Präventionskurse, die durch gesetzliche Krankenkassen gefördert werden, erreichen nach Kassenangaben überproportional viele Menschen mit bewegungsrelevanten Beschwerden. / © Imago Images/Shotshop
Die Evaluation des BQS Instituts für Qualität und Patientensicherheit zeige nicht nur eine hohe Zufriedenheit der Teilnehmenden, sondern gebe auch Aufschluss über positive Gesundheitseffekte von Präventionskursen wie Rücken-, Beckenboden- oder Ganzkörpertraining. Das teilte der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) heute mit.
Bei einem Fünftel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer verbesserten sich demnach Beschwerden im Zusammenhang mit dem Bewegungsapparat nachhaltig. Dazu zählen etwa Kreuz-, Nacken- und Schulterschmerzen oder Muskelverspannungen. Der allgemeine Gesundheitszustand verbesserte sich bei 13,9 Prozent der Teilnehmenden nachhaltig. Zudem konnte eine dauerhafte Steigerung der körperlichen Aktivität bei den Teilnehmenden nachgewiesen werden.
Die Ergebnisse der Studie machen laut GKV-Spitzenverband auch deutlich, dass Präventionskurse überproportional viele Menschen mit bewegungsrelevanten Beschwerden erreichen. Sozial benachteiligte Gruppen und Menschen mit Bewegungsmangel werden laut Bericht noch nicht ausreichend erreicht; hier bestehe noch weiterer Handlungsbedarf.
»Präventionskurse sind ein wichtiger Baustein, um langfristig die eigene Gesundheit zu fördern. Die ärztliche Präventionsempfehlung bietet großes Potenzial, um Menschen zu erreichen, die bislang kaum von diesen Präventionsangeboten profitieren«, kommentierte Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes. »Klar ist jedoch auch: Gerade die bessere Ansprache von sozial benachteiligten Menschen kann nur gelingen, wenn auch weitere gesellschaftliche Akteure Verantwortung übernehmen. Wer Prävention nur im Sozialgesetzbuch denkt und finanziert, springt viel zu kurz. Es müssen in allen Lebensbereichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die einen gesundheitsförderlichen Lebensstil ermöglichen und die Gesundheitskompetenz der Menschen stärken.«
Deshalb fordert der GKV-Spitzenverband, dass Gesundheitsförderung und Prävention in allen gesellschaftlichen Bereichen einen höheren Stellenwert bekommen und stets mitgedacht werden. Dazu gehöre auch eine Finanzverantwortung, die nicht nur bei den Krankenkassen angesiedelt werden könne. Die gesundheitlichen Auswirkungen von Maßnahmen müssten bei allen politischen Vorhaben berücksichtigt und Maßnahmen zur Gesundheitsförderung verlässlich finanziert werden.
Präventionskurse finden nach Kassenangaben überwiegend in Gruppen statt, laufen über mehrere Wochen und verbinden Wissen mit praktischen Übungen für den Alltag. Die Kursinhalte beruhten auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Um die Qualität und einheitliche Umsetzung der Kurse sicherzustellen, werden sie demnach von der Zentralen Prüfstelle Prävention zertifiziert. In einem gemeinsamen Leitfaden Prävention haben sich die Krankenkassen auf Handlungsfelder und Qualitätskriterien verständigt, die als Grundlage dafür gelten.
Zwischen Oktober 2023 und November 2025 wurden insgesamt 172 Präventionskurse im Handlungsfeld Bewegung untersucht. 1385 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden zum Start des Kurses befragt. Davon nahmen 428 an weiteren Befragungen zum Ende des Kurses und sechs Monate danach teil. Die Evaluation soll auch Grundlage dafür sein, die Präventionskurse in den weiteren Handlungsfeldern zu untersuchen.