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Kohortenstudie
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Grippeimpfung mit verringertem Alzheimerrisiko assoziiert

Wer sich mindestens einmal gegen Grippe hat impfen lassen, hat im Vergleich zu einem Ungeimpften ein um 40 Prozent niedrigeres Risiko, in den folgenden vier Jahren Alzheimer zu entwickeln. Diese Assoziation fanden US-Forschende bei der Analyse der Gesundheitsdaten von fast zwei Millionen Amerikanern.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 28.06.2022  13:06 Uhr

Die Mediziner von der UT Health Houston waren vor zwei Jahren bereits auf eine mögliche Verbindung zwischen der Influenzaimpfung und dem Alzheimerrisiko gestoßen. Nun verglichen sie die Alzheimerraten von gegen Grippe geimpften und nicht geimpften Über-65-Jährigen.

Von den 935.887 Geimpften erkrankten demnach 5,1 Prozent in den folgenden vier Jahren an Alzheimer gegenüber 8,5 Prozent unter den ebenso vielen Ungeimpften. Das entspricht einer relativen Risikoreduktion um 40 Prozent, schreiben die Wissenschaftler im aktuellen »Journal of Alzheimer’s Disease«

»Wir fanden heraus, dass die Grippeimpfung bei älteren Erwachsenen das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, über mehrere Jahre hinweg verringert«, fasst Erstautor Dr. Avram S. Bukhbinder zusammen. »Die Stärke dieses Schutzeffekts nahm mit der Anzahl der Jahre zu, in denen eine Person eine jährliche Grippeimpfung erhielt – mit anderen Worten, die Rate der Entwicklung von Alzheimer war bei denjenigen am niedrigsten, die konsequent jedes Jahr die Grippeimpfung erhielten.« Allerdings erlaubt das retrospektive Studiendesign keine Schlussfolgerung, ob tatsächlich ein kausaler Zusammenhang besteht.

»Da es Hinweise darauf gibt, dass verschiedene Impfstoffe vor der Alzheimer-Krankheit schützen können, gehen wir davon aus, dass es sich nicht um eine spezifische Wirkung der Grippeimpfung handelt«, so Seniorautor Professor Dr. Paul E. Schulz. Dazu zählten beispielsweise Studien, die ein reduziertes Demenzrisiko nach verschiedenen Impfungen im Erwachsenenalter fanden, darunter Impfungen gegen Tetanus, Polio und Herpes zoster.

Das Studienteam glaubt, dass im komplexen Immunsystem einige Veränderungen wie etwa eine Lungenentzündung, die körpereigene Abwehr in einer Weise aktivieren können, die die Alzheimer-Krankheit verschlimmert. »Aber andere Dinge, die das Immunsystem aktivieren, tun dies möglicherweise auf eine andere Art und Weise – eine, die vor Alzheimer-Krankheit schützt«, erklärt Schulz mit Blick auf Impfungen. »Es liegt auf der Hand, dass wir noch mehr darüber lernen müssen, wie das Immunsystem den Verlauf dieser Krankheit verschlechtert oder verbessert«, so der Neurologe.

Auch solle in weiteren Studien untersucht werden, ob die Covid-19-Impfung sich ebenfalls positiv auf das Demenzrisiko ausgewirkt haben könnte. Umgekehrt mehren sich die Hinweise, dass eine Covid-19-Erkrankung sich negativ auf Hirnerkrankungen inklusive Alzheimer und Parkinson auswirken könnte.

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