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Apothekendemo in Dortmund
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Hessens Apothekenteams auf Sprechblasenjagd

Der Protest geht weiter: Am kommenden Mittwoch, den 15. November demonstrieren die Apotheken der »Region West« gemeinsam in Dortmund. Auch Teams aus Hessen werden erwartet. Kammerpräsidentin Ursula Funke und Verbandsvorsitzender Holger Seyfarth schwören die Apothekenteams auf den Protest ein.
AutorKontaktAlexander Müller
Datum 10.11.2023  17:40 Uhr
Hessens Apothekenteams auf Sprechblasenjagd

Trotz anhaltender Schließungswelle bei den Apotheken plane Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach (SPD) keine Entlastung für die »desaströse wirtschaftliche Situation«, schreibt Kammerpräsidentin Funke an die Mitglieder. Stattdessen versuche der Minister, seine »Ideen« einer Liberalisierung des Apothekenwesens als Erleichterungen und Verbesserungen zu verkaufen. Doch »Scheinapotheken« ohne approbierte Apotheker, ohne Rezeptur und ohne Notdienst würden zu einer Zweiklassenversorgung führen und die flächendeckende Arzneimittelversorgung durch die inhabergeführte Apotheke vor Ort zerstören.

Auch die von Lauterbach in seinem Eckpunktepapier vorgelegten »Einsparberechnungen« seien »hanebüchen«, so Funke. »Wir müssen diese Seifenblasen des Ministers zum Platzen bringen, wir müssen Öffentlichkeit, Medien und Politik aufklären und überzeugen, dass diese Pläne trotz wohlklingender ministerieller Worte und fadenscheinigen Erleichterungen nichts anderes als Sprechblasen sind, dass diese Pläne für die Menschen eine Verschlechterung bedeuten und unser Apothekenwesen zerstören.«

»Kommen Sie nach Dortmund!«

Sprüche wie »wir haben kein Geld im System« sind aus Sicht der Kammerpräsidentin fadenscheinig: Immerhin betrage der Anteil der Apothekenkosten an den GKV-Ausgaben gerade einmal 2 Prozent. Die Verwaltungsausgaben der GKV seien mehr als doppelt so hoch. »Kommen Sie nach Dortmund – nur gemeinsam und in großer Zahl sind wir stark«, so Funkes Appell an die Apothekenteams.

Der Vorsitzende des Hessischen Apothekerverbands (HAV), Holger Seyfarth, sagte zu den aktuellen Plänen des Ministers: »Das ist kein Zukunftsplan, sondern der finale Einstieg in das Ende der wohnortnahen Patientenversorgung mit Arzneimitteln und das Aus für die öffentlichen Apotheken vor Ort.«

Lauterbach will die Anforderungen für Filialapotheken senken und erhofft sich so eine Sicherung der ländlichen Versorgung. Doch laut Seyfarth würden solche Experimente »der öffentlichen Apotheke den Todesstoß versetzen«. Die Apothekerschaft werde sich daher mit weiteren Protesten und Maßnahmen entschieden dagegen wehren. Die Arzneimittelversorgung soll am 15. November nur über die Notdienstapotheken sichergestellt werden.

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