Vor der Transplantation muss der Impfstatus überprüft werden. Danach wird mit der immunsuppressiven Therapie begonnen und in der Regel dürfen dann keine Impfungen mit Lebendimpfstoffen mehr durchgeführt werden. / © Getty Images/sturti
Im Jahr 2024 haben laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation 953 Menschen nach ihrem Tod Organe gespendet, während 8575 Patienten auf ein Spenderorgan warteten. Die Diskrepanz veranschaulicht den hohen Stellenwert einer erfolgreichen Transplantation. Angesichts des Mangels an Spenderorganen hat die langfristige Sicherung der Organfunktion oberste Priorität – insbesondere durch eine konsequente Nachsorge.
Zu den häufigsten Todesursachen nach Organtransplantationen zählen neben onkologischen und kardiovaskulären Erkrankungen Infektionen. Die lebenslange Immunsuppression erhöht die Anfälligkeit für Krankheitserreger erheblich. Während in den ersten Wochen und Monaten vor allem opportunistische Erreger wie Cytomegalie- oder BK-Viren dominieren, treten im weiteren Verlauf zunehmend ambulant erworbene Infektionen wie Influenza oder Covid-19 auf.
Zur Risikominimierung wird transplantierten Patienten die konsequente Einhaltung von Hygiene- und Präventionsmaßnahmen empfohlen. Die wirksamste Strategie bleibt jedoch die Immunisierung. Da die Immunsuppression die Impfantwort abschwächen kann, sollte der Impfstatus möglichst bis spätestens vier Wochen vor der Transplantation vervollständigt werden. Auch danach sind regelmäßige Auffrischungen sowie gegebenenfalls Nachholimpfungen notwendig. Maßgeblich sind dabei die gesonderten Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) für immunsupprimierte Patienten.
Internationale Studien zeigen, dass Impfquoten unter Transplantationspatienten häufig unzureichend sind. Vor diesem Hintergrund wurden in einem Diplomprojekt die Impfquoten in der Transplantationsambulanz des Universitätsklinikums Leipzig erhoben und zugleich Einstellungen und Motivation der Patienten erfasst. Die Teilnehmenden brachten ihren Impfausweis zu einem regulären Ambulanztermin mit und führten ein strukturiertes Gespräch mit einem Pharmazeuten. Anschließend erfolgte ein Abgleich mit den aktuellen RKI-Empfehlungen.
Weniger als zwei Drittel der Befragten hatten die für die Allgemeinbevölkerung empfohlenen Standardimpfungen vollständig erhalten oder aufgefrischt. Noch deutlicher war die Lücke bei den Indikationsimpfungen für immunsupprimierte Patienten – lediglich ein Patient von insgesamt 115 erfüllte alle Empfehlungen. Diese Befunde unterstreichen die Notwendigkeit, Strategien zur Infektionsprophylaxe systematisch zu evaluieren und zu verbessern.
Ein zentrales Ziel der Untersuchung war es, Faktoren zu identifizieren, die mit höheren Impfquoten assoziiert sind. Dabei erwies sich das Vertrauen in Impfungen als entscheidender Prädiktor: Patienten mit größerem Vertrauen zeigten eine deutlich höhere Impfbereitschaft und berichteten zugleich über weniger Angst vor Nebenwirkungen. Im Beratungsgespräch sollte daher aktiv das Vertrauen gestärkt werden und individuelle Bedenken sollten im persönlichen Gespräch aufgegriffen werden.
Von Apothekern initiierte Maßnahmen können nachweislich dazu beitragen, die Impfquoten zu steigern. Besonders wirksam sind strukturierte Beratungsangebote zur Infektionsprävention. Perspektivisch ist es sinnvoll, Apotheker in das interdisziplinäre Team des Transplantationszentrums zu integrieren, wie es in anderen Ländern Standard ist.
Neben dem Impfschutz sollen dabei auch Adhärenz sowie pharmazeutische Aspekte der Immunsuppression und möglicher Komedikation thematisiert werden. Eine solche interprofessionelle Betreuung kann langfristig dazu beitragen, vermeidbare Infektionen zu reduzieren und den Therapieerfolg nach Transplantationen nachhaltig zu sichern.
Das Virus SARS-CoV-2 hat unsere Welt verändert. Seit Ende 2019 verbreitet sich der Erreger von Covid-19 und stellt die Wissenschaft vor enorme Herausforderungen. Sie hat sie angenommen und rasch Tests und Impfungen, auch für Kinder, entwickelt. Eine Übersicht über unsere Berichterstattung finden Sie auf der Themenseite Coronavirus.