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Philippi im PZ-Interview
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»Ich erwarte, dass die Bundesregierung Wort hält«

Seit Januar hat Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz (GMK). Im Interview mit der PZ unterstreicht Philippi, welche Rolle die Apotheken bei der Gesundheitsversorgung spielen, wo der Reformdruck besonders hoch ist und was die GMK plant. Etwa habe man Zivile Verteidigung im Blick – und wolle sich dafür mit der NATO verständigen. 
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 16.01.2026  09:58 Uhr

PZ: Welche Baustellen sind die dringlichsten im Gesundheitswesen?

Philippi: Das Gesundheitswesen befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Unsere Gesellschaft wird immer älter und der technische Fortschritt eröffnet uns neue medizinische Möglichkeiten. Wir brauchen daher klare Konzepte, wie es insbesondere in Flächenländern wie Niedersachsen gelingen kann, eine hochwertige Gesundheitsversorgung aufrechtzuerhalten – sowohl ambulant als auch stationär. Mit der Krankenhausreform haben wir ein entscheidendes Momentum erreicht. Sie bietet uns die Möglichkeit, wichtige Weichen für die Zukunft zu stellen.

PZ: Ihre Ziele für Ihre Amtszeit?

PZ: Diesen Prozess zu begleiten und das Land fit zu machen für die demografischen Veränderungen, ist ein zentrales Ziel, das ich mir für meine Amtszeit gesetzt habe. Ich denke, dass auch die GMK in diesem Jahr wichtige Impulse liefern wird. 

PZ: Welche sind das?

Philippi: Wir werden darüber sprechen, wie die Gesundheitsversorgung vernetzter, effizienter, krisensicherer und regional angepasster gestaltet werden kann. Dazu gehören etwa eine bessere Patientensteuerung durch digitale Lösungen, Ambulantisierung oder die Einführung eines Primärarztmodells. Auch macht sich Niedersachsen als Vorsitzland für kürzere Wartezeiten auf Arzttermine stark und für eine Anpassung der Regelung für Hybrid DRG bei Fachärztinnen und Fachärzten. Darüber hinaus nehmen wir die Sicherstellung einer flächendeckenden Apothekenversorgung sowie das Thema Zivile Verteidigung in den Blick. Die schlimmen Bilder aus der Ukraine zeigen, dass Einrichtungen des Gesundheitswesens in der Lage sein müssen, schnell und effizient auf zivile und militärische Zwischenfälle zu reagieren. Aus diesem Grund haben wir für die Hauptkonferenz im Juni die NATO eingeladen. Krisenfestigkeit betrifft jedoch auch den Öffentlichen Gesundheitsdienst, den wir personell und technisch weiter stärken wollen.

PZ: Die Krankenkassen wurden mit dem »Kleinen Sparpaket« des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) für dieses Jahr vor Schlimmerem bewahrt. Kritiker erwarten aber spätestens für 2027 einen Bumerangeffekt, der noch größere Löcher in die Finanzen reißt. Wie soll der Aufwärtstrend bei den Beiträgen gestoppt werden?

Philippi: Es darf keine Zweifel daran geben, dass wir zu einer finanziellen Beitragsstabilität kommen müssen. Dies darf jedoch nicht zulasten der Versorgungsqualität gehen. Wir brauchen eine grundlegende Reform der Krankenversicherung. Dabei muss klar geregelt werden, welche Leistungen künftig in welchem Umfang angeboten werden können. Außerdem brauchen wir eine bessere Steuerung von Patientinnen und Patienten, etwa durch ein Primärarztmodell, sowie einen verstärkten Fokus auf Ambulantisierung.

PZ: Wie lassen sich damit Kosten einsparen?

Philippi: Ich sehe hier erhebliches Einsparpotenzial. So könnten beispielsweise rund ein Drittel aller Hüftoperationen ambulant und damit wesentlich kostengünstiger durchgeführt werden. Am Ende des Tages ist es den Menschen doch egal, ob sie stationär oder ambulant abgerechnet werden. Die Hauptsache ist, dass die Qualität stimmt.

PZ: Es gibt einen weiteren unheilvollen Trend – das Apothekensterben. Wie will die Politik ihn beenden?

Philippi: Seit Jahren sinkt die Zahl der Apotheken kontinuierlich – auch bei uns in Niedersachsen. Diese Entwicklung verdeutlicht, unter welchem wirtschaftlichen Druck die einzelnen Apotheken stehen, etwa durch Inflation oder steigende Betriebskosten. Deshalb braucht es jetzt dringend eine Anpassung des Honorars. Besonders der Erhalt von ländlichen Apotheken hat für mich als Minister eines Flächenlandes oberste Priorität. In dem Zusammenhang halte ich gesonderte Zuschläge sowie eine Vergütung von Teilnotdiensten für absolut sinnvoll. Denn vor allem die ländlichen Apotheken sind aufgrund der geringen Apothekendichte durch den Notdienst erheblich belastet.

PZ: Für die geplante Apothekenreform sind die Kassenfinanzen ausschlaggebend, denn von ihnen hängt laut Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eine mögliche Honoraranpassung ab. Kommt diese noch in diesem Jahr auf die Agenda?

Philippi: Das ist aus meiner Sicht nur zu begrüßen. Die Honoraranpassungen sind schließlich auch im Koalitionsvertrag festgehalten. Hier erwarte ich von der Bundesregierung, dass sie Wort hält und zeitnah Vorschläge für eine Umsetzung auf den Tisch legt.

PZ: Es ist unkompliziert, die Arzneimittelpreisverordnung zu ändern und das Apothekenhonorar anzupassen. Schon 2023 hat die GMK das Bundesgesundheitsministerium darum gebeten. In der Zwischenzeit ist nichts passiert. Wie wahrscheinlich sind also jetzt Änderungen im Sinne der Apotheken?

Philippi: Wir sind als Länder diesbezüglich in einem guten Austausch. In meinen Augen ist die Erhöhung des Packungsfixums dringend notwendig, um die Apotheken finanziell zu unterstützen und die wohnortnahe Versorgung sicherzustellen. Gerade im ländlichen Raum wird die Erhöhung des Fixums über die Frage des Fortbestehens der auskömmlichen Versorgung entscheiden. Wir werden sehen, was passiert, aber hier ist das letzte Wort sicher noch nicht gesprochen.

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