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Schutz vor Covid-19
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Impfen bei immunsuppressiver Therapie

Patienten unter immunsuppressiver Therapie können und sollen sich gegen Covid-19 impfen lassen. Die Immunantwort könnte allerdings geringer ausfallen als bei anderen Personen. Das zeigt auch eine aktuelle Studie eindrücklich.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 30.04.2021  16:10 Uhr
Möglicherweise weitere Auffrischung nötig

Möglicherweise weitere Auffrischung nötig

Inzwischen liegen erste Daten der größeren CLARITY-Studie aus Großbritannien vor. In dieser analysierte ein Team der University of Exeter um Nicholas Kennedy die Antikörperantworten von 865 Patienten mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung, die den TNF-Inhibitor Infliximab erhielten, sowie von 428 Patienten, die mit Vedolizumab behandelt wurden. Letztere diente als Kontrollgruppe, da der Wirkstoff darmspezifisch wirkt und keine systemische Immunsuppression verursacht. Die Probanden erhielten entweder Vaxzevria® von Astra-Zeneca oder Comirnaty® von Biontech/Pfizer. Die Ergebnisse stellen die Forscher aktuell im Fachjournal »Gut« vor. 

Demnach hatte die mit Infliximab Behandelten deutlich niedrigere Antikörpertiter nach einer Impfung als Probanden der Vedolizumab-Gruppe. Nach der ersten Dosis entwickelte ein Drittel der Probanden unter Infliximab-Monotherapie Titer, die als schützend gelten. Bei Probanden, die zusätzlich noch weitere immunmodulatorische Arzneimittel wie Methotrexat oder Azathioprin bekamen, fielen die Antikörperantworten nach der ersten Dosis noch schwächer aus: Nur 125 von 537 Probanden dieser Gruppe erreichten einen Wert, der einen Antikörpertest positiv ausfallen ließ.

Bei einzelnen Patienten, die bereits vor der Impfung mit SARS-CoV-2 infiziert gewesen waren, und bei Probanden, die eine zweite Impfdosis erhalten hatten, stiegen die Antikörpertiter deutlich an. Nach einer vollständigen Impfung seien auch die meisten Personen unter Infliximab-Therapie ausreichend geschützt, heißt es in der Publikation. Ein kleiner Teil zeigte allerdings keine nachweisbare Antikörperantwort. Die Autoren schlagen vor, dass Patienten unter immunsuppressiver Therapie rechtzeitig die zweite Impfdosis erhalten sollten und bei ihnen eventuell der Antikörpertiter kontrolliert werden sollte.

Auch die DGRh empfiehlt, dass Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und Patienten unter immunsuppressiver Therapie, die keine ausreichend hohen oder lang wirksamen Titer neutralisierender Antikörper aufbauen, eventuell eine Auffrischung oder eine dritte Impfdosis bekommen sollten. Inwieweit das regelhaft oder in Ausnahmefällen nötig wird, werden weitere Studien zeigen.

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