Precursor-Proteins. Wird dieses statt von der α- durch die β-Sekretase gespalten, entsteht β-Amyloid. Außerhalb der Zellen aggregieren die Peptide zu Plaques.

 

»Man kann trotz vieler Plaques und Tangles gesund sein«, erklärte Professor Dr. Thomas Bayer von der Universität Göttingen auf einem Kongress der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft. Von kognitiven Störungen keine Spur. Vielmehr seien β-Amyloide innerhalb der Zellen gefährlich. Die Plaques selbst scheinen keine so wichtige Rolle zu spielen, wie bisher angenommen.

 

»Bisher stehen uns nur symptomatisch wirkende Arzneistoffe zur Verfügung«, sagte Bayer. Sie modulieren die Neurotransmitterkonzentration im Gehirn. Er wünscht sich jedoch Medikamente, die kausal eingreifen. β-Sekretase-Inhibitoren und Substanzen, die den Abbau von β-Amyloide fördern, zählen zu den Hoffnungsträgern. Als Beispiel für Letztere nannte Bayer Neprilysin, ein menschliches Enzym.

 

Forscher haben neben der β-Sekretase noch ein anderes Enzym in Verdacht, an der Alzheimer-Pathogenese mitzuwirken: die Glutaminylcyclase. Sie katalysiert intrazellulär die Bindung von Pyroglutamat an β-Amyloide. Diese modifizierten Peptide scheinen besonders toxisch zu sein. Gegen dieses Enzym hat das Biotech-Unternehmen Probiodrug aus Halle an der Saale einen Inhibitor entwickelt, den es bereits in Tierversuchen erfolgreich getestet hat.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 15/2009

 

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