Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) diskutierte darüber, wie die Primärversorgung künftig unter Einbeziehung der Selbstmedikation und heilberuflicher Beratung gestaltet werden kann. / © Pharma Deutschland
Im Mittelpunkt der Veranstaltung »Gesundheit beginnt vor Ort« stand die Frage, wie Patientinnen und Patienten bei leichteren Beschwerden künftig schnell, sicher und wohnortnah versorgt werden können. Dabei ging es um die zukünftige Gestaltung der Primärversorgung unter Berücksichtigung von Selbstmedikation in Verbindung mit heilberuflicher Beratung.
Gesundheitsminister Andreas Philippi gab mit einem politischen Impuls den Auftakt und diskutierte anschließend mit Cathrin Burs, Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen, Ludwig Grau, stellvertretender Vorsitzender der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Brigitte Käser, Geschäftsführerin Gesundheitsmanagement ambulant der AOK Niedersachsen und Babette Reiken, Geschäftsführerin des Pharmaunternehmens G. Pohl-Boskamp. Moderiert wurde das Panel von Lutz Boden, Geschäftsführer OTC-Markt bei Pharma Deutschland.
Dabei sei noch einmal deutlich gemacht worden, dass das deutsche Gesundheitswesen unter erheblichem Veränderungsdruck stehe, erklärte Pharma Deutschland in einer Mitteilung. Eine älter werdende Bevölkerung, Fachkräftemangel, knappe finanzielle Spielräume und hohe Belastungen in Arztpraxen würden die Versorgung vor grundlegende Fragen stellen. Zugleich benötigten Patientinnen und Patienten verlässliche Anlaufstellen, die ihnen schnelle Orientierung und kompetente Unterstützung böten.
Ein verbindender Leitgedanke sei gewesen: So viel Eigenverantwortung wie möglich, so viel Fürsorge wie nötig. Selbstmedikation sei dabei nicht als Ersatz für die ärztliche Versorgung betrachtet worden, sondern als »frühe, verantwortungsvoll gestaltete Option bei geeigneten leichten Beschwerden«, so Pharma Deutschland weiter. Die heilberufliche Beratung in der Apotheke wurde vom Verband als wesentliches Sicherheitsnetz eingeordnet.
Im Zentrum des Abends standen zudem zukünftige Versorgungspfade und eine bessere Steuerung der Patientinnen und Patienten. Das Panel beleuchtete, wo ärztliche Behandlung zwingend erforderlich ist, wo Apotheken ihre heilberufliche Kompetenz stärker einbringen können und wie Prävention, Gesundheitskompetenz und Selbstmedikation sinnvoll zusammenspielen.
Laut dem Verband rückte zugleich die Frage in den Fokus, wie knapper werdende personelle und finanzielle Ressourcen gezielter eingesetzt werden können. In der Diskussion sei die heilberuflich unterstützte Selbstmedikation als wichtiger Bestandteil der Primärversorgung eingeordnet worden. »Rezeptfreie, apothekenpflichtige Arzneimittel ermöglichen bei geeigneten Indikationen einen schnellen Zugang zur Versorgung und können dazu beitragen, Arztpraxen und Notfallstrukturen zu entlasten. Zugleich wurde deutlich: Voraussetzung sind klare Grenzen der Eigenverantwortung, eine fundierte heilberufliche Beratung und ein gleichberechtigter Zugang zu Gesundheitsbildung und Versorgung«, resümierte Pharma Deutschland.
Die Diskussion verband die Frage nach mehr Eigenverantwortung ausdrücklich mit dem Solidaritätsgedanken, so der Verband weiter. Nicht alle Menschen würden über dieselben finanziellen Möglichkeiten oder dieselbe Gesundheitskompetenz verfügen. Deshalb müsse eine stärkere Rolle der Selbstmedikation von Gesundheitsbildung, erreichbarer heilberuflicher Beratung und sozial ausgewogenen Rahmenbedingungen begleitet werden. Als gemeinsame Orientierung sei herausgearbeitet worden: Gute Versorgung dürfe nicht von Einkommen, Wohnort oder individuellem Vorwissen abhängen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion sei das Zusammenwirken der Gesundheitsberufe gewesen. Dabei sei deutlich geworden: Eine zukunftsfähige Primärversorgung brauche klare Zuständigkeiten, gegenseitiges Vertrauen und intelligente Übergänge zwischen Selbsthilfe, Apotheke, ärztlicher Behandlung und weiteren Versorgungsangeboten. Die Vor-Ort-Apotheke könne dabei als niedrigschwellige erste Anlaufstelle eine stärkere Rolle übernehmen, ohne die notwendige ärztliche Diagnostik und Therapie infrage zu stellen.
Ein weiterer Punkt der Diskussion sei gewesen, dass Gesundheitsbildung früh beginnen sollte und Menschen befähigt werden müssten, Beschwerden besser einzuschätzen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Bei leichten Beschwerden gehe es darum, dass Selbstmedikation sicher, heilberuflich begleitet und für alle Menschen zugänglich sein müsse. Hierbei seien fünf Ansatzpunkte herausgearbeitet worden: