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Zukunft der Versorgung
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»Gerade in der Apotheke wird Gesundheit gelebt«

Auf dem Kongress für Gesundheitsnetzwerker wurde diskutiert, welche Rolle Apotheken zwischen Reformdruck, Digitalisierung und wachsendem Fachkräftemangel in Zukunft spielen. Klar wurde: Ohne stärkere Kooperation und neue Versorgungsmodelle wird es nicht gehen. 
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 19.03.2026  15:00 Uhr

»Onlinehandel schleicht sich in System ein«

Der Apotheker Sven Lobeda aus Dresden fokussierte sich in seiner Beschreibung der »Apotheke der Zukunft« auf den städtischen Bereich und erklärte, dass interne Modernisierung und effiziente Logistik die Zukunftsfähigkeit sichern können. »Ich verfolge einen disruptiven Ansatz, weil wir viele Sachen neu denken müssen«, sagte er. »KI spielt eine große Rolle.«

Er warnte vor den Versendern: »Unser Mitbewerber ist der Onlinehandel und schleicht sich ziemlich galant in unser System ein«, so Lobeda. »Das passiert so, dass wir es als Apotheker gar nicht merken, weil wenn eine Apotheke zumacht, haben wir ja mehr Arbeit und natürlich auch mehr Umsatz, aber weniger Ertrag.«

Lobeda sieht sich auch im Jahr 2030 als maximalen Vollversorger: »Für mich gibt es keinen Unterschied, ob der Patient bei mir online bestellt, wir haben 400 Online-Bestellungen im Monat. Das ist für mich am Ende das Gleiche. Das ist mein Patient und wie er bestellt, ist seine Entscheidung. Wir beraten online genauso wie offline, ob er sich das abholt oder vom Botendienst bringen lässt.«

»Wege, um nicht in eine Versorgungslücke zu fallen«

Der Apotheker Jürgen Schäfer aus Winterberg präsentierte mit »ApoFirst« seinen Ansatz für eine hochmoderne Vor-Ort-Apotheke im ländlichen Raum. Ihm gehe es darum, Wege zu suchen, »um nicht in eine Versorgungslücke zu fallen« und eine wohnortnahe Betreuung auch in der Fläche zu sichern.

Schäfer etablierte beispielsweise einen Kommissionierautomat mit bis zu 18.000 Packungen und ein Verkaufs- und Abholterminal mit Anschluss an den Kommissinierautomat, das rund um die Uhr verfügbar ist. Zudem installierte er eine »Medivise Beratungsbox« innerhalb der Apothekenräume: Hier kann online per elektronischer Gesundheitskarte ein Telearzt hinzugeschaltet werden. Des Weiteren gibt es einen Vortragsraum in der Apotheke mit Platz für 50 Personen zu Gesundheits- und Präventionsthemen. 

»Gerade in der Apotheke wird Gesundheit gelebt«, sagte Schäfer. »Eine medizinische Beratung und Betreuung braucht einen besonderen Raum. In der Apotheke ist dieser besondere Raum.« Als Apotheker müsse man die Möglichkeit haben, »in schwachen Zeiten wenn Ärzte nicht da sind, eine ärztliche Grundversorgung stattfinden zu lassen«, ist Schäfer überzeugt. Zudem könne mithilfe von Digitalisierung und KI Zeit eingespart werden, die woanders, zum Beispiel im Hinblick auf die pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL), »zielbringend« eingesetzt werden könne.

Auch im Jahr 2030 werde es die Apotheken noch geben: »Wir arbeiten mit dem höchsten Gut: Gesundheit. Ohne Gesundheit ist alles andere nichts. Wir müssen einen Trend draus machen, gesund alt zu werden.«

Mathias Arnold wünscht sich für die Zukunft, dass der Mensch im Gesundheitswesen im Mittelpunkt steht, »als Subjekt, nicht als Objekt«. Arnold resümierte: »Wir müssen den Menschen als Menschen wahrnehmen. Das sollten wir uns als Heilberufler immer auf die Fahnen schreiben.«

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