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AOK Nordwest
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Immer mehr Schaden durch Abrechnungsbetrug 

Jahr für Jahr entstehen Millionenschäden durch Abrechnungsbetrug. Die AOK Nordwest ermittelt aktuell in 1670 Fällen – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Von besonderer Bedeutung sind demnach Rezeptfälschungen für sogenannte »Abnehmspritzen«. 
AutorKontaktPZ
Datum 18.03.2026  12:04 Uhr
Immer mehr Schaden durch Abrechnungsbetrug 

Der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen nimmt weiter zu. Das geht aus dem aktuellen Tätigkeitsbericht 2024/2025 und einer Pressemitteilung der AOK Nordwest hervor. Demnach verfolgt das siebenköpfige AOK-Ermittlungsteam aktuell in Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe zusammen 1670 Fälle. Das ist laut der Ortskassen ein Anstieg gegenüber dem letzten Tätigkeitsbericht 2022/2023 um 22,6 Prozent (1362 Fälle). Dabei seien Gelder in Höhe von fast 7,5 Millionen Euro zurückgeholt worden, fast doppelt so viel wie im Vergleich zu den beiden Jahren zuvor.

»Wir führen den Anstieg der Fälle zum einen auf vermehrte Anzeigen durch Dritte aufgrund der allgemeinen Sensibilisierung bei Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen zurück. Ferner werden aufgrund unserer langjährigen Erfahrungen nunmehr konsequente Prüfungen auch bei zunächst nicht auffälligen Abrechnungen durchgeführt«, erklärt Jürgen Mosler, Leiter des Fachbereichs Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen bei der AOK Nordwest.

Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft 

Nicht erbrachte Leistungen, gefälschte Rezepte, erfundene Behandlungen, fehlende Qualifikationen oder manipulierte Abrechnungen – die Ortskassen nennen zahlreiche Beispiele für Fehlverhalten im Gesundheitswesen. Dagegen geht die AOK Nordwest nach eigener Aussage konsequent vor. Das AOK-Ermittlungsteam arbeite eng mit anderen Krankenkassen sowie der Kriminalpolizei, den Hauptzollämtern und den Staatsanwaltschaften zusammen.

»Bestätigt sich der Verdacht der Abrechnungsmanipulation, schalten wir die Staatsanwaltschaft ein und fordern die finanzielle Wiedergutmachung des Schadens ein. Ebenfalls prüfen wir, ob eine weitere Zusammenarbeit mit dem Vertragspartner noch möglich ist«, so Jürgen Mosler. Der AOK-Chefermittler wies darauf hin, dass die meisten Leistungserbringer korrekt abrechnen. Aber schon einige wenige schwarze Schafe könnten ein schlechtes Licht auf den gesamten Leistungsbereich werfen.

Der alternierende AOK-Verwaltungsratsvorsitzende und Versichertenvertreter Lutz Schäffer betonte: »Jahr für Jahr entstehen dem Gesundheitswesen durch Abrechnungsbetrug und Korruption Schäden in Millionenhöhe. Mittel, die eigentlich für die Versorgung der Versicherten vorgesehen sind, werden zweckentfremdet und entziehen dem System dringend benötigte Ressourcen. Zugleich geraten Gesundheit und mitunter sogar das Leben von Patientinnen und Patienten in Gefahr, wenn Behandlungen ohne die erforderliche fachliche Qualifikation durchgeführt werden.« 

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