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Epileptischer Anfall
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Im Notfall richtig helfen

Etwas weniger als ein Prozent der Menschen hat Epilepsie. Viele von ihnen müssen überall mit Anfällen rechnen: im Laden, Bus, Büro. Eine Betroffene schildert, was sie sich von Außenstehenden wünscht.
AutorKontaktdpa
Datum 30.10.2024  07:00 Uhr

Aber was ist Epilepsie eigentlich für eine Erkrankung? »Unser Gehirn arbeitet, vereinfacht gesagt, elektrisch. Die Nervenzellen kommunizieren über elektrische Signale miteinander und entladen sich«, erklärt Dr. Julia Hoppe, Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Das gehe normalerweise sehr geregelt vonstatten. Bei einem epileptischen Anfall hingegen sei das Gehirn – oder auch nur einzelne seiner Bereiche – überaktiv. Zu viele Nervenzellen entladen sich gleichzeitig. Wie ein solcher Anfall dann aussieht, sei unterschiedlich. Manchmal wird er von den Betroffenen selbst kaum wahrgenommen, manchmal kommt es zu starken Verkrampfungen oder zu schweren Bewusstseinsstörungen.

Paula Bach erlebt solche Vorfälle als Betroffene zwei- bis dreimal im Monat. Früher, bevor sie sich wegen der Epilepsie am Hirn hat operieren lassen, waren es mehr: bis zu sechs kurze Aussetzer, sogenannte Auren, täglich und drei bis vier Anfälle wöchentlich. Wie bei den meisten Betroffenen klangen sie von selbst wieder ab.

Anfälle kommen oft aus heiterem Himmel

Was viele dabei nicht wissen: Nicht nur die Anfälle selbst sind es, die die Gesundheit der Betroffenen stark gefährden, sondern auch die Umstände. Denn: Ein epileptischer Anfall kommt oft aus heiterem Himmel oder kündigt sich nur durch winzige Vorzeichen wenige Minuten vorher an. Unbeschwert zur Arbeit gehen, Freunde treffen, verreisen: Für viele Betroffene ist all das nicht möglich und sogar gefährlich.

Fehleinschätzungen seien leider keine Seltenheit, sagt Bach. Sie habe schon oft erlebt, dass Menschen sie für eine Suchtkranke hielten, wenn sie einen ihrer Anfälle miterlebten. Oder – noch schlimmer – Tipps zur Ersten Hilfe geben, die sogar schaden können. Einer davon: Betroffenen während des Anfalls etwas zwischen die Zähne zu schieben, um zu verhindern, dass sie sich auf die Zunge beißen. »Dieser Ratschlag ist richtig gefährlich«, sagt Bach.

Der Grund: Viele Epileptiker würden während eines Anfalls Schaum vor dem Mund entwickeln. Mit einem Gegenstand zwischen den Zähnen könnten sie nicht richtig schlucken und schlimmstenfalls ersticken. Sie wünscht sich mehr Aufklärung über die Erkrankung, damit Betroffene im Notfall die richtige Hilfe bekämen.

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Epilepsie

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