Vom Mangel zur Fülle: Das Gehirn reagiert auf positive Impulse etwa aus der Natur. Das stärkt am Ende das Zufriedenheitsgefühl. / © Getty Images/Peter Cade
Jedes Jahr zeigt der Weltglücksbericht (World Happiness Report), in welchen Ländern Menschen besonders zufrieden mit ihrem Leben sind. Oft stehen dabei die nordischen Länder an der Spitze. Solche Rankings sind für viele ein Anlass, sich mit dem eigenen Glück auseinanderzusetzen.
Was Glück bedeutet, ist dabei nicht eindeutig. »Im Deutschen hat Glück zwei Bedeutungen«, sagt Nanni Glück, die als Psychologin, Trainerin und Coach in der Nähe von Stuttgart arbeitet. »Es kann bedeuten, Glück zu haben – oder glücklich zu sein.« Aufgrund dieser Zweideutigkeit kommt es vor, dass Menschen glauben, zum eigenen Glück gar nicht so viel beitragen zu können.
Tatsächlich meint die Psychologie mit Glück vor allem keinen Zufall, sondern einen Zustand: das, was Fachleute als »subjektiv empfundene Lebenszufriedenheit« bezeichnen. Nanni Glück betont, dass es dabei um ein langfristiges Gefühl geht – nicht um kurze Hochs. In diesem Verständnis ist Glück nichts, das man hat, sondern etwas, das man erlebt – und mitgestalten kann.
Viele Menschen glauben trotzdem, ihre Zufriedenheit hänge vor allem von äußeren Umständen ab. »Und dann tappen wir relativ schnell in die Wenn-Dann-Falle«, so die Psychologin: Wenn ich meinen Job ändere, wenn ich endlich einen tollen Partner habe, wenn ich in Rente bin – dann werde ich glücklich sein. In diesem Denken wird Glück immer wieder auf später verschoben.
Ganz losgelöst von äußeren Umständen funktioniert Glück allerdings nicht. »Es braucht bestimmte äußerliche Rahmenbedingungen, damit ich von so etwas wie innerer Zufriedenheit oder seelischem Wohlbefinden reden kann«, sagt Glück. Sie verweist auf Grundbedürfnisse wie Sicherheit, ein Dach über dem Kopf und ein verlässliches Einkommen. Sind diese Grundlagen erfüllt, rücken andere Fragen in den Vordergrund: Wie kann ich meine Stärken nutzen? Wo habe ich das Gefühl, etwas bewirken zu können?
Hier setzt ein Perspektivwechsel an: weg vom Mangel, hin zu dem, was schon da ist. »Wofür kann ich dankbar sein? Dankbarkeit als Basis für nachhaltiges Glück oder nachhaltige Zufriedenheit«, beschreibt Nanni Glück. Wer bewusst hinsieht, entdecke oft, dass bereits vieles vorhanden ist, was Zufriedenheit ermöglicht. »Dieser Blickwechsel, weg von was fehlt, hin zu was ist schon da, zeigt mir dann: Oh wow, ich habe ja schon total viel. Und eigentlich habe ich auch schon alles in mir, was es braucht, um zufrieden und glücklich zu sein.«