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Beim Experten nachgefragt
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Husten ja, aber wie?

Der Beratungsbedarf zu Husten ist seit der Coronapandemie gestiegen. Pneumologe Dr. Justus de Zeeuw erklärt, warum in der Offizin nicht mehr »produktiv oder trocken?« die Frage ist, sondern dass man mit »Ist ihr Husten be- oder entlastend?« weiterkommt.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 17.11.2023  07:00 Uhr

Bronchiale Reinigung

Expektoranzien verfolgen das Ziel, die Sekretviskosität zu normalisieren und über die Aktivierung der Flimmerhärchen die mukoziliäre Reinigung anzutreiben. Das fördert das Abhusten von Sekret. Sputum, das leichter abgehustet werden kann, entlastet die Hustenrezeptoren. Laut Leitlinienautoren verfügen unter den chemisch-synthetischen »protussiv/expektorationsfördernden« Wirkstoffen nur Ambroxol über »akzeptable randomisierte kontrollierte Studien, die eine Verkürzung der Dauer und/oder die Senkung der Intensität des Hustens bei der akuten Bronchitis belegen«. Für de Zeeuw ist Ambroxol eine der wissenschaftlich am besten untersuchten rezeptfreien Arzneistoffe. »Aufgrund seines Multitarget-Prinzips und vor allem seiner antientzündlichen Komponente ist es auch bei nächtlichem Reizhusten geeignet.«

Unter den pflanzlichen Arzneimitteln gibt es wesentlich mehr Therapieoptionen für Erkältungshusten und akute Bronchitis - wobei die Leitlinienautoren darauf hinweisen, dass Phytopharmaka als Vielstoffgemische nicht streng nach Expektorans oder Antitussivum einzuteilen sind. Ihre Datenlage für die Indikation akute Bronchitis sei jedoch häufig besser als für synthetische Expektoranzien. Die Wirksamkeitsbelege sind abhängig vom geprüften Extrakt.

 

Der Pneumologe legt Wert darauf, dass sich die Patienten möglichst schnell medikamentöse Hilfe holen. »Je früher man die ablaufenden Entzündungsmechanismen unterbindet, desto besser lässt sich deren Unterhalt eindämmen. Wer zu lange wartet, wird auch länger mit den Folgen zu tun haben. Das kennen wir auch aus der Asthmatherapie.« Studien zeigten, dass ein früher Start der Therapie mit einer niedrigeren Krankheitslast und einer früheren Remission verbunden ist. Eine Verzögerung der Therapie verlängere dagegen die Symptome.

»Das setzt natürlich voraus, dass Patienten direkt bei den ersten Erkältungssymptomen mit der Therapie starten. Der Beginn eines Infekts ist zwar bei jedem unterschiedlich – bei dem einen fängt es immer mit Halskratzen an, beim anderen ist es etwa ein Fließschnupfen –, aber diese Erstsymptome zeigen sich dann aber immer wieder gleich. Daraus sollte man lernen und sofort Gegenmaßnahmen ergreifen«, rät de Zeeuw.

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