| Johanna Hauser |
| 16.02.2026 12:00 Uhr |
In der traditionellen chinesischen Medizin wird Ginkgo bereits lange eingesetzt. Aber auch in der westlichen Medizin haben sich Ginkgo-Extrakte unter anderem bei kognitiven Störungen etabliert. / © Adobe Stock/New Africa
Ein Team um Professor Dr. Lisa Wieland von der Georgetown University in Washington führte im Rahmen einer Metaanalyse eine Bewertung der Vor- und Nachteile von Ginkgo biloba durch. Eingeschlossen wurden 72 randomisierte Studien mit insgesamt 9783 Teilnehmenden, die unter anderem an leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) oder diagnostizierter Demenz litten. In den Studien wurden Ginkgo‐Präparate mit Placebo oder anderen Arzneimitteln verglichen oder zusätzlich zu anderen Behandlungen eingesetzt. In den meisten Studien wurde eine Tagesdosis von 240 mg Ginkgo-Extrakt eingesetzt. Das Gros der geprüften klinischen Studien umfasste Daten zum Extrakt EGb761®, bekannt unter dem Markennamen Tebonin®.
Zur Beurteilung der Wirkung von Ginkgo gegenüber Placebo bei Patienten mit bestätigter Demenz wurden dreizehn Studien mit 3288 Teilnehmern herangezogen. Die Beurteilung erfolgte anhand des Syndrom-Kurztests, der ADL International Scale und einer sechsstufigen Likert-Skala.
Die Wirksamkeit wurde anhand der Mittelwertdifferenz (MD) zwischen Behandlungs- und Placebogruppe beschrieben. Die MD beschreibt die tatsächliche mittlere Punktereduktion auf der verwendeten Skala. Dabei bedeuten negative Werte bessere Ergebnisse zugunsten von Ginkgo.
Nach sechs Monaten wiesen Patienten unter Ginkgo eine bessere Kognition (Syndrom-Kurztest, MD –1,86), eine leichte Verbesserung in den Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL International Scale, MD –0,19) und einen verbesserten klinischen Gesamtstatus auf (Sechs‑Punkte‑Likert‑Skala, MD –0,06). Das Ergebnis deutet darauf hin, dass es bei Menschen mit bestätigter Demenz nach einer sechsmonatigen Behandlung mit Ginkgo-Extrakt kleine bis mäßige Vorteile geben kann.
Zwölf Studien mit 1913 Teilnehmern verglichen die Anwendung von Ginkgo gegen Placebo für sechs Monate bei Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen. Zur Beurteilung wurden die Clinical Dementia Rating Scale, die Alzheimer’s Disease Assessment Scale – Cognition und die Instrumental ADL Scale verwendet.
Sowohl für die Auswirkungen auf den klinischen Gesamtstatus (CDR-Skala, MD –0,03) als auch auf die Kognition (ADAS-Cog, MD –0,07) und die Aktivitäten des täglichen Lebens (IADL, MD –0,05) waren die Unterschiede zu gering, um klinisch relevant zu sein. Die Forschenden resümieren, dass Ginkgo bei Menschen mit MCI wahrscheinlich wenig oder keinen Einfluss auf den allgemeinen Zustand, die Kognition oder die ADL hat.